Das mit entsprechenden Beiträgen durch den Bürgermeister Mirko Heuer (CDU) verhängte Grillverbot am Silbersee in Langenhagen ist heute kein Thema im Stadtrat. Obwohl angekündigt, ist es nicht mehr auf der Tagesordnung, eine endgültige Entscheidung durch den Stadtrat steht also noch aus.
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Nachdem auch das NDR Fernsehen von einer Petition „für ein Grillverbot“ berichtet hatte, mittlerweile haben fast 2.500 Bürger*innen dafür gezeichnet, steht man natürlich auch politisch unter Druck. Warum das Thema jedoch von der Tagesordnung genommen wurde, ist nicht wirklich bekannt, offenbar war das auch bei Redaktionsschluss des „Langenhagener Echo“ vom Wochenende noch nicht bekannt. Lediglich ein anderer Tagesordnungspunkt befasst sich mit dem „Silbersee“.
Was heute besprochen wird im Stadtrat
Aus der Tagesordnung der Stadtratssitzung Langenhagen vom 22.06.2026 kann man entnehmen, dass es nur einen Tagesordnungpunkt zum Thema „Silbersee“ gibt, den SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingereicht haben. Hier mal der Wortlaut des Tagesordnungspunktes „Änderungssatzung der Gruppe aus SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Vorlage BD/2026/056: „Stärkung und Weiterentwicklung der Kampagne ‚Sauber macht Schöner‘ am Naherholungsgebiet Silberssee“:
Der Rat der Stadt Langenhagen unterstützt die gezielte Weiterentwicklung und Ausweitung der Kampagne „Sauber macht Schöner“ am Silbersee. Die laufenden Maßnahmen werden im Rahmen einer erweiterten Pilotphase bis zum 30.08.2026 fortgeführt und bedarfsgerecht ergänzt.
Die Verwaltung wird beauftragt, nach Abschluss der Pilotphase eine umfassende Evaluation durchzuführen und dem Rat eine Grundlage für die dauerhafte Ausgestaltung der Maßnahmen vorzulegen.
Die Weiterentwicklung der Kampagne erfolgt auf Basis folgender Grundsätze:
Leitprinzip
Präventive Maßnahmen haben Vorrang vor der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten. Ziel ist es, durch geeignete Rahmenbedingungen, Information und Ansprache regelkonformes Verhalten zu fördern und Fehlverhalten frühzeitig zu vermeiden.
Gleichzeitig gilt: Wo Regeln bewusst missachtet werden und keine Einsicht erfolgt, werden Verstöße konsequent und rechtssicher geahndet und verfolgt.
1. Ordnungsdienstes als „Ordnungsbotschafter“
Der kommunale Ordnungsdienst richtet sein Handeln präventiv aus und ist sichtbar als Ansprechpartner vor Ort präsent. Dabei stehen Kommunikation, Deeskalation und frühzeitige Einflussnahme auf das Verhalten der Besucherinnen und Besucher im Vordergrund.
2. Stärkung von Information und Kommunikation
Die Kampagne wird durch geeignete Kommunikationsmaßnahmen ergänzt und weiterentwickelt. Ziel ist eine verständliche, zielgruppengerechte und möglichst niedrigschwellige Vermittlung von Verhaltensregeln sowie die Förderung eines gemeinsamen Verantwortungsbewusstseins für den Silbersee. Eine adressatengerechte Kampagne auf Social Media ist hierbei zu prüfen und in geeigneter Weise umzusetzen.
3. Verhältnismäßige Kontrollen und Zusammenarbeit der Behörden
Die Einhaltung der geltenden Regelungen wird weiterhin überwacht. Kontrollen erfolgen situationsangepasst, verhältnismäßig und mit dem Ziel, Regelverstöße möglichst zu vermeiden.
Bei festgestellten Verstößen wird zunächst auf Einsicht und kooperatives Verhalten hingewirkt. Erfolgt keine Einsicht, werden Ordnungswidrigkeiten konsequent und rechtssicher geahndet und verfolgt.
Bei Bedarf erfolgt eine abgestimmte Zusammenarbeit mit weiteren zuständigen Behörden, insbesondere der Polizei. Der Ansatz sollte hierbei eine frühzeitige und abgestimmte Zusammenarbeit sein.
4. Evaluation und Weiterentwicklung
Nach Abschluss der Pilotphase wird die Verwaltung beauftragt, eine strukturierte Evaluation der erweiterten Kampagne vorzulegen.
Diese umfasst insbesondere:
- Entwicklung der Sauberkeitssituation (Vermüllung, Verschmutzung)
- Analyse von Nutzungskonflikten (z. B. Grillen, Lärm, illegale Müllentsorgung, Aufenthalt von Hunden am Badesee)
- Bewertung der Wirksamkeit präventiver Maßnahmen und Kontrollen
- Auswertung von Bürgerhinweisen, insbesondere über den Mängelmelder
Die Evaluation dient als Grundlage für die Weiterentwicklung des Gesamtkonzeptes. Sie soll auch prüfen, ob weitergehende ordnungsrechtliche Maßnahmen – einschließlich eines möglichen Verbotes des Grillens auf ausgewiesenen Flächen – erforderlich und geeignet sind.
