Nachlese: Grillverbot am Silbersee in Langenhagen, NDR-Bericht

Langenhagen. Gestern, am 11.05.2026, berichtete der NDR in seinem Fernsehprogramm Niedersachsen 18:30, Hallo Niedersachsen inklusive Pro und Kontra und auf seiner Webseite mit einem Voting über das Grillverbot am Silbersee, dass seit dem 9. Mai 2026 gilt. Nun hat gerade das öffentlich rechtliche Fernsehen die Aufgabe neutral zu berichten, scheint aber bisweilen die Stimmung in sozialen Netzwerken oder gar der typischen Empörungskultur eher zu folgen, statt beruhigend auf die „Betroffenen“ zu wirken.

Das erste Foto bei mir im System zum Silbersee und dem Müll. 14.04.2020.

Die Umfrage, „Sollte Grillen in öffentlichen Parks verboten werden?“, suggeriert, als würde die Sorge bestehen, dass alle öffentlichen Grillmöglichkeiten mit der Entscheidung Langenhagens geschlossen werden sollen. Das ist natürlich nicht so, und Langenhagen hat es sich (leider) sehr schwer gemacht, diese Entscheidung zu treffen. 

Die Situation am Silbersee Langenhagen ist keine akute Situation, sie baut sich seit Jahren auf. Mein erstes Foto von der Vermüllung am Silbersee habe ich am 14. April 2020 gemacht, also schon vor 5 Jahren. Und ich gehe mal davon aus, es gibt vielleicht sogar noch ältere Fotos. Dabei muss man sich mal die Geschichte des Silbersees betrachten.

Bereits in den 1980ern war der Silbersee ein beliebtes Ziel von Menschen „ohne Balkon“, wie es der NDR formuliert hatte, damals wurde großflächig auf dem Parkplatz Ost gegrillt, es wurden Möbel aufgestellt, so was wie Pavillons, und Menschenmassen genossen dort die Möglichkeit zu grillen. Nach und nach wurde auch am Silbersee direkt gegrillt, zunächst nur in der Nähe des Rodelberges, später wurden weitere Flächen ausgewiesen.

Schon damals gab es Menschen, die ihre Hinterlassenschaften zurückgelassen haben und die kleinen Waldflächen für ihre Notdurft genutzt haben. Kinderstube. Das ist also nichts, was man mal eben „wegbekommt“.

Die Stadt Langenhagen hat in den vergangenen Jahren Schritt-für-Schritt versucht, die Situation in den Griff zu bekommen, im Vordergrund stand dabei die Bevölkerung mitzunehmen, ihr mit mehr Mülleimern und Plakaten auch die Möglichkeit zu geben, den Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. Das ging so weit, dass man „das teuerste BBQ“ auf Plakaten dokumentierte (Strafen) und einen riesigen Müll-Container, den man nicht übersehen konnte, aufstellte. Neu kam dieses Jahr eine WC Anlage am Ausgang des Parkplatz Ost.

Nein, die Stadt Langenhagen hat tatsächlich (zu lange) versucht, die Nutzer der Grillflächen mitzunehmen und an die Verantwortung zu appellieren. Jetzt ist mal Schluss, auch wenn die, die sich ordentlich verhalten haben, jetzt eben nicht mehr grillen können. Aber so ist das halt, wenn die Gemeinschaft nicht mitmacht, kann man so etwas wie Grillflächen nicht anbieten.

Der NDR sprach in seinem Pro und Kontra darüber, warum man denn jetzt die vielen Menschen mit dem Verbot bestraft, wenn wenige den Müll nicht entfernen. Man kann gar nicht müde werden, die Fakten aufzuzählen, auch wenn es gerade dem Bürgermeister Mirko Heuer (CDU) schwer fiel, immerhin sind bald Kommunalwahlen, diese Entscheidung zu treffen:

  • Der Silbersee ist ein Naherholungsgebiet für die Bewohner*innen Langenhagens. Der Betrieb wird von den Bürger*innen über die Steuergelder bezahlt, also von jenen, die den Silbersee nutzen.
  • Das Angebot, dass man am Silbersee grillen dufte, verursachte in den vergangenen Jahren Mehrkosten, die die Bürger*innen Langenhagens bezahlen durften. Dazu zählen: Zusätzliche Reinigungsmaßnahmen an Wochenenden und Tagen direkt nach schönen Wetter durch Personal, Einsatzfahrzeugen und zusätzlichen Müllgebühren, Aufbau und Betrieb der Kohleabfallbehälter, zusätzliche Sanierungsmaßnahmen Grünflächen, Aufbau und Betrieb einer neuen WC Anlage.
  • In der Brut-, Setz- und Aufzuchtszeit wurden brütende Vögel massiv am See gestört.
  • Der Einsatz der Ordnungskräfte des Ordnungsamtes in Langenhagen verursacht weitere Kosten, wenn man dafür andere Bereiche Langenhagens nicht vernachlässigen möchte.
  • Die Sicherheitslage am Silbersee hat sich verändert, wenn zwei Ordnungskräfte Gruppen von Menschen gegenüberstehen, kann man nachvollziehen, dass das Durchsetzen von Recht schwer ist.

Gerade bei den klammen Kassen in Langenhagen sind es jedoch gerade jene, die heute das Grillverbot kritisieren, die ersten, die bemängeln, dass nicht ausreichend Geld vorhanden ist, soziale Aufgaben der Stadt zu verbessern oder gar Straßen zu sanieren.

Das Grillverbot ist eine Konsequenz. Ja, zu spät. Ja, es war richtig. Die Diskussion um das Grillverbot am Silbersee zeigt aber auch die Schieflage der Gesellschaft auf, es scheint normal zu sein, die Kinderstube zu vergessen, Müll liegen zu lassen, sich rücksichtslos im Straßenverkehr zu verhalten und die Schuld immer bei anderen zu suchen. Maßnahmen folgen immer dann, wenn wir als Gesellschaft nicht bereit sind, unser Verhalten zu überdenken und anzupassen. Das wäre ein Thema, nicht das Grillverbot an sich.

By Marco Kulczyk
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