Seit langer Zeit ist Ostdeutschland im Fokus der Wahlanalyse, wenn es um die erstarkende AfD geht, die erst kürzlich vom Bundesamt für Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wurde. Die AfD war und ist kein ostdeutsches Phänomen, zumal man sich heute scheinbar wieder traut, rechtes Gedankengut zu verbreiten und Menschen blendet. Doch warum bekommt die AfD in Sachsen-Anhalt derart viele Stimmen in einer Umfrage? Sachsen-Anhalt im Wandel – Vom grauen DDR-Alltag zur demokratischen Vielfalt und vom Strukturbruch zur wirtschaftlichen Erneuerung. Was hat sich seit der Wiedervereinigung wirklich verändert? Ein Blick zurück und nach vorn zur Landtagswahl 2026. Eine Betrachtung.
Inhaltsverzeichnis
Sachsen-Anhalt – Vom Umbruch zur Erneuerung
Seit der Wiedervereinigung 1990 hat Sachsen-Anhalt eine bewegte Geschichte durchlaufen. Was einst ein Teil der DDR war, ist heute ein Bundesland mit eigener Identität, Herausforderungen – und echten Fortschritten.
Wirtschaftlicher Wandel seit 1990
Nach der Wende stand Sachsen-Anhalt wirtschaftlich vor einem Scherbenhaufen. Die marode Industrie der DDR-Chemie, Maschinenbau, Braunkohle war nicht wettbewerbsfähig. Ganze Betriebe wurden abgewickelt, Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe. Doch das Land hat sich Stück für Stück neu erfunden:
- Bruttoinlandsprodukt (BIP): 1991 lag das BIP bei rund 24 Milliarden Euro. Bis 2024 stieg es auf etwa 79,4 Milliarden Euro. Das zeigt, wie sich die Wirtschaftskraft über die Jahre vervielfacht hat.
- Strukturwandel: Alte Industrien wurden durch neue ersetzt etwa in den Bereichen erneuerbare Energien, Biotechnologie und Tourismus.
- Arbeitsmarkt: Zwar kämpft Sachsen-Anhalt weiterhin mit Abwanderung und Fachkräftemangel, aber die Arbeitslosenquote ist deutlich gesunken. Es gibt mehr Jobs im Dienstleistungssektor und in der Forschung.
- Lebenshaltungskosten: Wohnen ist hier besonders günstig Mieten und Baulandpreise liegen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Das macht das Leben bezahlbar und attraktiv für Familien und junge Leute.
Gesellschaftlicher Fortschritt
Auch sozial hat sich viel getan. Die DDR war geprägt von staatlicher Kontrolle, eingeschränkter Meinungsfreiheit und einem autoritären Bildungssystem. Heute sieht das anders aus:
- Demokratie & Meinungsfreiheit: Sachsen-Anhalt ist ein demokratischer Rechtsstaat. Die Bürger können frei wählen, ihre Meinung äußern und sich politisch engagieren – ein fundamentaler Unterschied zur NS- und SED-Zeit.
- Bildung & Kinderbetreuung: Die Betreuungsquote ist hoch, das Angebot vielfältig. Eltern haben echte Wahlfreiheit, und Kinder profitieren von modernen pädagogischen Konzepten.
- Kultur & Identität: Das Land hat seine kulturellen Wurzeln neu entdeckt – von Luther über die Bauhaus-Bewegung bis zu den UNESCO-Welterbestätten. Es gibt ein reiches Kulturleben mit Museen, Theatern und Festivals.
- Zivilgesellschaft: Vereine, Initiativen und Bürgerprojekte prägen das Miteinander. Das ist ein klarer Bruch mit der Gleichschaltung und Überwachung früherer Regime.
Was besser ist als früher – NS und SED im Rückblick
Die NS-Diktatur war geprägt von Terror, Rassismus und Krieg. Die SED-Diktatur von Überwachung, Planwirtschaft und politischer Repression. Sachsen-Anhalt heute?
- Kein Führerkult, keine Einheitspartei, keine Stasi.
- Freie Presse, unabhängige Justiz, pluralistische Gesellschaft.
- Menschenrechte werden geachtet, Vielfalt wird gefördert.
