Nein, der erste Platz in Niedersachsen ist kein Lob oder eine tolle Platzierung: Es ist hier in Langenhagen bei der verglichenen Städten in Niedersachsen am heißesten. Die Deutsche Umwelthilfe hatte erst kürzlich ihre Listen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und auch dem NDR war dies eine Nachricht wert. Doch der schlechte Wert für Langenhagen ist keineswegs das Ende oder Grund zur Panik. Aber es muss einiges getan werden.
Inhaltsverzeichnis
Langenhagen gehört zu den am stärksten hitzebetroffenen Städten in Niedersachsen, vor allem wegen:
- Sehr niedrigem Beschirmungsgrad (Schlüsselindikator für Kühlung durch Bäume).
- Starkem Versiegelungszuwachs (verstärkt Hitzeinseln).
- Hohem HBI (Hitzebetroffenheitsindex) (direkte Auswirkung auf Lebensqualität im Sommer).
Ursachen für die rote Bewertung
- Geringe Baumbedeckung: Mit 19,31 % liegt Langenhagen unter dem Niedersachsen-Durchschnitt (z. B. Hannover: 25,26 %, Oldenburg: 32,33 %). → Folge: Weniger Schatten, höhere Oberflächentemperaturen.
- Starke Versiegelung: Der Anstieg um +1,02 % (2018–2025) ist einer der höchsten in Niedersachsen. → Folge: Mehr Hitzeinseln durch Asphalt/Gebäude, weniger Verdunstungskühlung.
- Hoher HBI (16,30): Der Index setzt sich aus Versiegelung, Grünvolumen, Oberflächentemperatur und Bevölkerungsdichte zusammen. → Langenhagen hat hier kumulierte Nachteile: Hohe Versiegelung + niedriges Grünvolumen.
- Baumverlust: 2.170 Bäume verloren (2018–2025) – kein Ausgleich durch Neupflanzungen (laut Methodik). → Folge: Verschärfung der Hitzeproblematik.
Vergleich mit anderen niedersächsischen Städten
Stadt | Beschirmungsgrad | Versiegelungstrend | HBI | Gesamtbewertung |
Langenhagen | 19,31 % (rot) | +1,02 % (rot) | 16,30 (rot) | ROT |
Hannover | 25,26 % (gelb) | +0,59 % (rot) | 16,79 (rot) | ROT |
Salzgitter | 21,37 % (gelb) | +1,04 % (rot) | 15,19 (gelb) | GELB |
Oldenburg | 32,33 % (grün) | +0,52 % (rot) | 14,00 (grün) | GRÜN |
Lüneburg | 27,86 % (grün) | +0,14 % (grün) | 14,50 (grün) | GRÜN |
Das ist eine Bewertung, in die sicher auch Änderungen der Vorjahre einfließen, aber eben noch keine tatsächlichen Planungen der Stadt für die Zukunft beinhaltet. Doch dazu später mehr. Nichts desto trotz: Der Klimawandel ist da, der geht auch nicht mehr weg. Er lässt sich nur mildern und gerade Deutschland sollte sich darauf einstellen, das Wetter ändert sich. Es wird längere Hitzeperioden geben, es wird längere Phasen der Bewölkung ohne Niederschlag geben, der Wind wird zunehmen und es wird Starkregenereignisse geben. Alles schon gehabt, es wird nur schlimmer. Punkt. Das muss man respektieren und entsprechende Maßnahmen zur Milderung ergreifen: Stadt und Haus- und Grundstücksbesitzer sind hier in der Pflicht. Aber jede einzelne Bürger*in kann natürlich auch in Grenzen etwas machen.
Handlungsempfehlungen für Langenhagen
Es gibt natürlich auch entsprechende Handlungsempfehlungen der Deutschen Umwelthilfe, die aber schon bekannt sind:
- Nachpflanzung von klimaresistenten Baumarten (z. B. Feldahorn, Linde).
- Förderung von Dach- und Fassadenbegrünung in Gewerbegebieten.
- Entsiegelung von Parkplätzen/Höfen (z. B. durch wasserdurchlässige Beläge).
- Flächenentsiegelung bei Neubauten (z. B. durch Versickerungsflächen).
- Kühlkorridore durch grüne Verbindungen (z. B. entlang der Wietze).
