Der Rheingold – Europas rollende Legende

Der Rheingold – Europas rollende Legende

Eine Reise durch die Jahrzehnte eines der berühmtesten Züge der Eisenbahngeschichte

Stell dir vor, du steigst in Hoek van Holland in einen tief stahlblauen Luxuszug, der dich durch das Rheintal bis nach Basel bringt – vorbei an Burgen, Weinbergen und Flüssen. Es ist 1951, und der Rheingold-Express ist nach dem Krieg endlich zurück. Genau hier beginnt die Geschichte einer der glanzvollsten Zuglegenden Europas.

Inhaltsverzeichnis

Die Rückkehr einer Ikone (1951–1962)

Der neue Rheingold-Express startet 1951 – diesmal nicht über Emmerich, sondern über Venlo. Er führt zunächst alle drei Wagenklassen, gezogen von beeindruckenden Dampfloks wie der Baureihe 01 oder 03.10.

Die Wagen? 23 frisch hergerichtete Schürzenwagen, stahlblau lackiert, mit glänzenden Aluminiumbuchstaben „Deutsche Bundesbahn“. Selbst der Speisewagen ist ein Hingucker: ehemalige Pullmanwagen der CIWL, elegant und französisch anmutend.

Doch ab 1953 wird es kompliziert – ein Namenskarussell, wie es nur die Bahn schaffen kann. Der ursprüngliche Rheingold wird zum Loreley-Express, ein anderer Zug übernimmt den Namen Rheingold, und kurz darauf fahren sogar zwei Züge gleichzeitig unter diesem berühmten Titel durchs Land.

Gleichzeitig modernisiert die Bahn: Ab 1956 gibt es europaweit nur noch erste und zweite Klasse, der Rheingold wird zur reinen Erste-Klasse-Oase. Diesel- und Elektroloks wie die mächtige V 200 und später die E 10 drängen die Dampfrösser langsam zurück.

Der neue Glanzzug von 1962 (bis 1965)

1962 kommt der große Neustart: Neue Wagen, neue Technik, neue Geschwindigkeit. Der Rheingold fährt wieder über Emmerich, erstmals bis 160 km/h – schneller als alles andere im DB-Netz.

Die Stars des Zuges:

  • Aussichtswagen mit riesigen Panoramafenstern
  • klimatisierte UIC-X-Wagen in erstklassiger Ausstattung
  • der legendäre Buckelspeisewagen mit zweistöckiger Küche
  • luxuriöse Abteil- und Großraumwagen

Und vorne dran: die für den Zug entwickelten, eleganten E 10.12, später als „Bügelfaltenlok“ berühmt. Kobaltblau/Beige wird die neue Farbkombination – und der Rheingold wieder einmal zum Aushängeschild deutscher Ingenieurskunst.

Der TEE-Rheingold – die goldenen Jahre (1965–1987)

1965 steigt der Rheingold in die Champions League auf: Er wird TEE-Zug, also ein internationaler Premiumzug nur erster Klasse, mit purpurrot/beiger Farbgebung.

Unterwegs ist er zwischen Amsterdam und Genf, später Bern und Basel. Zuglokomotiven wie die DB-Baureihe 103, das Kraftpaket der 70er Jahre, oder die Schweizer Re 4/4 I ziehen ihn durch halb Europa.

In den 70ern wird der Zug immer vielfältiger – Kurswagen werden mit dem Rheinpfeil getauscht, die legendären Aussichtswagen verschwinden, neue Barwagen kommen.

Ab 1983 bekommt der Rheingold sogar einen Clubwagen: ein rollendes Lounge-Erlebnis mit Theke, Drehsesseln, Musikprogrammen und kleinen Snacks. Ein Hauch 70er-Jahre-Jetset auf Schienen.

Doch trotz aller Innovationen sinkt in den 80ern die Nachfrage nach reinen Erste-Klasse-Zügen. Mit dem Aufkommen der zweiklassigen Intercitys und später des Taktverkehrs in der Schweiz verliert der Rheingold langsam seinen Platz im System.

Das Ende einer Ära – und das, was blieb

Am 30. Mai 1987 ist Schluss: Der Rheingold wird eingestellt. An seine Stelle treten die neuen Eurocity-Züge, später ICE-Verbindungen wie der ICE 104/105, die Amsterdam und Basel heute in gut 6:40 Stunden verbinden.

Doch der Geist des Rheingold lebt weiter – in Museumszügen, Sonderfahrten, alten Loklegenden und in der Erinnerung an eine Zeit, in der Bahnreisen noch Glamour versprühten.

Der Rheingold war mehr als ein Zug

Er war ein rollendes Versprechen: Komfort, Geschwindigkeit, Panorama – und ein Hauch von internationaler Eleganz. Vom dampfenden Nachkriegs-Express bis zum elektrischen TEE der 80er hat er vier Jahrzehnte europäische Bahn- und Designgeschichte geprägt.

Wenn du heute an einem alten blau/beigen Wagen oder einer Bügelfaltenlok vorbeigehst, dann weißt du: Hier fährt ein Stück Rheingold-Geschichte mit.

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