NSDAP und AfD

100 Jahre später - historischer Ort - Déjà-vu der Täuschung!

Am 4. und 5. Juli 2026 trifft sich die AfD zum Bundesparteitag in Erfurt. Der 2. Reichsparteitag der NSDAP fand vom 3. bis 4. Juli 1926 in Weimar statt. Ein Déjà-vu der Täuschung! Die quasi „Neu-Nationalsozialisten“ treffen sich an einem Datum, um wahrscheinlich ihrem völkischen Gesinnungsgenossen aufzuzeigen, dass sie ganz nah sind, an der Machtübernahme. Dafür darf man sich gerne schämen, besser aber noch, man lässt es nicht zu und protestiert dagegen, und das passiert natürlich auch.

Inhaltsverzeichnis

Zur Einordnung: Nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch vom 8./9. November 1923 in München wurde die NSDAP am 9. November 1923 in Bayern und kurz darauf reichsweit verboten. Adolf Hitler wurde im Hochverratsprozess (Februar/März 1924) nur zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft verurteilt – ungewöhnlich milde für den Tatbestand des Hochverrats. Er kam bereits nach etwa neun Monaten, am 20. Dezember 1924, auf Bewährung frei. Das zeigt auch, dass Teile der bayerischen Justiz und Verwaltung dem Putschversuch nicht sonderlich kritisch gegenüberstanden.

Adolf Hitler traf sich im Januar 1925 mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held. Er versprach dabei, sich an die Gesetze zu halten und auf dem Weg über Wahlen an die Macht zu kommen statt über einen weiteren Putschversuch – also eine „Legalitätstaktik“. Held ließ sich davon überzeugen (manche Historiker sagen: täuschen) und hob das Verbot der Partei sowie der Zeitung „Völkischer Beobachter“ am 16. Februar 1925 auf. Am 27. Februar 1925 gründete Hitler die NSDAP im Bürgerbräukeller in München offiziell neu – also genau dort, wo 1923 der Putsch begonnen hatte.

Orte und Daten waren der NSDAP schon immer dienlich in ihrer Propaganda, so wird es auch die AfD bei der Festlegung des Termines für ihre Bundesparteitag in Erfurt geplant haben. Symbolik und Bilder passen ja in die einseitige und flache Propaganda.

Der AfD Bundesparteitag wird jedoch nicht ohne Folgen bleiben:

Die beiden Haupt-Bündnisse – und ihre Unterschiede

„Widersetzen“

  • Ziel: den Parteitag durch Blockaden verhindern
  • Plant laut eigenem Strategiepapier „Massenblockaden und technischen Blockaden“, die „gleichzeitig, flexibel organisiert und zu unübersichtlich für eine schnelle Räumung durch die Polizei sein“ sollen
  • Erwartet Busse mit Aktivist:innen aus rund 60 Städten
  • Hat bereits 2025 in Riesa (23 Blockaden, AfD-Parteitag um 2 Std. verzögert) und in Gießen (Gründung der AfD-Jugendorganisation) so protestiert
  • Plant, alle Zufahrtswege zur Messehalle zu blockieren
  • Das Landesverwaltungsamt Thüringen hat Kundgebungen/Demos zwischen Messehalle und Autobahn verboten – Widersetzen kündigt an, juristisch dagegen vorzugehen oder sich notfalls über das Verbot hinwegzusetzen

„Zusammenstehen“

  • Ziel: bunte, legale Veranstaltungen statt Blockaden
  • Größte Kundgebung: ab 6 Uhr auf dem Messeparkplatz, ca. 15.000 Teilnehmer:innen erwartet
  • Bewirbt online rund 70 Veranstaltungen, u. a. „Kaffeetrinken wie bei Oma“, eine antifaschistische Stadtführung, eine familienfreundliche Kundgebung auf dem Theaterplatz
  • Aufruf unterschrieben von rund 190 Organisationen/Einzelpersonen, u. a. mehrere DGB-Gruppen, Parteien, Omas gegen rechts, der evangelische Jugendbund Mitteldeutschland, Kinoklub Erfurt, der SPD-Landesverband sowie – auch Widersetzen selbst hat mitunterzeichnet 

Zusätzlich: Zwei Konzerte am Domplatz (Freitag: Roland Kaiser, Samstag: Clueso), beide positionieren sich gegen die AfD.

