Am 13. September 2026 wird in Langenhagen ein neuer Rat gewählt. DIE LINKE tritt mit Felicitas Weck als bekanntester Vertreterin an – sie sitzt bereits seit rund zehn Jahren als Einzelmandatsträgerin im Rat und dokumentiert ihre Arbeit ausführlich auf ihrer Website felicitasweck.de. Ein Blick auf die dort veröffentlichten Forderungen und auf die tatsächlich gestellten Anträge der letzten Jahre zeigt, wofür die Partei kommunalpolitisch steht – und was davon bislang auch umgesetzt werden konnte.
Inhaltsverzeichnis
Die zentralen Forderungen für 2026
Auf ihrer Kandidat*innenliste tritt DIE LINKE in allen fünf Langenhagener Wahlbereichen an. Ihre Schwerpunkte für die kommende Wahlperiode lassen sich in mehrere Themenfelder bündeln:
Wohnen statt Flächenfraß. Die Partei fordert eine Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus über die städtische Entwicklungsgesellschaft, die KSG und die Regionswohnungsbaugesellschaft. Statt neue Natur- und Agrarflächen zu versiegeln, soll Wohnraum vorrangig durch Nachverdichtung auf bereits versiegelten Flächen im Innenbereich entstehen. Ein weiterer Verkauf städtischer Grundstücke soll ausgeschlossen werden.
Verkehr. Gefordert werden eine dichtere Taktung des ÖPNV besonders in den Ortsteilen, ergänzt um Sprinti-Angebote, sowie flächendeckend Tempo 30 im Stadtgebiet. Rund um die S-Bahnhöfe soll Anwohner*innenparken eingeführt werden, weil dort derzeit Parkplätze von Flughafenreisenden blockiert werden; größere städtische Parkflächen sollen mit Solarpaneelen überdacht werden.
Klima und Energie. Städtische Gebäude – auch ältere Bestandsbauten – sollen so weit wie möglich mit Solarenergie und Wärmepumpen ausgestattet werden. Für zunehmende Hitzeperioden fordert die Partei kostenlose öffentliche Wasserspender, zusätzliche Schatten- und Sprühnebelzonen, mehr Stadtgrün vor allem in der Innenstadt sowie ausreichend temperierte Rückzugsräume für Wohnungslose.
Soziales. Angesichts zunehmender verbaler und körperlicher Übergriffe auf Verwaltungsmitarbeitende fordert DIE LINKE einen Ausbau präventiver Maßnahmen. Zudem fehlt aus Sicht der Partei dringend ein Frauenhaus für gewaltbetroffene Frauen mit ihren Kindern in Langenhagen.
Asyl und Solidarität. Zur geplanten Landeserstaufnahmeeinrichtung auf dem ehemaligen EDC-Gelände positioniert sich die Partei klar für einen solidarischen Umgang mit den ankommenden Menschen und gegen rechte Hetze. Sie unterstützt außerdem die Initiative zur Schließung des Abschiebezentrums am Flughafen.
Kultur und Transparenz. Der alte Bunker an der Walsroder Straße soll zu einem Kulturzentrum umgewidmet werden. Grundsätzlich fordert die Partei mehr Transparenz in der Ratsarbeit.
Silbersee. Bei der aktuell hitzig diskutierten Frage eines Grillverbots positioniert sich DIE LINKE gegen ein pauschales Verbot – mit dem Argument, dass viele Menschen ohne eigenen Garten dort ihre einzige Grillmöglichkeit haben. Vorgeschlagen werden stattdessen Anreize wie Müllpfandsysteme, kombiniert mit konsequenter Ahndung von Vermüllung. Da könnte doch das von mir entwickelte „light“ Konzept eine Lösung sein.
Wie will die Partei das umsetzen?
Konkrete Umsetzungswege benennt das Programm nur an wenigen Stellen explizit (etwa die Einbindung von EL, KSG und Regionswohnungsbaugesellschaft beim sozialen Wohnungsbau, oder Anwohner*innenparken als Instrument gegen Falschparker an den S-Bahnhöfen). Der eigentliche Hebel der Partei im Rat ist aber ersichtlich ihre Praxis der letzten Jahre: Als Ein-Personen-Fraktion ohne eigene Mehrheit arbeitet Weck vor allem über eigene Anträge und Änderungsanträge, die sie – wenn eine Mehrheit dafür nicht erreichbar ist – zugunsten inhaltlich ähnlicher Anträge anderer Fraktionen zurückzieht, um wenigstens eine Teilumsetzung zu erreichen. Dieses Vorgehen lässt sich an mehreren Beispielen aus der laufenden Ratsarbeit nachvollziehen.
Bilanz: Was DIE LINKE im Rat bereits durchsetzen konnte
Die auf der Website dokumentierten Anträge – teils aus der laufenden Wahlperiode, teils aus der Zeit seit 2016 – zeigen eine Reihe von Erfolgen:
- „Sicherer Hafen“ (2020): Auf Antrag der Linken beschloss der Rat den Beitritt zum Städtebündnis „Sichere Häfen“ und die Bereitschaft, zusätzliche Geflüchtete – bevorzugt unbegleitete Minderjährige – aus dem Lager Moria aufzunehmen.
