Baureihe 103

Baureihe 103

Die Baureihe 103 der Deutschen Bundesbahn ist wohl eine der für die Eisenbahn in Deutschland wichtigsten Lokomotive, wenn es um das Thema geht, Personenbeförderung moderner und schneller zu machen.

Inhaltsverzeichnis

Bau und Entwicklung

Die Baureihe 103 entstand in den 1960er Jahren als Antwort der Deutschen Bundesbahn auf den wachsenden Bedarf nach schnellen und modernen Elektrolokomotiven für den hochwertigen Fernverkehr. Bereits Mitte der 1950er Jahre wurde klar, dass die bisherigen Schnellzugloks wie die E10 langfristig nicht ausreichen würden, um Reisegeschwindigkeiten von dauerhaft 200 km/h zu ermöglichen.

Zwischen 1965 und 1967 wurden zunächst vier Vorserienlokomotiven der Reihe E03 gebaut. Diese Fahrzeuge dienten als technische Erprobungsträger und setzten bereits viele der später typischen Merkmale: starke Antriebe, aerodynamische Front, modernisierte Führerstände und ein leistungsfähiges Drehgestellkonzept. Die Serienfertigung der Baureihe 103, nun offiziell als 103.1, begann ab 1970. Insgesamt entstanden 145 Serienlokomotiven, die lange Zeit als Prestigeobjekt der Bundesbahn galten.

Erste Testfahrten

Die ersten umfangreichen Test und Messfahrten fanden ab 1965 mit den vier Vorserienloks statt. Dabei wurden neue Fahrwerks- und Stromabnehmerkonzepte ausprobiert, um eine stabile und sichere Fahrt bei Geschwindigkeiten weit über 160 km/h zu ermöglichen.

Einige markante Punkte der Testphase:

  • Erstmals wurden Dauerleistungen über 10.000 kW erprobt – zu dieser Zeit ein Spitzenwert für eine Einrahmenlok.

  • Die Lok erreichte bei Testfahrten Geschwindigkeiten bis zu 200 km/h, was der Bundesbahn wichtige Erkenntnisse für spätere Hochgeschwindigkeitsstrecken lieferte.

  • Die Tests bestätigten die hohe Laufruhe und die Eignung für den anspruchsvollen TEE- und IC-Dienst.

Die erfolgreichen Testfahrten führten direkt zur Entscheidung für die Serienfertigung – die BR 103 galt als technisch fortschrittlich und zukunftsweisend.

Altes Header Bild mit drei 103ern.

Einsatz bei den Olympischen Spielen 1972

Die Olympischen Spiele in München 1972 waren ein wichtiger Meilenstein für die Baureihe 103. Die Bundesbahn plante mit dem neuen InterCity-Netz einen modernen, schnellen und hochfrequenten Fernverkehr. Die 103 wurde dabei als „Flaggschiff“ präsentiert.

Während der Olympischen Spiele:

  • Übernahmen die 103er viele hochwertige TEE- und IC-Verbindungen, die Besucherströme quer durch Deutschland transportierten.

  • Präsentierten sie sich im damals neuen, eleganten TEE-Farbschema (beige/weinrot).

  • Wurden sie zum Symbol moderner, zuverlässiger und schneller Bahnverbindungen – ein PR-Erfolg für die Bundesbahn.

Die Baureihe 103 war damit ein zentraler technischer und öffentlicher Baustein der Olympischen Verkehrskonzeption und prägte das Bild des deutschen Fernverkehrs nachhaltig.

Technische Merkmale

Merkmal

Angabe

Loktyp

Schnellzug Elektrolokomotive

Hersteller (mechanisch)

Henschel, Krauss Maffei, Krupp

Hersteller (elektrisch)

AEG, BBC, Siemens

Baujahre (Serie)

1970–1974

Stückzahl (Serie)

145 Lokomotiven

Achsformel

Co’Co’

Länge über Puffer

19.500 mm, ab Lok 103 216: 20.200 mm

Breite

3.090 mm

Höhe (über Schienenoberkante)

4.492 mm

Dienstmasse

114 t

Radsatzfahrmasse

19,0 t

Raddurchmesser

1.250 mm

Höchstgeschwindigkeit (planmäßig)

200 km/h

Höchstgeschwindigkeit (Versuchsfahrten)

bis 280 km/h (z. B. 103 003, 103 222)

