Der Interregio der Deutschen Bundesbahn. Historische Einordnung, Nutzung und Linien.
Inhalt
Historische Einordnung
Der Interregio (IR) war eine Zuggattung der Deutschen Bundesbahn, die 1988 als Nachfolge des Städteschnellverkehrs eingeführt wurde. Ziel war es, eine komfortable und schnelle Alternative zum Regionalverkehr zu schaffen und gleichzeitig die teuren Intercity-Züge (IC) mit einem preisgünstigeren Angebot zu ergänzen. Der IR positionierte sich zwischen dem Nah- und Fernverkehr und war speziell auf mittlere Distanzen ausgerichtet. Damit schloss er eine Lücke im deutschen Schienennetz, indem er Städte miteinander verband, die nicht durch die Intercity-Linien abgedeckt wurden.
Die Einführung des Interregio war ein bedeutender Schritt in der Weiterentwicklung des deutschen Schienenverkehrs. Es war ein Versuch, Reisekomfort mit Erschwinglichkeit zu verbinden, und er entsprach dem Bedürfnis vieler Fahrgäste nach einem Angebot für mittellange Strecken. Der Interregio wurde vor allem für Reisende konzipiert, die Wert auf einen gewissen Komfort legten, ohne die höheren Preise der Intercity- oder später der ICE-Züge zu zahlen.
Verwendung in der Geschichte
Die Züge des Interregio waren mit bequemen Großraumwagen ausgestattet, die teilweise auch kleine Abteile boten. Besonders charakteristisch waren die breiten Sitze und die großzügige Beinfreiheit. Die Züge führten meist auch ein Bordbistro mit, was das Reisen angenehmer machte. Der Interregio wurde vor allem auf Strecken eingesetzt, die eine hohe Nachfrage bei Pendlern und Wochenendreisenden hatten, jedoch keine direkte Intercity- oder ICE-Verbindung besaßen.
Während seiner Betriebszeit war der Interregio für seine Zuverlässigkeit und den regelmäßigen Taktverkehr bekannt. Anfang der 1990er-Jahre war das Netz des Interregio stark ausgebaut und umfasste Verbindungen zwischen vielen deutschen Städten sowie grenzüberschreitende Strecken, beispielsweise nach Österreich, in die Schweiz und in die Niederlande.
In den 1990er-Jahren begann jedoch auch der Niedergang des Interregio. Die zunehmende Konkurrenz durch den ICE, der sich immer stärker etablierte, sowie die Neuausrichtung der Deutschen Bahn hin zu einem dichteren Regionalverkehrsnetz führten dazu, dass der Interregio an Bedeutung verlor. 2002 wurde die Zuggattung schließlich eingestellt.
| Linie | Linienverlauf |
|---|---|
| 11 | (Norddeich–) Münster–Oberhausen–Köln–Koblenz–Trier(–Saarbrücken/Luxemburg) |
| 12 | (Flensburg–) Hamburg–Göttingen(–Fulda) |
| 14 | Oldenburg–Bremen–Hannover–Hildesheim |
| 16 | (Braunschweig–/Berlin–Stendal–Wolfsburg–) Hannover–Osnabrück (–Münster) –Bad Bentheim–Hengelo–Amsterdam |
| 17 | Köln–Essen(/Norddeich) –Hannover– (Bad Harzburg/)Wolfsburg–Magdeburg–Leipzig (–Dresden) |
| 19 | Kassel–Gießen–Frankfurt/Main–Darmstadt–Heidelberg–Karlsruhe–Offenburg–Konstanz |
| 20 | Aachen–Krefeld–Duisburg–Essen–Hamm (Westf)–Kassel (–Bebra–Fulda)/(–Erfurt–Weimar) |
| 21 | Würzburg–Ansbach–Ingolstadt–München |
| 22 | (Norddeich–) Münster–Hamm–Hagen–Siegen–Gießen–Frankfurt/Main |
| 22B | (Frankfurt/M–) Würzburg–Bamberg–Hof |
| 23 | Norddeich–Emden–Rheine–Münster–Oberhausen–Köln–Koblenz–Mainz–Darmstadt–Heidelberg |
| 25 | (Berlin–Dresden–/Görlitz–Leipzig–) Hof–Regensburg–München (–Oberstdorf) |
| 26 | (Trier–) Saarbrücken–Mannheim–Stuttgart–Ulm–Lindau (–Feldkirch–Bludenz–Landeck) |
| 27 | Karlsruhe–Bruchsal–Stuttgart–Aalen–Nürnberg (–Coburg) |
| 28 | Karlsruhe–Pforzheim–Stuttgart–München–Salzburg |
| 29 | (Trier–) Saarbrücken–Mannheim–Frankfurt/Main |
| 31 | Frankfurt (Oder)–Berlin–Magdeburg–Halberstadt |
| 34 | Berlin–Chemnitz |
| 36 | Berlin–Halle–Erfurt–Eisenach–Frankfurt (Main) |
| 37 | Frankfurt (Oder)–Cottbus–Leipzig–Erfurt–Kassel |
Linien des Interregio im Jahr 1999
Im Jahr 1999 war das Netz des Interregios noch relativ umfangreich, obwohl es bereits erste Kürzungen im Angebot gab. Hier ist eine Liste einiger wichtiger IR-Linien, wie sie in jenem Jahr betrieben wurden:
- IR 10: Hamburg–Rostock–Stralsund
- IR 11: Bremen–Hamburg–Lübeck
- IR 13: Berlin–Halle–Erfurt–Würzburg
- IR 20: Köln–Koblenz–Mainz–Mannheim
- IR 22: Dortmund–Münster–Osnabrück–Emden
- IR 25: Frankfurt am Main–Marburg–Kassel–Göttingen
- IR 26: Hannover–Braunschweig–Magdeburg–Berlin
- IR 27: Stuttgart–Ulm–Augsburg–München
- IR 31: Leipzig–Dresden–Görlitz
- IR 32: München–Regensburg–Nürnberg
Diese Liste ist exemplarisch und spiegelt die Vielfalt der Verbindungen wider, die der Interregio im Jahr 1999 noch bot. Es handelte sich dabei sowohl um innerdeutsche als auch internationale Strecken.
Fazit
Der Interregio war ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des deutschen Schienenverkehrs. Er schuf Verbindungen zwischen Städten, die oft abseits der hochfrequentierten Intercity-Strecken lagen, und bot den Reisenden eine komfortable und erschwingliche Alternative. Obwohl der Interregio 2002 eingestellt wurde, bleibt sein Vermächtnis in Form von verbesserten Regionalverkehrsangeboten und der Erinnerung an eine innovative Zuggattung bestehen.


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