InterRegio

InterRegio

InterRegio in Deutschland: Geschichte, Ziele und Entwicklung

Geschichtlicher Kontext

Der InterRegio (IR) wurde 1988 von der Deutschen Bundesbahn eingeführt, um die damaligen Schnellzüge (D-Züge) schrittweise abzulösen. Ziel war es, Regionen und Mittelstädte durch feste, taktgebundene Linien an das Fernverkehrsnetz anzubinden – unterhalb der zuschlagpflichtigen Angebote wie Intercity (IC), Eurocity (EC) und später Intercity-Express (ICE).

BR 103 mit einem IR im Bahnhof meiner Fußbodenbahn.

Vorgeschichte und Konzeption

  • 1973–1977: Die Bundesbahn testete bereits mit dem „Schnellzug des Intercity-Ergänzungssystems“ (DC) eine Vorläufer-Idee, die jedoch scheiterte.
  • 1980er Jahre: Der Schnellzugverkehr war hochdefizitär und verlor an Nachfrage. Die erfolgreiche Einführung des Intercity-Netzes zeigte jedoch, dass taktgebundene, komfortable Züge attraktiv für Reisende sind.
  • Planung: Der IR sollte als „Zug zum Wohlfühlen“ für Strecken zwischen 100 und 500 km konzipiert werden, mit einem Fokus auf 150 km. Geplant waren ein Zweistundentakt, moderne Wagen, kurze Haltezeiten und ein gehobener Komfort (z. B. Bistro-Cafés, Großraum- und Abteilwagen).

Einführung und Hochphase

  • 1988: Start der ersten IR-Linie zwischen Hamburg und Kassel.
  • 1991/92: Sieben weitere Linien wurden eingeführt, das Netz wuchs kontinuierlich.
  • 1990er Jahre: Der IR wurde auf das Netz der Deutschen Reichsbahn ausgedehnt, auch internationale Verbindungen (z. B. nach Luxemburg, Amsterdam, Kopenhagen) entstanden.
  • 1995: Die Zuschlagpflicht für Zeitkarteninhaber entfiel, die Erlöse stiegen auf bis zu 744 Mio. DM (1993).

Probleme und Ende

  • Ab Mitte der 1990er: Wirtschaftliche Probleme durch sinkende Fahrgastzahlen, Konkurrenz durch Regionalexpress-Züge und veraltete Wagen.

2000–2006: Schrittweise Einstellung der IR-Linien, Ersatz durch IC/ICE oder Regionalverkehr. Der letzte IR fuhr am 27. Mai 2006.

Ziele des InterRegio

  • Anbindung von Mittelstädten und Regionen an das Fernverkehrsnetz.
  • Attraktive Alternative zu Schnellzügen durch Taktfahrplan, Komfort und direkte Verbindungen.
  • Wirtschaftliche Verbesserung des defizitären Schnellzugverkehrs.
  • Integration in den europäischen Verkehr durch grenzüberschreitende Verbindungen.
Zugschild eines typischen InterRegio.

Eingesetzte Züge und Wagenpark

  • Modernisierte Schnellzugwagen mit fernblau/pastellblau/lichtgrauer Lackierung.
  • Kombinierte Großraum- und Abteilwagen in Pastellfarben, breite Seitengänge, Bistro-Cafés.
  • Fahrradabteile ab 1992, Steuerwagen mit zusätzlichem Gepäckraum.
  • Keine Klimaanlage (außer in Bistro-Wagen), was besonders im Sommer kritisiert wurde.

IR-Linien im Jahr 1991

Linie

Streckenverlauf

Einführung

Einstellung/Ersatz durch

11

(Norddeich–)Münster–Oberhausen–Köln–Koblenz–Trier(–Saarbrücken/Luxemburg)

1994

IC 35 Norddeich–Koblenz, KO–Saarbrücken/Luxemburg ohne Fernverkehr außer IC 37 Düsseldorf–Luxemburg

12

(Flensburg–)Hamburg–Göttingen(–Fulda)

1988

ICE 26 Hamburg–Göttingen

14

Oldenburg–Bremen–Hannover–Hildesheim

1993

IC 56 Emden–Leipzig

16

(Braunschweig–/Berlin–Stendal–Wolfsburg–)Hannover–Osnabrück (–Münster)–Bad Bentheim–Hengelo–Amsterdam

1994

IC 77 Berlin–Amsterdam

17

Köln–Essen(/Norddeich)–Hannover–(Bad Harzburg/)Wolfsburg–Magdeburg–Leipzig(–Dresden)

1992

IC 55 Köln–Leipzig über Wuppertal und Braunschweig statt Essen und Wolfsburg

19

Kassel–Gießen–Frankfurt/Main–Darmstadt–Heidelberg–Karlsruhe–Offenburg–Konstanz

1989

ICE 26 Hamburg–Kassel–Karlsruhe

20

Aachen–Krefeld–Duisburg–Essen–Hamm (Westf)–Kassel(–Bebra–Fulda)/(–Erfurt–Weimar)

1992

IC 51 Duisburg–Bebra–Stralsund, ICE 10 und 14

21

Würzburg–Ansbach–Ingolstadt–München

1994

IC 66 alle 4 Stunden, ab 2006 Einstellung durch Ausweitung von ICE 41

22

(Norddeich–)Münster–Hamm–Hagen–Siegen–Gießen–Frankfurt/Main

1993

Norddeich–Münster IC 35, Münster/Dortmund–Frankfurt seit Dez. 2021 IC 34

22B

(Frankfurt/M–)Würzburg–Bamberg–Hof

nie

Eilzug und RegionalExpress

23

Norddeich–Emden–Rheine–Münster–Oberhausen–Köln–Koblenz–Mainz–Darmstadt–Heidelberg

1994

IC 35 Norddeich–Koblenz, Fernverkehr Koblenz–Heidelberg nur noch über Mannheim statt Darmstadt

25

(Berlin–Dresden–/Görlitz–Leipzig–)Hof–Regensburg–München(–Oberstdorf)

1993

Regionalverkehr durch den alex, IC 27 Berlin–Dresden, RE3 Dresden–Hof

26

(Trier–)Saarbrücken–Mannheim–Stuttgart–Ulm–Lindau(–Feldkirch–Bludenz–Landeck)

1991

IC 50 Saarbrücken–Mannheim, ein Zugpaar Stuttgart–Lindau–Landeck

27

Karlsruhe–Bruchsal–Stuttgart–Aalen–Nürnberg(–Coburg)

1991

IC 61 (Basel–)Karlsruhe–Pforzheim–Stuttgart–Aalen–Nürnberg(–Passau)

28

Karlsruhe–Pforzheim–Stuttgart–München–Salzburg

1991

IC 61 Karlsruhe–Stuttgart und IC-Linie 62 Stuttgart–Salzburg

29

(Trier–)Saarbrücken–Mannheim–Frankfurt/Main

nie

ICE/TGV-Linie 45 Saarbrücken–Frankfurt und ICE 50 Frankfurt–Dresden (ICE-T)

31

Frankfurt (Oder)–Berlin–Magdeburg–Halberstadt

nie

RE 1

34

Berlin–Chemnitz

1992

RE-Linien

36

Berlin–Halle–Erfurt–Eisenach–Frankfurt (Main)

1993

ICE 15 und ICE 50

Quellen