Stromsystem

15 kV, 16 2/3 Hz

Fahrmotoren

6 × AC Reihenschlussmotoren

Stundenleistung

7.780 kW

Dauerleistung

7.440 kW

Anfahrzugkraft

312 kN

Zugsicherung

Sifa, PZB / LZB

Bremssysteme

Druckluftbremse KE GPR, elektrische Bremse

Antrieb

Gummiring-Kardanantrieb (Serie)

Stromabnehmer

Scherenstromabnehmer DBS 54a, Einholm SBS 65

Einsatz im Regelbetrieb der Deutschen Bundesbahn

Mit der Indienststellung der Serienlokomotiven ab 1970 begann für die Baureihe 103 eine neue Ära des hochwertigen Fernverkehrs. Die Maschinen wurden zum zentralen Traktionsmittel im entstehenden InterCity-System und galten in den 1970er und 1980er Jahren als das „Flaggschiff“ der Deutschen Bundesbahn. Sie waren aufgrund ihrer hohen Leistung und ihrer Fähigkeit, planmäßig 200 km/h zu fahren, prädestiniert für schnelle Fernzüge. [

Mit Einführung des Intercity-Systems („IC’71“), zunächst nur mit 1. Klasse, und später der Erweiterung zum IC’79 mit Stundentakt und 2. Klasse, wurde die BR 103 nahezu flächendeckend im deutschen Fernverkehr eingesetzt. Sie bespannte vor allem:

  • Trans-Europ-Express-Züge (TEE),

  • InterCity-Züge auf allen wichtigen Nord-Süd- und West-Ost-Achsen,

  • schwere Schnellzüge mit teilweise über 14 Wagen.

Auch nach der deutschen Wiedervereinigung war die BR 103 auf vielen Fernverkehrsrouten präsent, darunter teils sehr lange Umläufe wie etwa Berlin–Köln–Basel, die zu den längsten Regelzugläufen zählten.

Durch ihre außergewöhnliche Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit wurde die Baureihe 103 zur weithin bekannten Symbolfigur der InterCity-Ära – kaum ein anderer Loktyp prägte das Bild des deutschen Fernverkehrs so stark wie sie.

Der schleichende Rückzug und das Ende des Planeinsatzes

Ab Mitte der 1990er Jahre zeichnete sich das Ende der Baureihe 103 im Regelbetrieb ab. Die Lokomotiven hatten zu diesem Zeitpunkt bereits über 30 Einsatzjahre hinter sich und waren durch langjährige Hochgeschwindigkeits- und Schwerlastdienste stark beansprucht. Die Deutsche Bahn begann daher ab 1997 schrittweise mit der Ausmusterung und ersetzte die 103er im Fernverkehr zunehmend durch die modernere Baureihe 101.

Ursprünglich war geplant, die Baureihe bereits 2000 vollständig aus dem Regelbetrieb zu nehmen. Allerdings kam es zu Triebfahrzeugengpässen, weshalb viele Maschinen eine „Gnadenfrist“ erhielten und bis 2001 weiter im Plandienst blieben.

Der schrittweise Abschied erfolgte in mehreren Etappen:

  • 2000: Erste größere Rückzugsphase, aber erneute Einsätze wegen Fahrzeugmangel.

  • 2001: Geplanter endgültiger Abschied zum Fahrplanwechsel, spätere erneute Einsätze, u. a. zur Love Parade in Berlin.

  • 2002: Letzter fest geplanter Umlaufplan bis 14. Dezember 2002.

  • 2003: Offizielle Abstellung der gesamten Baureihe durch die Deutsche Bahn.

Einige wenige Lokomotiven wurden anschließend noch gelegentlich für Sonderzüge oder Ersatzverkehre genutzt. Bis heute (Stand der Quellen) sind u. a. die 103 113 und 103 245 im Bestand der DB für Sonderleistungen erhalten geblieben.

Nachwirkung und heutige Bedeutung

Obwohl der Regelbetrieb der Baureihe 103 beendet ist, besitzt sie bis heute Kultstatus. Zahlreiche Exemplare sind museal erhalten, und einige wenige weiterhin betriebsfähig. Eisenbahnfreunde würdigen sie als leistungsstärkste und ikonischste deutsche Schnellzuglok ihrer Zeit – und als Symbol des klassischen InterCity-Verkehrs der Bundesbahn.

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