- Die Landesregierung wird regelmäßig demokratisch gewählt nächstes Mal am 6. September 2026.
Sachsen-Anhalt steht gut da und hat Potentiale
Sachsen-Anhalt hat seit 1990 viel durchgemacht – wirtschaftlich, sozial und politisch. Es gibt noch Baustellen, klar. Aber im Vergleich zu den dunklen Zeiten der NS- und SED-Diktatur lebt man heute freier, sicherer und mit mehr Chancen. Das ist keine Selbstverständlichkeit sondern ein echter Fortschritt.
Doch warum dann über 30% für eine Partei, die derart ungut für Sachsen-Anhalt ist? Bevor ich jedoch versuche, das zu betrachten, schauen wir uns mal den „Spitzenkandidaten“ der vom Verfassungsschutz des Landes Sachsen-Anhalt in Sachsen-Anhalt als „gesichert rechtsextremistisch“ (November 2023!) eingestuften AFD an: Ulrich Siegmund.
Zur Person Ulrich Siegmund
Auffällige Aussagen und Positionen
- Teilnahme am Potsdamer Treffen (2023): Laut Recherchen von Correctiv war Siegmund Teilnehmer eines Treffens mit Rechtsextremen, bei dem über einen „Masterplan“ zur massenhaften Vertreibung von Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen wurde. Er soll dort gesagt haben, das Straßenbild müsse sich ändern und ausländische Restaurants sollten unter Druck gesetzt werden, damit Sachsen-Anhalt „für dieses Klientel möglichst unattraktiv“ werde.
- Frühmorgendliche TikTok-Videos: Siegmund nutzt TikTok intensiv für politische Botschaften. In einem Video sagte er:
- Selbstinszenierung als „Posterboy“ der AfD: Er präsentiert sich als freundlich und volksnah, verfolgt aber laut Medienberichten einen radikal rechten Kurs.
Gesten und Medienstrategie
- TikTok-Kanal „Mutzurwahrheit90“: Mit über 560.000 Followern gehört Siegmund zu den reichweitenstärksten deutschen Politikern auf TikTok. Seine Strategie: Nahbarkeit zeigen, aber klare rechtspopulistische Botschaften senden.
- Doppelstrategie: Öffentlich gibt er sich oft gut gelaunt und bürgernah („Der immer lacht“ – so ein linker Watchblog), während er hinter den Kulissen eine harte Linie vertritt.
Politische Rolle und Kritik
- Abwahl aus Ausschussleitung (2024): Aufgrund seiner Teilnahme am Potsdamer Treffen wurde er als Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Gleichstellung abgewählt.
Verfassungsschutz-Einstufung: Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt, dem Siegmund angehört, wurde 2023 als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft.
Dabei ist er keineswegs mit anderen rechten Politikern in der AFD vergleichbar:
Politiker | Stil & Sprache | Auftreten | Rhetorische Strategie |
Ulrich Siegmund | Einfach, direkt, freundlich | Nahbar, jugendlich, TikTok-Star | Doppelstrategie: Volksnah & radikal |
Björn Höcke | Pathetisch, historisierend, komplex | Verbissen, kämpferisch | Konfrontativ, ideologisch, elitär |
Alice Weidel | Technokratisch, analytisch | Kalt, sachlich, Business-Look | Wirtschaftlich-konservativ, liberal |
Es lohnt sich also ein Blick hinter die braune Mauer zu wagen: Rhetorische Analyse
Doppelstrategie: Nahbar und radikal
- Siegmund inszeniert sich als freundlich, bürgernah und gut gelaunt („Der immer lacht“ – so ein linker Watchblog).
- Gleichzeitig vertritt er eine harte, rechtsextreme Linie, etwa beim Potsdamer „Remigrations“-Treffen.
Sprachebene: Einfach und direkt
- Hauptsätze dominieren, Fachbegriffe fehlen fast völlig.
- Seine Videos wirken spontan und persönlich – oft morgens aufgenommen, mit direkter Ansprache: „Guten Morgen Deutschland! Es ist kurz nach sechs Uhr, aber diese gute Nachricht möchte ich euch nicht vorenthalten“.
