Microsoft rudert bei KI-Strategie zurück? Copilot wird zurückgestutzt, Deinstallation möglich

Mehrere unabhängige Medien berichteten in den vergangenen Wochen: Microsoft vollzieht eine deutliche Kehrtwende bei der Integration seines KI-Assistenten Copilot in Windows 11. Nach massiver Kritik von Nutzern und Datenschützern werden geplante Funktionen gestrichen, die Marke Copilot weniger prominent platziert und sogar die Deinstallation der App in Unternehmensumgebungen getestet.

Sensitivity Labels ignoriert: Copilot gab vertrauliche Daten preis

Ein schwerwiegender Programmierfehler sorgte Anfang des Jahres für Aufsehen: Copilot zeigte trotz aktivierter Data Loss Prevention (DLP) und Sensitivity Labels vertrauliche E-Mails und Dokumente aus Ordnern wie „Gesendete Elemente“ und „Entwürfe“ an. Der Fehler, der bereits am 21. Januar 2026 entdeckt, aber erst zwei Wochen später offiziell bestätigt wurde, untergrub die etablierten Sicherheitsmechanismen. Microsoft rollte zwar einen Patch aus, doch der Vorfall erschütterte das Vertrauen in die Datensicherheit des KI-Assistenten. IT-Administratoren warnen vor den Risiken, wenn KI-Systeme Compliance-Regeln durch Programmierfehler umgehen können.

Strategiewechsel: Weniger Copilot, mehr Nutzerkontrolle

Ursprünglich sollte Copilot tief in Windows 11 integriert werden – etwa in Benachrichtigungen, Systemeinstellungen und den Datei-Explorer. Doch nach massiven Nutzerbeschwerden und der Kontroverse um das Recall-Feature zieht Microsoft nun viele dieser Pläne zurück. Die „Windows Copilot Runtime“ wurde stillschweigend in „Windows AI API“ umbenannt, und geplante Schaltflächen für schnelle KI-Interaktionen werden nicht mehr umgesetzt. Stattdessen setzt das Unternehmen auf eine dezentere Platzierung und mehr Nutzerkontrolle. Künftige KI-Elemente sollen bewusst optional und deaktivierbar sein, um das Gefühl der Bevormundung zu vermeiden.

Deinstallation in Insider-Previews getestet

Seit Januar 2026 testet Microsoft in den Insider-Kanälen Dev und Beta die Möglichkeit, die Copilot-App auf verwalteten Geräten zu deinstallieren. IT-Administratoren können über eine neue Gruppenrichtlinie die App entfernen – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: Microsoft 365 Copilot und die Copilot-App müssen installiert sein, die App darf nicht vom Nutzer selbst installiert worden sein und wurde in den letzten 28 Tagen nicht genutzt. Nutzer können die App jedoch jederzeit wieder installieren.

Microsoft lernt aus Fehlern?

Ein anderer Redakteur meinte zu Recht, die Entwicklung erinnert an das Schicksal von Cortana, das einst als zentraler Assistent in Windows eingebettet war, später aber aufgrund von Nutzerkritik zurückgestutzt wurde. Mit der neuen Strategie reagiert Microsoft auf die Forderung nach mehr Transparenz und Kontrolle. Ob der Kurswechsel ausreicht, um das Vertrauen in Copilot wiederherzustellen, bleibt abzuwarten. Immerhin stehen alle KI Anbieter derzeit auch finanziell unter Druck und Investitionen müssen sich auch irgendwann einmal tragen. 

Der Markt ist derzeit sehr dynamisch und Ende 2025 sprach schon so manch ein Beobachter von einer „Blase“… dazu muss Microsoft auch mit einem traditionellen Misstrauen seiner Kunden kämpfen. Grund genug jedenfalls, auch als Unternehmen in Europe, mehr über die digitale Unabhängigkeit nachzudenken und mehr Wert auf Datenschutz und Sicherheit zu legen.

By Marco Kulczyk
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