- Hitzeaktionsplan mit temporären Schattenlösungen (z. B. Sonnensegel an Bushaltestellen).
- Verbot von Fällungen ohne Ausgleich.
- Bürgerbeteiligung bei Pflanzaktionen (z. B. „1.000 Bäume für Langenhagen“).
Langenhagen verfügt über viele Grünflächen, machen wir uns mal nichts vor. Zu dieser Wahrheit gehört aber auch, dass Hitze meist dort massiv auftritt, wo sich Menschen oft aufhalten. Man arbeitet ja nun einmal nicht im Stadtwald oder am Silbersee, dort geht man auch nicht einkaufen, man lebt dort auch nicht. Dazu kommt, wo Hitze ist, ist auch viel Wasser bei Starkregensituationen.
Zunächst kann sich einmal jeder informieren, wie das bei sich selbst aussieht. Bei Hitze reicht ja schon der Erfahrungswert, lange heiße Perioden haben wir vielleicht noch in unseren Erinnerungen gespeichert. Auf langenhagen.de gelangt man zum Beispiel zu den Karten, die ausweisen, welche Bereiche in Langenhagen bei Starkregen von Überschwemmungen betroffen sein können.
Die Stadt Langenhagen war bislang nicht untätig, viele Maßnahmen sind jedoch nicht bekannt oder einem gar nicht so sehr bewußt, dass diese Maßnahmen auch Hitze mildern oder Hochwasser mildern können. Man denke an dem Regenauffangbecken beim SCL oder den Baumaßnahmen der Hindenburgstraße-Ost.
Reaktion der Stadt Langenhagen auf den Hitze-Check 2026
Die Stadt hat bereits Maßnahmen ergriffen und arbeitet an einem umfassenden Klimaanpassungskonzept, das bis Ende 2026 fertiggestellt werden soll. Verantwortlich für die Begleitung ist das Fachbüro energielenker.
Aktuelle Projekte und Initiativen
- Auftaktveranstaltung „Klimaanpassung in Langenhagen“: Am 30. September 2025 fand in der Aula der IGS Langenhagen eine Veranstaltung statt, bei der bereits umgesetzte Maßnahmen vorgestellt und geplante Schritte diskutiert wurden. Bürger:innen konnten im Rahmen eines Workshops eigene Ideen einbringen und sich über individuelle Handlungsmöglichkeiten informieren. → Ziel: Sensibilisierung und partizipative Entwicklung von Lösungen.
- Bürger-Info-Spaziergang „Extremwetter“: Ein praktischer Spaziergang wurde organisiert, um Betroffenheiten durch Extremwetter (z. B. Hitze, Starkregen) für Grundstücke und Gebäude zu veranschaulichen und konkrete Lösungsansätze aufzuzeigen. → Ziel: Bürger:innen sollen eigene Risiken erkennen und Anpassungsmaßnahmen kennenlernen.
- Projekt „Klimafolgenanpassung“: Die Stadt arbeitet aktiv an der Anpassung an Klimafolgen, u. a. durch: Umgestaltung von Straßen und öffentlichen Räumen (z. B. Neugestaltung der Stadtparkallee von Walsroder Straße bis Rhodehof, Sanierung der Bahnhofstraße). Förderung von Entsiegelung und Begrünung (z. B. im Rahmen von Straßenbauprojekten).
- Energiekarawane: Bis 21. Juni 2026 bietet die Stadt in Kooperation mit der Verbraucherzentrale Niedersachsen eine kostenfreie Energieberatung für Bürger:innen an – mit Fokus auf Klimaanpassung und Energiesparen.
- STADTRADELN 2026: Langenhagen nimmt am STADTRADELN teil (Start: 31. Mai 2026), um Radverkehr, Klimaschutz und Lebensqualität zu fördern. Dies ist Teil der Mobilitätswende, die auch zur Reduzierung von Hitzeinseln beiträgt.
Geplante Maßnahmen (Auszug aus dem Klimaanpassungskonzept)
Die Stadt Langenhagen setzt auf drei zentrale Handlungsfelder, die direkt auf die roten Indikatoren des Hitze-Checks (Beschirmungsgrad, Versiegelung, HBI) abzielen:
Erhöhung des Beschirmungsgrads (aktuell: 19,31 %)
- Nachpflanzung von klimaresistenten Bäumen (z. B. Feldahorn, Linde, Eiche) in Hitze-Hotspots.