- Visuelle Rhetorik
- Sauber gescheitelt, Hemd mit Kragen, aber keine Krawatte – vermittelt Seriosität ohne Distanz.
- TikTok als Bühne: Über 560.000 Follower, mehr als fast alle anderen deutschen Politiker.
Damit grenzt er sich von anderen AfD Politikern ab, nicht inhaltlich. Er spricht mit seiner Art gerade junge Menschen an und seine stark vereinfachte Argumentation bleibt haften. Das macht ihn so gefährlich, wie einst andere Propaganda-Experten zu anderen zeiten, die auch „ihre“ Medien der Zeit zu nutzen verstanden.
Warum ist die AfD nicht gut für Sachsen-Anhalt und am Ende auch Deutschland?
Natürlich ist ein Hauptargument, die gegen die AfD und die „Verführer“ spricht, unsere Vergangenheit. Einleitend bin ich darauf ja schon eingegangen, schließlich gab es für beide deutschen Staaten den Nationalsozialismus, also den Terror von rechts und für die DDR später den Terror von links. Keine besonders guten Startbedingungen für die junge Demokratie in den neuen deutschen Bundesländern, die erst mit dem 03. Oktober 1990 „bundesrepublikanisch“ umgesetzt wurde. Und da haben wir es schon…
Von 1933 bis 1945 waren alle Deutschen unfrei, von 1945 bis 1989 waren alle Deutschen auf dem besetzten Territorium der Sowjetunion unfrei. Die neuen Bundesländer hatten auch nur wenig Zeit, eine eigene Identität, befreit von Terror zu entwickeln, schließlich trieben die Politiker ihrer Zeit die Widervereinigung Deutschlands voran, ohne jedoch zu berücksichtigen, dass auch Deutsche abseits der alten Bundesrepublik eine eigene Identität benötigen.
So kam die D-Mark und der Turbokapitalismus in Form der Treuhand-Gesellschaft, westliche „Investoren“ fielen über den Osten her und entfremdeten die Bürger*innen mit der Demokratie und Deutschland, das Monster des bösen Westens war geschaffen. So wirkte es auch seinerzeit auf mich, und ich komme aus der alten Bunderepublik Deutschland.
Die Art und Weise, wie die Zusammenführung beider deutschen Staaten erfolgte ist zu mindest kritisch zu betrachten, fallen doch viele Entscheidungen und Vorgehensmaßnahmen negativ auf, von den Falschaussagen des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl bis hin zum Verhalten einiger westdeutscher Industriellen bzw. Investoren. Ob es gut oder schlecht war, alte ausrangierte westdeutsche Politiker zu Ministerpräsidenten in den neuen Bundesländern zu wählen, kann man zu mindest auch kritisieren, schließlich waren es keine „von uns“, und das hätte sicher geholfen, auch um sich stärker in den Prozess einzubringen und auch mal gegen Bonn bzw. später Berlin zu stellen.
Bei all den Punkten, die man kritisieren kann, und was auch heute noch falsch läuft, die Menschen sind frei und können entscheiden. Sie sind erwachsen und mündig. Das waren auch jene Menschen, die 1933 Adolf Hitler und seine Schergen zur Macht verhalfen. Aber doch auch, weil die demokratischen Parteien entweder wegsahen oder mitmachten, allen voran die konservativen Parteien, oder protestierten und kaltgestellt wurden. Konservative, liberale und soziale Parteien hatten es zur Weimarer Republik nicht geschafft, sich gegen die drohende Diktatur und Terror zu vereinen, und so wird es heute auch sein. Friedrich Merz und die SPD sind auch gerade kein leuchtendes Beispiel für die Demokratie.
Was also machen? Die demokratischen Parteien haben relativ unbekannte Spitzenkandidaten aufgestellt. Das ist ein Risiko, aber auch eine Chance. Und sie haben noch ein Jahr Zeit, sich zu positionieren, und zwar nachhaltig!
