Wir erinnern uns – Konservative beschädigen Demokratie Drucksache 20/15035

Die Kleine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion vom 24.02.2025 mit dem Titel „Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen“ umfasst 551 Fragen an die Bundesregierung. Im Kern geht es um die Gemeinnützigkeit und politische Neutralität von 17 zivilgesellschaftlichen Organisationen, die staatliche Fördermittel erhalten. Die Fraktion wirft diesen NGOs vor, sich parteipolitisch zu betätigen, und stellt damit ihre Gemeinnützigkeit infrage.

Hintergrundbild: bundestag.de

Hauptkritikpunkte der Anfrage:

  • Vorwurf der parteipolitischen Einflussnahme: Die CDU/CSU argumentiert, dass Proteste gegen die eigene Partei, die von gemeinnützigen Vereinen oder staatlich finanzierten Organisationen organisiert oder unterstützt wurden, eine gezielte parteipolitische Einflussnahme darstellen.
  • Frage nach Finanzierung und Verbindungen: Es wird detailliert nach der Höhe der staatlichen Förderung, Spenden aus der Wirtschaft oder von parteinahen Stiftungen, sowie nach direkten Verbindungen zu Parteien oder politischen Akteuren gefragt.
  • Rechtliche Grundlagen: Die Anfrage hinterfragt, ob die Aktivitäten der NGOs mit dem Gemeinnützigkeitsrecht und dem Neutralitätsgebot vereinbar sind.
  • Beispiele für angebliche Verstöße: Es werden konkrete Kampagnen, Artikel oder Demonstrationen genannt, die nach Ansicht der Fraktion gegen das Neutralitätsgebot verstoßen.

Ziel der Anfrage: Die CDU/CSU möchte prüfen lassen, ob die genannten NGOs ihre Gemeinnützigkeit verlieren sollten, weil sie sich angeblich nicht neutral verhalten. Dies könnte zu einem Entzug der steuerlichen Begünstigung und damit zu erheblichen finanziellen Nachteilen für die betroffenen Organisationen führen.

Auszug der Liste

Name der Organisation

Gemeinnützigkeit

Hauptkritikpunkt der CDU/CSU

Reaktion der Organisation

CORRECTIV gGmbH

Ja, aber umstritten

Vorwurf der parteipolitischen Berichterstattung, z.B. Artikel über die CDU

Betont Überparteilichkeit, verweist auf Redaktionsstatut und Pressefreiheit

Omas gegen Rechts Deutschland e.V.

Nein (nicht als gemeinnützig anerkannt)

Vorwurf der gezielten Kampagnen gegen die CDU

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Einschüchterungsversuch

Campact e.V.

Nein (Gemeinnützigkeit 2019 entzogen)

Vorwurf der parteipolitischen Kampagnen, z.B. gegen die CDU

Betont demokratische Werte, kritisiert Anfrage als Angriff auf Zivilgesellschaft

Attac Trägerverein e.V.

Nein (Gemeinnützigkeit 2019 entzogen)

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Kampagnen

Betont politische Bildungsarbeit, kritisiert restriktive Rechtsprechung

Amadeu Antonio Stiftung

Ja

Vorwurf der parteipolitischen Tendenz, z.B. gegen die AfD

Betont demokratische Werte, kritisiert Anfrage als antidemokratisch

Peta Deutschland e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Tierschutz-Kampagnen

Betont Tierschutz als überparteiliches Anliegen, kritisiert Anfrage als Einschüchterung

Deutsche Umwelthilfe e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Klimaklagen

Betont Umweltschutz als überparteiliches Anliegen, kritisiert Anfrage als Angriff auf Zivilgesellschaft

Greenpeace e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Klimaprotesten

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Angriff auf Meinungsfreiheit

BUND e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Umweltprotesten

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Einschüchterung

Dezernat Zukunft e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Finanzpolitik

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Angriff auf Zivilgesellschaft

Agora Agrar gGmbH

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Agrarpolitik

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Einschüchterung

Agora Energiewende gGmbH

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Energiepolitik

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Angriff auf Zivilgesellschaft

Foodwatch e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Verbraucherschutz

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Einschüchterung

Netzwerk Recherche e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Medienarbeit

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Angriff auf Pressefreiheit

Neue deutsche Medienmacher*innen e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Medienvielfalt

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Einschüchterung

Delta1 gGmbH

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Nachhaltigkeitsprojekten

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Angriff auf Zivilgesellschaft

Animal Rights Watch e.V.

Ja

Vorwurf der politischen Einflussnahme, z.B. bei Tierrechts-Kampagnen

Betont Überparteilichkeit, kritisiert Anfrage als Einschüchterung

Warum man solche Fragen nicht stellen sollte

Die Anfrage der CDU/CSU wird von vielen Seiten als Angriff auf die Zivilgesellschaft und als Einschüchterungsversuch kritisiert. Hier sind die zentralen Gründe, warum solche Fragen problematisch sind:

  1. Einschüchterung der Zivilgesellschaft

Die Anfrage zielt darauf ab, NGOs unter Generalverdacht zu stellen und ihre Arbeit zu behindern. Viele Organisationen sehen darin einen Versuch, kritische Stimmen mundtot zu machen und die Demokratie zu schwächen.

  1. Missbrauch des Gemeinnützigkeitsrechts

Die CDU/CSU nutzt das Gemeinnützigkeitsrecht als politisches Druckmittel. Dabei wird ignoriert, dass der Bundesfinanzhof bereits bestätigt hat, dass Gemeinnützigkeit kein politisches Neutralitätsgebot bedeutet. NGOs dürfen sich zu tagespolitischen Themen äußern, solange sie nicht gezielt parteiergreifend agieren.

  1. Selektive Anwendung

Die Anfrage richtet sich fast ausschließlich gegen progressive, linke oder demokratiefördernde NGOs. Rechte oder wirtschaftsnahe Organisationen werden nicht in gleichem Maße hinterfragt. Dies wirft die Frage auf, ob es hier um politische Motive geht.

  1. Gefahr für die Demokratie

Eine lebendige Demokratie braucht eine kritische und engagierte Zivilgesellschaft. Wenn NGOs aus Angst vor dem Entzug der Gemeinnützigkeit ihre Arbeit einschränken, leidet darunter die Meinungsvielfalt und die Kontrolle von Macht.

  1. Rechtliche Unsicherheit

Die Anfrage schafft Rechtsunsicherheit für NGOs. Viele Organisationen fürchten nun, dass ihnen die Gemeinnützigkeit entzogen wird, wenn sie sich politisch äußern. Dies führt zu Selbstzensur und schwächt das Engagement für demokratische Werten.

Fazit

Die Anfrage der CDU/CSU ist ein politisch motivierter Angriff auf die Zivilgesellschaft. Sie zielt darauf ab, unliebsame NGOs zu delegitimieren und ihre Arbeit zu behindern. Dabei wird das Gemeinnützigkeitsrecht instrumentalisiert, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Eine lebendige Demokratie braucht jedoch genau solche Organisationen, die sich für Menschenrechte, Umweltschutz, Tierschutz und demokratische Werteeinsetzen.

Die Anfrage ist daher nicht nur rechtlich fragwürdig, sondern auch demokratiepolitisch gefährlich.

500 Fragen der CDU - Bundestag

Die bekannte kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU zur Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen beinhaltet mehr als 500 Fragen, die sich vor allem gegen jene Organisationen wendet, die die Demokratie verteidigen. Archivmaterial.
By Marco Kulczyk
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