- Förderung von Privatinitativen (z. B. Baumpatenschaften).
- Grüne Korridore: Schaffung von Baumalleen entlang von Straßen (z. B. Stadtparkallee).
- Dach- und Fassadenbegrünung: Förderprogramme für Bürger:innen und Unternehmen zur Begrünung von Dächern und Fassaden.
Reduzierung der Versiegelung (aktuell: +1,02 % Trend)
- Rückbau von versiegelten Parkplätzen zugunsten von Grünflächen.
- Nutzung wasserdurchlässiger Beläge bei Neubauten und Sanierungen (z. B. in der Bahnhofstraße).
- Flächennutzungsplan: Der Rat der Stadt hat am 19. Januar 2026 die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans beschlossen, um klimagerechte Flächenentwicklung zu ermöglichen.
Senkung des Hitzebetroffenheitsindex (HBI: 16,30)
- Brunnen und Wasserspiele in öffentlichen Räumen (z. B. im Stadtpark).
- Entsiegelung von Schulhöfen und Spielplätzen.
- Temporäre Schattenlösungen (z. B. Sonnensegel an Bushaltestellen, Spielplätzen).
- Hitze-Warnsystem für vulnerable Gruppen (z. B. Senior:innen, Kinder).
Bürgerbeteiligung und Transparenz
Die Stadt setzt auf partizipative Ansätze:
- Workshops und Infoveranstaltungen (z. B. Auftaktveranstaltung im September 2025).
- Online-Informationen zu Förderprogrammen (z. B. für Dachbegrünung oder Energiesanierung).
- Meldestellen für Bürger:innen, um Hitze-Hotspots oder Handlungsbedarf zu melden.
Langenhagen handelt – aber es braucht mehr Tempo
Positiv:
- Die Stadt hat erkannt, dass Handlungsbedarf besteht, und arbeitet an einem umfassenden Klimaanpassungskonzept.
- Konkrete Projekte (z. B. Entsiegelung, Baumpflanzungen, Bürgerbeteiligung) sind bereits gestartet.
- Transparenz: Bürger:innen werden aktiv einbezogen (z. B. durch Spaziergänge, Workshops).
Herausforderungen:
- Der Beschirmungsgrad (19,31 %) und der Versiegelungstrend (+1,02 %) sind kritisch – hier muss die Umsetzung der Maßnahmen beschleunigt werden.
- Der HBI (16,30) zeigt: Die Hitzebelastung ist bereits heute hoch – kurzfristige Lösungen (z. B. temporäre Beschattung) sind nötig.
Für die Stadt Langenhagen sieht es also gar nicht so schlecht aus. Letztlich kann man sich jede Maßnahme, auch die gerade durchgeführten Maßnahmen als Bürger ansehen: Da passiert schon einiges. Alleine die Nahwärme-Maßnahme in der Hindenburgstraße-Ost ist gleich Zweifach gut: Fernwärme reduziert den CO2 Bedarf und senkt auch auf Dauer die Energiekosten für die Bewohner*innen und der Umbau der Straße bedeutet, dass versiegelte Flächen reduziert werden. So ist es in vielen Bereichen.
Hotspots bleiben jedoch, zum einen Überflutungsbereiche, da die Stadt wächst und Ausgleichsflächen nur schwer dort eingesetzt werden können, wo das Wasser auch hinfließt oder Hitzebereiche, wie der neuere Stadtkern.
Haus- und Grundstücksbesitzer sind auch gefragt. Erst heute Morgen habe ich wieder einen Steingarten gesehen oder auch typisch, da der Trend ja zum Zweit- oder Dritt-Kraftfahrzeug geht: Aus ehemals grünen Vorgärten werden Parkplätze gemacht. Meine Nachbarn hier hatten erst vor Kurzem die Reihenhäuser unter Wasser, na ja, Parkflächen halt.
Da kann man nur sagen: Pflanzt Bäume, Hecken und begrünt Flächen. Es muss nicht immer ein versiegelter Parkplatz sein oder Mülltonnensysteme können sogar mit Grün verschönert werden.
Jeder hat es also in der Hand: Verkehrswende, Wärmeversorgungswende und Begrünung. Einfach machen und aus der Komfortzone rauskommen.

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