CDU, SPD, Die Linke und Die Grünen/Bündnis 90 sollten sich klar positionieren, die Themen besetzen, die die Bürger*innen direkt betrifft. Zwar sind viele Themen gleich in Deutschland, aber Sachsen-Anhalt ist schon etwas besonders (schönes). Immer mehr Menschen wandern ab, warum? Klären und gegensteuern wäre hier eine Maßnahme. Abwanderung verschärft die soziale Schieflage, denn es fehlen Fachkräfte, ob nun in der Wirtschaft, den Kommunen oder im sozialen Bereich. Und entgegen vieler anderer Bundesländern hat Sachsen-Anhalt einen weiteren Vorteil: Sachsen-Anhalt ist bodenständig geblieben und die Mieten sind noch einigermaßen bezahlbar.
Stimmt also das Gesamtbild, wie Löhne, attraktives Arbeits- und Lebensumfeld und so weiter, hat Sachsen-Anhalt durchaus Möglichkeiten, die die AfD mit ihren Zielen gar nicht vereinbaren kann.
Übersicht der Top 10 Forderungen der AfD für Deutschland und somit auch für Sachsen-Anhalt
AfD-Forderung | Gegenargument |
1. Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen | Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung. Ein Austritt würde Deutschlands internationale Glaubwürdigkeit schwächen und die Energiewende behindern. |
2. Rückkehr zur Kernenergie und Ausbau von Kohlekraft | Atomkraft birgt hohe Risiken und verursacht langfristige Entsorgungskosten. Kohle ist extrem klimaschädlich und widerspricht den EU-Klimazielen. |
3. Abschaffung der CO₂-Abgabe und Subventionen für erneuerbare Energien | Ohne CO₂-Bepreisung fehlen Anreize für klimafreundliches Wirtschaften. Erneuerbare Energien sind langfristig günstiger und sichern Versorgungssicherheit. |
4. Einführung konsequenter Grenzkontrollen und Remigration | Pauschale Rückführungen verstoßen gegen Menschenrechte. Deutschland profitiert wirtschaftlich und demografisch von kontrollierter Zuwanderung. |
5. Austritt aus dem UN-Migrationspakt und UN-Flüchtlingspakt | Diese Pakte fördern internationale Zusammenarbeit und geordnete Migration. Ein Austritt isoliert Deutschland außenpolitisch. |
6. Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in seiner jetzigen Form | Der öffentlich-rechtliche Rundfunk garantiert unabhängige Berichterstattung. Eine Schwächung gefährdet die Medienvielfalt und demokratische Kontrolle. |
7. Bargeld als Zahlungsmittel im Grundgesetz verankern | Bargeld ist bereits gesetzlich geschützt. Eine Verfassungsänderung ist überflüssig und bindet Ressourcen, die anderswo dringender gebraucht werden. |
8. Strafmündigkeit ab 12 Jahren | Frühere Strafmündigkeit widerspricht entwicklungspsychologischen Erkenntnissen. Kinder brauchen pädagogische statt strafrechtlicher Maßnahmen. |
9. Neutralität der Ukraine und Wiederherstellung von Handelsbeziehungen mit Russland | Diese Forderung ignoriert die Souveränität der Ukraine und legitimiert russische Aggressionen. Sie gefährdet die europäische Sicherheitsordnung. |
10. Rückkehr zu einem „Europa der Vaterländer“ | Eine Schwächung der EU würde Deutschlands wirtschaftliche Stärke und politische Einflussmöglichkeiten massiv einschränken. |
Am Ende des Tages sind die Forderungen der AfD kontraproduktiv zu den Herausforderungen unserer Zeit, wir benötigen „Ausländer“, da wir einen massiven Mangel an Arbeitskräften haben, sie zahlen Steuern und ermöglichen so auch mehr Investitionen des Staates in die Infrastruktur oder soziale Einrichtungen. Und nicht zu vergessen, auch AfD Wähler wollen Rente, und wer soll das Finanzieren, wenn nicht genügend Menschen arbeiten und in die Sozialkassen einzahlen?
Die AfD ist also keine Alternative, sie macht alles schlimmer. Sie ist eine massive Gefahr für unsere Werte und unsere Demokratie und der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund ist ein typischer Vertreter jener „kleinen Handlanger“ den braunen Sumpf im Schafspelz, der eigentlich ein Staatsfeind ist und ganz offen über „Remigration“ spricht. Die AfD ist einfach nicht wählbar und schadet am Ende auch ihren Wähler*innen.




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