Langenhagen, 15.02.2026. So langsam fühle ich mich durch Nationalsozialisten und der AfD belästigt. Anders kann man das schon nicht mehr sagen. Da findet man in seinem Briefkasten ein braun versifftes Stück Papier und offenbar kann der oder die Verteiler / Verteilerin nicht mal den Schlitz bei dem Wetter verschließen. Es geht um das geplante Erstaufnahmelager in Langenhagen und den Versuch vor der Kommunalwahl 2026 Stimmung zu machen.
Der Sonntag war echt schön. Es war kalt und sonnig, dem Hund gefiel das Wetter und mir natürlich auch. Als ich Nachmittag nach Hause zurückkam, fand ich nachfolgend gezeigten Flyer in meinem Briefkasten.
An dem Flyer kann man sich alleine schon abarbeiten, auf beiden Seiten das gleiche Motiv, zwei Menschen, irgendein Bild und etwas Text. Man musste nicht einmal den Flyer genau durchlesen, es war sofort klar, was es war und was es bezweckte:
- Der Flyer war in blauer Farbe gehalten und das Parteilogo der AfD war sichtbar.
- Zwei Menschen mit Hoodies waren abgebildet, der eine erfüllte sofort, als Assoziation, das Abziehbild eines SA-Schergen des letzten Jahrhunderts.
- Das Hintergrundbild stellt ein Container-Dorf mit deutscher Fahne und Menschen dar.
- Über dem vermeidlichen Eingang war ein Schild angebracht, tja, wohl durch KI generiert, da klappt das mit der Schrift nicht sauber, wenn man sich nicht auskennt.
- Und dann der Text: „Kein Geld für Bürger (kein weiteres Satzzeichen) aber 500 zusätzliche Flüchtlinge? Nicht mit UNS!“, darunter der Text „Daniel Schäfer & André Fehn (kein Satzzeichen) Kandidaten für den Stadtrat.
- Kein Impressum, nur das AfD-Logo mit Text „Stadtratsfraktion Langenhagen“.
Die Kommunalwahl in Niedersachsen findet am 13. September 2026 statt, viele Parteien beginnen schon ein Jahr vorher mit dem „Wahlkampf“, so wohl auch die AfD Langenhagen. Da kommt ihnen die Ankündigung, dass das Land Niedersachen in Langenhagen ein Erstaufnahmelager plant, genau zur rechten Zeit. Dabei bedient sich die AfD in gewohnter Manier dem nationalsozialistischen Populismus und bestätigt das, was auch für die Bundes AfD gilt: Sie gehört verboten.
Verursacht haben den Flyer, auch das gehört zur Wahrheit, die etablierten Parteien in Langenhagen.
In Langenhagen ist die Einrichtung einer neuen Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 530 geflüchtete Menschen geplant. Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB NI) gab am 6. Februar 2026 bekannt, dass die Einrichtung auf dem ehemaligen EDC-Gelände an der Emil-Berliner-Straße entstehen soll. Die Inbetriebnahme ist für das zweite Halbjahr 2027 vorgesehen. Die neue Unterkunft soll die bisherige Notunterkunft in Garbsen ersetzen, die im Juni 2026 geschlossen wird. Ziel ist es, die gesetzliche Verpflichtung des Landes zur Bereitstellung ausreichender Erstaufnahmeplätze zu erfüllen und die Kommunen zu entlasten. Die Einrichtung soll unter anderem Kinderbetreuung, medizinische Versorgung und Freizeitmöglichkeiten bieten.
Kritik der Stadt Langenhagen: Der Verwaltungschef (Bürgermeister) von Langenhagen, Mirko Heuer (CDU), lehnt das Vorhaben seit Bekanntwerden der Pläne im Februar 2026 vehement ab. Seine Hauptargumente sind:
- Überlastung der Infrastruktur und Sozialstruktur: Die Stadt befürchtet, dass die Aufnahme von bis zu 530 Geflüchteten die bestehenden Kapazitäten in den Bereichen Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Dienste überfordern könnte.
- Fehlende Transparenz und Kommunikation: Heuer wirft dem Land vor, die Stadt nicht frühzeitig in die Planungen einzubinden. Er gab an, bewusst keine öffentliche Debatte auslösen zu wollen, solange es noch Chancen gab, das Vorhaben auf Verhandlungsebene zu verhindern – auch, um zu vermeiden, dass das Thema von Extremisten instrumentalisiert wird.
- Politische Spannungen: Die Stadt sieht sich vom Land nicht als gleichberechtigten Partner behandelt. Heuer steht zudem in der Kritik, das Thema aus wahltaktischen Gründen nicht früher kommuniziert zu haben.
Position des Landes Niedersachsen:
- Die Landesaufnahmebehörde betont die gesetzliche Verpflichtung, ausreichend Erstaufnahmeplätze bereitzustellen, und verweist auf die Schließung der Notunterkunft in Garbsen im Juni 2026. Die neue Einrichtung in Langenhagen soll diese Lücke schließen und die Kommunen entlasten.
- Das Land argumentiert, dass die Unterkunft nur eine von mehreren Maßnahmen ist, um die Aufnahme von Geflüchteten landesweit zu organisieren. Die Kapazitäten wurden in den letzten Jahren bereits reduziert, und die neue Einrichtung sei notwendig, um die Aufnahmeverpflichtung zu erfüllen.
Lokale Reaktionen und Konflikte:
- Die fehlende Einbindung der Stadt in die Planung hat zu Vorwürfen gegenüber dem Land geführt. Heuer sieht das Innenministerium nicht mehr als verlässlichen Partner.
- Die öffentliche Debatte wurde erst spät geführt, was zu Vorwürfen der Intransparenz und mangelnder Bürgerbeteiligung führte.