- Klimaneutrale Energieversorgung in Gebäuden (2020): Ein gemeinsam mit SPD, Grünen und BBL eingebrachter Antrag zu erneuerbaren Heizenergien und Wärmedämmung in öffentlichen wie privaten Neubauten wurde angenommen.
- Ressourcenschonung und Müllvermeidung (2020): Ein gemeinsamer Antrag mit SPD, CDU, Grünen und BBL führte dazu, dass auf Stadtfesten nur noch wiederverwertbare Behältnisse zugelassen sind.
- Förderung von Lastenrädern (2021): Antrag auf einen städtischen Zuschuss beim Kauf privater Lastenräder.
- Kein Verkauf, keine betriebsbedingten Kündigungen: Im Doppelhaushalt 2026/27 fand sich – auch dank eines Linken-Antrags – parteiübergreifend Konsens gegen betriebsbedingte Kündigungen in der Verwaltung.
- Solidarität mit Reemtsma-Beschäftigten (2025/26): Nach der angekündigten Werksschließung von Reemtsma/Imperial Brands brachte Weck einen Antrag ein, den Beschäftigten Arbeitsplätze bei der Stadtverwaltung anzubieten; er wurde zugunsten eines inhaltlich ähnlichen, mehrheitsfähigen SPD/Grünen-Antrags zurückgezogen und dann beschlossen.
- KiTa-Gebühren (2026): Nach einem Redebeitrag der Linken gegen eine Beitragserhöhung einigte sich der Rat auf einen Kompromiss, die geplante Erhöhung für 2026/27 zu halbieren.
- Bettensteuer: Die Einführung der Beherbergungssteuer geht laut Weck auf eine frühere eigene Anregung zur Haushaltskonsolidierung zurück; ein CDU-Antrag, sie wieder abzuschaffen, wurde 2026 abgelehnt.
- Nachtflugverbot: Bereits 2018 stimmte der Rat mit knapper Mehrheit für ein Nachtflugverbot – ohne Wirkung bei den Flughafeneignern. Ein 2025 erneuerter Antrag der Linken erhielt zwar nur ihre eigene Stimme, brachte aber einen moderateren SPD/Grünen-Antrag zur Verlegung der Nachtflüge auf den Tag auf den Weg, der knapp beschlossen wurde.
Was (bislang) nicht durchgesetzt wurde
Genauso dokumentiert die Seite Anträge, die abgelehnt oder auf unbestimmte Zeit vertagt wurden:
- Ein Antrag zur verstärkten Eigenreinigung städtischer Gebäude (Haushalt 2026/27) fand im Rat nur die Stimme der Antragstellerin.
- Der Änderungsantrag zur grundlegenden Überarbeitung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) unter Klimaschutz- und Naturschutzgesichtspunkten (2021) wurde abgelehnt.
- Ein Antrag zu barrierefreien, tastbaren Straßenschildern für sehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer*innen wurde im Fachausschuss lediglich zu einem Prüfauftrag herabgestuft.
- Der Dringlichkeitsantrag zur Nachrüstung raumlufttechnischer Anlagen in Schulen und Kitas während der Corona-Zeit wurde ebenfalls nur zu einem Prüfauftrag gemacht statt beschlossen.
- Einzelne Punkte im Doppelhaushalt 2021/22 (u. a. Kürzung der Aufwandsentschädigungen für Ratsmitglieder, Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes) fanden keine Mehrheit.
Einordnung
Auffällig am dokumentierten Wirken der Langenhagener Linken ist weniger die schiere Zahl an Beschlüssen in ihrem Sinne, sondern die Strategie: Als Einzelmandatsträgerin ohne Fraktionsstatus kann Weck eigene Anträge einbringen, ist aber auf Bündnispartner angewiesen, um Mehrheiten zu erzielen – meist über eine informelle Nähe zu SPD und Grünen, mit denen inhaltlich ähnliche, oft abgeschwächte Anträge dann gemeinsam beschlossen werden. In den seltenen Fällen, in denen die Linke mit einer eigenen, unverwässerten Position allein bleibt, geht der Antrag entsprechend meist verloren – etwa beim Thema Eigenreinigung oder beim ursprünglichen Nachtflugverbots-Antrag. Für die Kommunalwahl 2026 bedeutet das: Wer die Linke wählt, wählt in Langenhagen faktisch eine unabhängige, aber eng in taktische Bündnisse eingebundene Stimme mit klar erkennbarem Themenprofil – Wohnen, Klima, Antifaschismus/Solidarität und soziale Gerechtigkeit stehen dabei im Zentrum.
Die Partei DIE LINKE ist schon seit Jahren in der Demokratie angekommen und hat gezeigt: Sie kann regieren. Hier in Langenhagen hat eine Abgeordnete durch konstruktive Wirkung viel erreicht und straft jene ab, die meinen, DIE LINKE würde dem alten System nachtrauern oder in ideologischen Wunschträumen verharren. Respekt, die Bilanz ist beachtlich!
Übrigens, nebenbei, bislang hat keine Partei oder Abgeordnete – ich habe ja noch nicht alle durch – die Arbeit der vergangenen Jahre und die Ziele für die Kommunalwahl derart gut dokumentiert öffentlich zur Verfügung gestellt. Ich musste mich nicht durch diverse Kanäle durchackern. Danke!

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