Heute mal ein solider Faktencheck zu: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte am 25.03.2026 in einer Fragestunde im Bundestag auf Fragen zur Gewalt gegen Frauen in der analogen, also realen, und digitalen Welt, geantwortet:
„Wir haben eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft, und zwar im analogen wie im digitalen Raum.
Dagegen müssen wir gemeinsam etwas tun.
Aber dann müssen wir auch über die Ursachen miteinander reden.
Dann müssen wir auch darüber sprechen, wo diese Gewalt herkommt.
Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt.
Auch das gehört zur Vollständigkeit des Bildes dazu.“
Quelle: Bundestag TV, Transkript ohne KI.
Folgende Kernaussagen werden geprüft:
Gibt es eine explodierende Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft in Deutschland?
Ist die entsprechende Tätergruppe „Zuwanderer“ beachtlich?
Explodierende Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft in Deutschland?
Explodierende Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft in Deutschland?
Um die Aussage von Friedrich Merz (CDU) zu verifizieren habe ich die Bundeslageberichte des BKA der beiden aktuellen letzten Jahre zu Grunde gelegt. Dazu aber gleich vorweg, das sind Zahlen, die natürlich nur dann erfasst werden, wenn sie zur Anzeige gebracht werden oder seitens der polizei offiziell ermittelt werden müssen. Die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen.
Fallgruppe | 2023 | 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
Frauenfeindliche Straftaten PMK | |||
– Delikte insgesamt | 322 (+56,3 % vs. 2022) | 558 (+73,3 % vs. 2023) | +236 Delikte (+73,3 %) |
– Gewaltdelikte | 29 | 39 | +10 Delikte (+34,5 %) |
Sexualstraftaten | |||
– Weibliche Opfer | 52.330 (+6,2 % vs. 2022) | 53.451 (+2,1 % vs. 2023) | +1.121 Opfer (+2,1 %) |
– Tatverdächtige | 36.505 (+5,1 % vs. 2022) | 37.881 (+3,8 % vs. 2023) | +1.376 Tatverdächtige (+3,8 %) |
Häusliche Gewalt | |||
– Weibliche Opfer | 180.715 (+5,6 % vs. 2022) | 187.128 (+3,5 % vs. 2023) | +6.413 Opfer (+3,5 %) |
– Tatverdächtige | 148.062 (+5,0 % vs. 2022) | 152.812 (+3,2 % vs. 2023) | +4.750 Tatverdächtige (+3,2 %) |
Menschenhandel | |||
– Weibliche Opfer | 591 (+6,9 % vs. 2022) | 593 (+0,3 % vs. 2023) | +2 Opfer (+0,3 %) |
– Tatverdächtige | 493 (+6,9 % vs. 2022) | 578 (+17,2 % vs. 2023) | +85 Tatverdächtige (+17,2 %) |
Digitale Gewalt | |||
– Weibliche Opfer | 17.193 (+25,0 % vs. 2022) | 18.224 (+6,0 % vs. 2023) | +1.031 Opfer (+6,0 %) |
– Tatverdächtige | 12.691 (+20,1 % vs. 2022) | 14.130 (+11,3 % vs. 2023) | +1.439 Tatverdächtige (+11,3 %) |
Tötungsdelikte | |||
– Weibliche Opfer | 938 (+1,0 % vs. 2022) | 859 (-8,4 % vs. 2023) | -79 Opfer (-8,4 %) |
– Tatverdächtige | 853 (+1,3 % vs. 2022) | 781 (-8,4 % vs. 2023) | -72 Tatverdächtige (-8,4 %) |
Zusammenfassung
Frauenfeindliche Straftaten: Deutlicher Anstieg der Delikte (+73,3 %) und Gewaltdelikte (+34,5 %).
Sexualstraftaten: Leichter Anstieg der weiblichen Opfer (+2,1 %) und Tatverdächtigen (+3,8 %).
Häusliche Gewalt: Geringerer Anstieg der weiblichen Opfer (+3,5 %) und Tatverdächtigen (+3,2 %) im Vergleich zum Vorjahr.