Die Kritik, die vor allem von Mirko Heuer, dem Bürgermeister, öffentlich bekannt wurde und auch von der Mehrheit im Rat der Stadt Langenhaben getragen wird, ist natürlich dem Hauptumstand geschuldet, dass im September 2026 Kommunalwahlen stattfinden. Vergessen wir jedoch nicht, dass Langenhagen schon seit Jahrzehnten die echten Maßnahmen vergessen hat.
Es wurden einige Investitionen getätigt, die entweder das Budget nicht halten konnten oder wo plötzlich die Stadt als Eigentümer auftreten musste. Da geht es um das Gymnasium Langenhagen und den anderen Schulen in der Stadt, es gab ständig Diskussionen über längst notwendige Maßnahmen, die gerechterweise nach und nach angegangen hätten werden müssen, und doch finden die Parteien oft nur sehr spät zusammen. Oder dem Schwimmbad, zunächst ganz im Sinne der CDU privat geführt, tritt ja nun die Stadt Langenhagen als Eigentümer auf, und in einem anderen Stadtteil modert ein altes Frei- und Hallenbad vor sich hin.
Nicht zu vergessen, die Fernwärme, die für Langenhagen kommt, die aber seit Jahren die Walsroder Straße als Straße fast unbrauchbar macht und andere Straßen massiv belastet.
Statt also den Ball aufzunehmen und konkret das Thema Erstaufnahmelager anzugehen will man eigentlich auch nur auf dem Verhandlungswege eines: Verhindern. Die Argumente zeigen nur auf: Hausaufgaben nie gemacht, und eine langfristige Finanzplanung wurde ja auch vermieden.
Doch was sind eigentlich Erstaufnahmelager, schreckliches Wort. Hier mal ein historisches Beispiel:
Friedland
Das Erstaufnahmelager Friedland bei Göttingen ist seit seiner Gründung 1945 ein zentraler Ort der deutschen Migrationsgeschichte. Ursprünglich als Grenzdurchgangslager von der britischen Besatzungsmacht eingerichtet, diente es zunächst der Aufnahme und Durchschleusung von Flüchtlingen, Vertriebenen, Heimkehrern und entlassenen Kriegsgefangenen nach dem Zweiten Weltkrieg. In den ersten Jahren durchliefen hier über eine halbe Million Menschen die Einrichtung, später waren es insgesamt mehr als vier Millionen, die in Friedland erstmals deutschen Boden betraten – darunter Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, Spätaussiedler:innen, jüdische Zuwanderer:innen aus der ehemaligen Sowjetunion sowie Asylsuchende aus verschiedenen Krisenregionen.
Aktuell erfüllt das Lager mehrere Funktionen: Es ist niedersächsische Landesaufnahmestelle für jüdische Zuwanderer:innen aus der ehemaligen Sowjetunion, Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende – insbesondere aus Ländern wie Afghanistan, Syrien oder dem Irak – und bundesweite Anlaufstelle für Spätaussiedler:innen. Zudem spielt Friedland eine Rolle in humanitären Aufnahmeprogrammen und bei der Unterbringung von Kontingentflüchtlingen. Die Einrichtung ist damit nicht nur ein historischer Erinnerungsort, sondern bleibt bis heute ein aktiver Teil der deutschen Migrations- und Integrationspolitik.
Das Lager steht symbolisch für Hoffnung und Neuanfang, aber auch für administrative Herausforderungen und gesellschaftliche Debatten über Aufnahmebereitschaft und Integration. Durch seine langjährige Geschichte und aktuelle Bedeutung ist Friedland ein Spiegel der deutschen Einwanderungsgeschichte und ein Ort der Begegnung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Schicksale.
Ich bin mir sicher, hätte es das Erstaufnahmelager Friedland nicht gegeben, ginge es uns heute nicht so gut, wie es uns geht. Flüchtlinge sind nämlich längst benötigte Arbeitskräfte und somit auch Steuerzahlen und sie bezahlen über diesen Weg auch Geld in die Sozialkassen. Wir brauchen Zuwanderung, wir müssen sie nur arbeiten lassen.
Und da das Erstaufnahmelager erst 2027 eröffnet werden soll, ist ausreichend Zeit, die Bevölkerungsstatistik der Stadt Langenhagen zu analysieren. Irgendwann benötigt man mehr Wohnraum, mehr KITA Plätze, mehr Schulpätze und so weiter. Aber, nicht alle in einem Erstaufnahmelager aufgenommenen Schutzbedürftigen bleiben in Langenhagen. Friedland hat ja auch keine Einwohnerzahl über 1 Millionen Bürger.
Nein, hier machen alle aus einer Mücke ein Elefant und dabei geht viel Porzellan kaputt. Mit solchen Diskussionen baut man fleißig gemeinsam mit der AfD die Demokratie in unserem Land ab, lässt es zu, dass die AfD als Wölfe in die Schafsherde einbrechen und ein Blutbad anrichten, ganz wie „Wir kommen weder als Freunde noch als Neutrale. Wir kommen als Feinde! Wie der Wolf die Schafe angreift, so kommen wir.“ – Joseph Goebbels, 1928.
Nein, das kann Langenhagen besser, man kann sich der Herausforderung stellen und man muss sich von solchen Flugblättern klar distanzieren. Kommunalpolitik ist praktische Arbeit vor Ort und ich hoffe nur, die Bürgerinnen und Bürger wählen im September nicht das, was die Demokratie gefährdet.

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Langenhagen, 15.02.2026. So langsam fühle ich mich durch Nationalsozialisten und der AfD belästigt. Anders kann man das schon nicht mehr sagen. Da fin
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