Der Westend Verlag galt lange als Bastion kritischer, linker Gedanken. Ein Ort, an dem progressive Stimmen wie Gregor Gysi, Ulrike Herrmann oder Andrea Ypsilanti ihre Bücher veröffentlichten – Autor:innen, die für soziale Gerechtigkeit, Demokratie und den Kampf gegen Rechtsextremismus stehen. Doch jetzt? Jetzt hat der Verlag mit der Veröffentlichung des Buches »Links – Deutsch / Deutsch – Links« von Pauline Voss und Julian Reichelt eine rote Linie überschritten. Und das ist kein Zufall, sondern System.
Denn Reichelt und Voss sind keine beliebigen Autor:innen. Sie sind Führungskräfte von NIUS – einem Portal, das sich längst als rechter Hetzkanal entpuppt hat. Ein Medium, das Tag für Tag demokratische Institutionen, Minderheiten und progressive Kräfte verunglimpft, das AfD-Positionen propagiert und Verschwörungsmythen bedient. Und genau dieses Portal bekommt nun durch den Westend Verlag eine akademische Legitimation.
Inhaltsverzeichnis
Der offene Brief: Wer distanziert sich – und warum?
Über 30 Autor:innen haben sich in einem Offenen Brief vom Westend Verlag losgesagt. Darunter:
- Gregor Gysi (Die Linke)
- Ulrike Herrmann (taz)
- Andrea Ypsilanti (ehem. SPD)
- Christoph Butterwegge (Armutsforscher)
- Daniel Bax, Simone Schmollack, Heike Holdinghausen (taz)
- Stephan Hebel (ehem. stellv. Chefredakteur Frankfurter Rundschau)
Ihre Begründung ist so klar wie vernichtend:
„Mit der Veröffentlichung des von Pauline Voss und Julian Reichelt herausgegebenen Bandes haben Sie das Spektrum Ihrer Veröffentlichungen bis hin zur extremen Rechten erweitert. Dieses Buch ragt nicht nur dadurch heraus, dass Sie damit Ihren Verlag den Führungspersonen eines Portals zur Verfügung stellen, das Tag für Tag große Teile des demokratischen Spektrums verunglimpft. Der Band enthält zudem Texte von Autorinnen und Autoren, deren Positionen der AfD nahestehen, einer aus unserer Sicht demokratiebedrohenden Partei.“
Die Unterzeichnenden betonen zwar das Recht des Verlags, zu veröffentlichen, was er will – aber sie weigern sich, ihre Arbeit in „dieser ideologischen Nachbarschaft“ fortzusetzen. Und das ist kein symbolischer Akt, sondern eine notwendige Konsequenz.
NIUS: Die AfD-nahen Stimmungsmacher
Dass NIUS kein harmloses Medienprojekt ist, belegen zahlreiche Quellen:
- Das Portal wird von Julian Reichelt geleitet, einem Mann, der bereits bei der Bild-Zeitung durch rechte Kampagnen auffiel und nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung entlassen wurde.
- Finanziert wird NIUS unter anderem vom Milliardär Frank Gotthardt, einem CDU-nahen Unternehmer, der mit seinem Geld rechte Narrative in den Mainstream spült.
- NIUS verbreitet Falschinformationen, Hetze gegen Minderheiten und Angriffe auf demokratische Institutionen – und dient damit als Beschleuniger für AfD-Ideen.
- Selbst Gerichte haben NIUS bereits wegen Verleumdung und Diskriminierung verurteilt.
Und genau dieses Portal bekommt nun durch den Westend Verlag eine Bühne in der Buchwelt.
Was das für die Demokratie bedeutet
Der Westend Verlag hat sich jahrzehntelang als „Plattform für kritische, linke Perspektiven“ verstanden. Doch mit der Veröffentlichung des Reichelt/Voss-Buches hat er sich selbst entkernt. Die Botschaft ist klar:
Wenn selbst ein einst linker Verlag AfD-nahe Autor:innen und rechte Hetzer:innen publiziert, dann ist die Normalisierung des Rechtsextremismus längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Dass sich nun 30 renommierte Autor:innen distanzieren, ist ein Weckruf. Es geht nicht nur um einen Verlag – es geht um die Frage, wo wir als Gesellschaft die Grenzen ziehen.
- Wenn ein Verlag, der sich als links verstand, plötzlich rechte Kulturkämpfer:innen bedient, was kommt dann als Nächstes?
- Wenn NIUS – ein Portal, das demokratiefeindliche Positionen verbreitet – durch Buchveröffentlichungen salonfähig wird, wer profitiert davon?
- Und vor allem: Wer verliert?
Die Antwort ist einfach: Die Demokratie.
Kein Platz für Querfront-Spiele
Der Westend Verlag hat die Chance vertan, eine klare Haltung zu zeigen. Stattdessen hat er sich für Profit und Aufmerksamkeit entschieden – und damit rechten Akteur:innen eine Plattform gegeben. Die Autor:innen, die jetzt gehen, tun das nicht aus Beleidigtheit, sondern aus Verantwortung.
Denn eines ist klar:
Wer mit Rechtsextremen paktiert, verliert das Recht, sich noch „links“ zu nennen.
Und wer die Demokratie schützen will, darf keine Kompromisse mit ihren Feinden eingehen.
Was denkt ihr? Sollte der Westend Verlag Konsequenzen ziehen – oder ist die Distanzierung der Autor:innen schon Strafe genug? Diskutiert mit!

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