Menschenhandel: Stabilisierung der Opferzahlen (+0,3 %), aber deutlicher Anstieg der Tatverdächtigen (+17,2 %).
Digitale Gewalt: Weiterer Anstieg der weiblichen Opfer (+6,0 %) und Tatverdächtigen (+11,3 %).
Tötungsdelikte: Rückgang der weiblichen Opfer (-8,4 %) und Tatverdächtigen (-8,4 %).
In der Zusammenfassung kann man in fast allen Bereichen eine Zuname der Straftaten verzeichnen. Gerade die Anzahl der Delikte hat sich über zwei Jahre enorm vergrößert. Gewalt gegen Frauen ist also kein Randgeschehen, es ist teils sogar systematisch.
Ist die entsprechende Tätergruppe „Zuwanderer“ beachtlich?
Friedrich Merz (CDU) sprach von „Zuwanderern“, diese Bezeichnung findet sich aber nicht in der Statistik. In der Statistik werden jedoch erfasst: Nichtdeutsche Tatverdächtige und Opfer werden erfasst. Diese Bezeichnung umfasst Zugewanderte, Ausländer:innen, Staatenlose und Personen, deren Staatsangehörigkeit ungeklärt ist. Diese Gruppierung lässt jedoch auch Abweichungen zu, da nicht erkennbar ist, welche Nationalität damit gemeint ist. Zugewanderte können zum Beispiel auch Spätaussiedler sein oder Menschen aus Drittstaaten, die hier einer Arbeit nachgehen. Auch ist nicht bekannt, welche Menschen aus der EU kommen oder hier einen Asylantrag gestellt haben.
Zusätzlich muss man noch folgende Informationen beachten:
- 2023 gab es keine spezifische Aufschlüsselung nach Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen in der Zusammenfassung.
- 2024 sind Tatverdächtige genannt mit 558 insgesamt, davon ist der nichtdeutsche Anteil nicht explizit genannt.
Fallgruppe | Tatverdächtige insgesamt | Deutsch | Nichtdeutsch | Anteil Nichtdeutsch |
|---|---|---|---|---|
Frauenfeindliche Straftaten PMK | 558 | Keine spezifische Angabe | Keine spezifische Angabe | |
Sexualstraftaten | 37.881 | 24.419 (64,5 %) | 13.471 (35,6 %) | 35,6 % |
Häusliche Gewalt | 152.812 | 96.534 (63,2 %) | 56.478 (36,8 %) | 36,8 % |
Menschenhandel | 578 | 211 (36,2 %) | 369 (63,8 %) | 63,8 % |
Digitale Gewalt | 14.130 | 10.804 (76,2 %) | 3.223 (22,8 %) | 22,8 % |
Tötungsdelikte | 781 | 514 (65,9 %) | 267 (34,1 %) | 34,1 % |
Laut den aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2024 beträgt der Anteil der nichtdeutschen Bevölkerung in Deutschland etwa 14,5 %.
Man kann also sagen, dass es bis auf Menschenhandel, keine signifikante Kennzahl gibt, die die Aussage von Friedrich Merz (CDU) bestätigen würde, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer ausgeübt wird. Vielmehr bleiben viele Straftaten gerade zu Hause im Verborgenen, da diese nicht angezeigt werden.
Fazit
Ja, die Gewalt gegen Frauen nimmt zu, sie war aber schon immer sehr hoch, denn Frauen wurden in der Geschichte der Menschheit nie als gleichberechtigtes Geschlecht vom Mann respektiert. Heute gibt es einfach den Vorteil der Statistik, doch das, was im Kopf eines Mannes ist, entzieht sich der Statistik und bedarf anderer Änderungen.
Nein, pauschal ist es keine statistische Gruppe (Herkunft), die Gewalt gegen Frauen anwendet, es sind hauptsächlich Männer. Entsprechend ist die Aussage von Friedrich Merz (CDU) bestenfalls eine Annahme, ein gefühlter Wert, schlimmstenfalls rassistisch.

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