5. Einbindung der Bürgerschaft
Zur nachhaltigen Verbesserung der Situation wird die Verwaltung beauftragt, geeignete Beteiligungsformate zu entwickeln und zu prüfen.
Dazu können insbesondere zählen:
- Einführung von „Sauberkeits-Paten“ für den Silbersee
- Organisation gemeinsamer gezielter Aufräumaktionen am Silbersee
- Einbindung von Vereinen, Verbände und Schulen
Grillverbot aufrecht erhalten?
Die Situation am Silbersee ist seit Jahren mehr als grenzwertig. Seit dem Grillverbot hat sich sicherlich die Gesamtsituation etwas verbessert, doch Dreck bzw. Müll bleibt auch ohne Grill ein Thema. Erst am Wochenende, es war warm, konnte der aufmerksame Besucher jeweils Samstag und Sonntag Morgens bemerken, der Müll liegt größtenteils wieder neben den Mülleimern und eben auch dazwischen, achtlos abgelegt oder liegen gelassen. Die Kolleg*innen vom SE Langenhagen (Stadtentwässerung) hatten wieder einen ganzen Wagen voll mit Müll, was mehr ist, als an Wochentagen und wenn nur die Mülleimer normal befüllt sind.
Nun hatte der NDR auch schön aufgezeichnet, wie sich eine Gruppe junger Menschen am See trafen um Picknick zu machen, Ordnungskräfte nickten dazu wohlwollend, aber offensichtlich ist das nicht das normale Bild.
Man sollte jetzt also schon merken, es liegt nicht am Grill, es liegt, wie schon oft geschrieben, an den Menschen.
Grillverbot reicht nicht?
Der gemeinsame Antrag der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zeigt deutlich, die Politik ist nicht auf dem neuesten Stand der Entwicklung oder es handelt sich lediglich um den Versuch den Bürger*innen aufzuzeigen, man kümmert sich um das Thema. Dabei liest sich der Antrag wie ein Offenbarungseid. Im Antrag steht geschrieben:
„Präventive Maßnahmen haben Vorrang vor der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten. Ziel ist es, durch geeignete Rahmenbedingungen, Information und Ansprache regelkonformes Verhalten zu fördern und Fehlverhalten frühzeitig zu vermeiden.“
Ähm, habe ich die letzten Jahre etwas verpasst? Der Silbersee in Langenhagen gehört zu jenen Naherholungsgebieten, der geradezu „gepflastert“ ist mit Hinweisen, zusätzliche Mülleimer wurden bereitgestellt zu den jeweiligen Sommersaisons, Grillkohle-Sonderbehälter wurden aufgestellt, seit letztem Jahr ein riesiger Müllcontainer und seit diesem Jahr eine öffentliche Toilette. Dazu permanente Berieselung, wenn man dem Kanal folgt, in Instagram. Übrigens auch in verschiedenen Sprachen.
Dass der Stadtrat offenbar nicht die hellsten Kerzen auf der Torte hat, hat man ja schon beim Thema „Erstaufnahmeeinrichtung“ erleben dürfen. Offenbar gehen Informationen, Presseberichte oder sogar NDR Berichterstattungen unter im Tagesgeschäft der ehrenamtlichen Politiker, ich bin fassungslos.
Der Antrag spricht von einer Pilotphase, einer Evaluierung und Einbindung der Bevölkerung. Liebe Stadträte, wie lange und wie oft noch? Sind die vergangenen Jahre ausgeblendet worden? Muss Euch die Bevölkerung ständig daran erinnern, was dort passiert? Befragt ihr eigentlich mal die Mitarbeitenden des Ordnungsamtes und SE Langenhagen?
Reinstes Alibi-Handeln, kann man da nur sagen oder anders gesagt: Totalversagen. Und das vor den Kommunalwahlen.
Der Stadtrat ist also von einem generellen Grillverbot weit entfernt. Und wie oben erwähnt: Das reicht nicht und wird sich auch nicht mit Kampagnen abstellen lassen. Die Menschen sind egoistischer geworden, sie nehmen die Vorfahrt, fahren bei Rot über die Ampel, weichen auf Fußwege aus, wenn die Straße mal bebaut wird, oder fahren gleich durch die Baustelle. Und da meint man also, ein weiteres Plakat oder schönes Foto mit dem Bürgermeister bewegt jene Menschen dazu, ihren Müll ordnungsgemäß zu entsorgen oder notfalls mitzunehmen?
Nein, das wird nicht helfen. Es muss wehtun. Es hat sich in Deutschland gezeigt, dass Vernunft, Kinderstube und Verantwortung nicht von allen geteilt wird, also müssen Strafen her. Selbst so schöne Ideen, wie Eintrittsgelder oder Parkgebühren, werden das Mindset nicht ändern. Vielleicht aber eine leer werdende Geldbörse oder Platzverweise.
Ich bin echt mal gespannt, ich kann aber mittlerweile nachvollziehen, warum die Bürger*innen derart frustriert sind.

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