Am Samstag, 20. Juni 2026, findet von 10:00 bis 16:00 Uhr im Landtag Hannover der umstrittene „Kinderschutzkongress“ der AfD-Landtagsfraktion Niedersachsen statt. Als Referent:innen treten auf: Vanessa Behrendt (MdL, Initiatorin), Stephan Bothe (MdL), Beatrix von Storch (MdB), Christine Anderson (MdEP) sowie Uwe Kranz (ehem. Leiter des Thüringer Landeskriminalamtes).
Inhaltsverzeichnis
Instrumentalisierung von Kinderschutz für politische Hetze
Die AfD nutzt den Kinderschutz als Veilchen, um rechte Ideologien zu verbreiten. Das ist kein Zufall: Rechtspopulistische und extremistische Gruppen haben seit jeher versucht, emotional aufgeladene Themen wie den Schutz von Kindern für ihre Zwecke zu missbrauchen. Schon in der NS-Zeit wurde der „Schutz der Jugend“ als Propagandainstrument eingesetzt – etwa durch die Hitlerjugend (HJ) oder die Gleichschaltung der Erziehung. Damals ging es nicht um echten Schutz, sondern um Indoktrination und Kontrolle.
Heute bedient die AfD ähnliche Muster:
- Feindbilder schaffen: Sie stellt „das Establishment“, „Genderkult“ oder „Frühsexualisierung“ als Bedrohung für Kinder dar – ohne wissenschaftliche Grundlage.
- Opferrolle inszenieren: Die AfD gibt sich als einzige Kraft, die „Klartext“ redet, während sie gleichzeitig Verschwörungsmythen (z. B. zur „Pädophilie-Lobby“) verbreitet.
- Spaltung fördern: Durch die Dämonisierung von Minderheiten (z. B. „arabische Jugendgangs“) wird ein Klima der Angst geschaffen – genau wie in der NS-Zeit, als Sinti und Roma, Juden oder politische Gegner als „Bedrohung für die deutsche Jugend“ diffamiert wurden.
Völkische Ideologie: Kinder als „Zukunft des Volkes“
Die AfD und ihre Unterstützer:innen teilen mit völkischen Gruppen die Vorstellung, dass Kinder Zukunftsträger einer „reinen“ Nation seien. Diese Denkweise war zentral für die NS-Rassenpolitik:
- Eugenik und „Erbgesundheit“: Im Nationalsozialismus wurden Kinder mit Behinderungen oder „unerwünschten“ Merkmalen systematisch ausgeschlossen – bis hin zum Euthanasie-Programm.
- Kinder als „Staatsgut“: Die HJ oder der Bund Deutscher Mädel (BDM) dienten der Gleichschaltung – Kinder sollten zu „nützlichen“ Mitgliedern des „Volkskörpers“ erzogen werden.
Die AfD übernimmt diese kollektivistische Sicht auf Kinder:
- Familienbild als „nationale Pflicht“: Vanessa Behrendt und andere AfD-Politiker:innen propagieren ein traditionelles Familienmodell als „natürlich“ – und diffamieren alle Abweichungen (z. B. Patchwork-Familien, LGBTQ+-Rechte) als „gefährlich“.
- Schulpolitik als Kampfgebiet: Die AfD fordert die Abschaffung von Aufklärung zu Themen wie Sexualität oder Diversität – ähnlich wie völkische Gruppen, die „artfremde“ Einflüsse aus Schulen verbannen wollten.
Demokratiefeindliche Rhetorik: „Wir gegen die da oben“
Die AfD bedient sich einer klassischen antipolitischen Strategie:
- Elitenverschwörung: Sie behauptet, „das linksgrüne Establishment“ unterdrücke die „Wahrheit“ – eine Narrativ, das auch die NSDAP nutzte, um die Weimarer Republik zu diskreditieren.
- Justiz als „Feind“: Redner wie Stephan Bothe unterstellen der Justiz systematisches Versagen – ein Muster, das in der NS-Zeit in der Gleichschaltung der Gerichte gipfelte.
- Gewalt als „Beweis“: Die AfD nutzt Einzelfälle (z. B. Gruppenvergewaltigungen) für pauschale Schuldzuweisungen an Migrant:innen – genau wie die NS-Propaganda „Juden“ oder „Zigeuner“ für Kriminalität verantwortlich machte.
Das Problem: Solche Rhetorik untergräbt das Vertrauen in demokratische Institutionen – und bereitet den Boden für autoritäre „Lösungen“.
Warum wir als Demokrat:innen dagegen sein müssen
Kinderschutz darf nicht ideologisch missbraucht werden
Echter Kinderschutz bedeutet:
- Aufklärung über Gewalt (auch sexualisierte Gewalt) – ohne pauschale Schuldzuweisungen an Gruppen.
- Schutz vor Diskriminierung – auch für queere Kinder oder Kinder mit Migrationshintergrund.
- Wissenschaftliche Fakten statt Verschwörungsmythen (z. B. zur „Frühsexualisierung“).
Die AfD tut das Gegenteil: Sie spaltet, hetzt und verharmlost echte Probleme (z. B. strukturelle Gewalt in Familien) durch populistische Scheinlösungen.
Demokratie lebt von Pluralismus – nicht von Ausgrenzung
Die AfD und ihre Kongresse zielen darauf ab, bestimmte Gruppen aus der Gesellschaft auszuschließen:
- Migrant:innen („arabische Jugendgangs“)
- LGBTQ+-Personen („Genderkult“)
- Kritische Wissenschaftler:innen („linksgrünes Establishment“)
Das ist genau das Gegenteil von Demokratie, die auf Inklusion, Menschenrechten und dem Schutz von Minderheiten beruht.
Historische Verantwortung: Nie wieder „Volksgemeinschaft“
Die NS-Diktatur begann mit der Ausgrenzung von „Anderen“ – und endete im Völkermord. Die AfD nutzt ähnliche Feindbilder und Ausgrenzungsmechanismen. Wer heute schweigt, wenn Kinder als „Eigentum der Nation“instrumentalisiert werden, macht sich mitschuldig an der Erosion unserer Demokratie.
Kinderschutz ja – AfD-Kongress nein!
Der Kinderschutzkongress der AfD ist kein Ort des Schutzes, sondern ein Ort der Hetze. Er bedient völkische, autoritäre und demokratiefeindliche Muster, die wir aus der Geschichte kennen – und die wir nie wieder zulassen dürfen.
Als Demokrat:innen müssen wir:
- Aufklären – über die wahren Gefahren für Kinder (z. B. Armut, strukturelle Gewalt, Klimakrise).
- Widersprechen – wenn Kinderschutz als Vorwand für Ausgrenzung missbraucht wird.
- Schützen – die offene, pluralistische Gesellschaft, die alle Kinder einschließt.
„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ (Benjamin Franklin – und eine Warnung für heute)

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