Personen und ihre Positionen

Name

Rolle

Position zu den Protesten

Georg Maier (SPD)

Thüringer Innenminister

Verständnis für Proteste, aber gegen Blockaden – „Das macht den Protest unglaubwürdig und nützt letztendlich nur der AfD“

Björn Höcke

Thüringer AfD-Chef

Wirft Maier vor, die Proteste anzustacheln; warnt vor „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“

Bodo Ramelow (Linke)

Ehem. Thüringer Ministerpräsident

Fordert friedlichen Protest, Demokrat:innen sollten sich „unterhaken“; Unterzeichner des Zusammenstehen-Aufrufs

Jens-Christian Wagner

Leiter der KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Hält zivilen Ungehorsam gegen die AfD für legitim, warnt aber vor Bildern einer „angeblich gewalttätigen und undemokratischen Linken“; verweist auf die NSDAP-Parteitagsgeschichte in Weimar vor 100 Jahren

Ines Schwerdtner

Parteichefin Die Linke

Blockaden seien „ein absolut legitimer Protest“, solange gewaltfrei

Luisa Neubauer

Klimaaktivistin

Will an „friedlichen Sitzblockaden“ von Widersetzen teilnehmen

Christoph Bautz

Geschäftsführer Campact

Ebenfalls angekündigte Teilnahme an Sitzblockaden

Proteste werden von der AfD ausgenutzt - so oder so

Ob nun Blockaden oder Händehalten, die AfD wird jeden Protest gegen ihre Partei und ihren Parteitag propagandistisch nutzen. Nicht ohne Grund hatte die AfD Thüringen ja auch zu diesem Thema einen Tagesordnungspunkt im Landtag aufgemacht. Die Wortwahl „bürgerkriegsähnlichen Zustände“ sagt schon alles, fehlt nur noch, dass die AfD zur weiteren Provokation mit Fackeln und braunen Uniformen durch Erfurt marschiert.

Dass es teilweise Versammlungsverbote durch die Kommune gibt, ist jedoch nachvollziehbar. Man erinnert sich vielleicht noch an die Szenen aus dem November 2025 in Gießen. Natürlich hat der Staat solche Veranstaltungen, wie sie die AfD durchführen möchte, zu schützen, sie ist ja legal. Aber am Ende des Tages sehen wir wahrscheinlich wieder Bilder, wo bestenfalls nur sitzende Protestierende von Polizeibeamten weggetragen werden. Schlechtesten sehen wir wieder Wasserwerfer und Polizeibeamte, wie sie mit Knüppeln hinter Demonstranten herlaufen und wir werden wieder unterschiedliche Statistiken zu hören bekommen.

Da davon auszugehen ist, dass staatliche Institutionen schon lange von AfD Sympathisanten unterwandert sind, ist leider auch nicht davon auszugehen, dass alle Beamten zivilcouragiert den Befehl verweigern und den Versammlungsort verlassen und sich zu den Demonstranten setzen. Das wäre ein richtiges und wichtiges Zeichen! Ein demokratischer Staat, der demokratische Staatsapparat, der sich für sich selbst einsetzt, für die Demokratie. Da gäbe es dann von mir auch einen Persilschein, wäre ich Richter. So schützt eine demokratische Staatsmacht eine Partei, die die Demokratie abgrundtief hasst und abschaffen will.

Ein Verbot hätte es verhindert

Adolf Hitler hätte nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch vom 8./9. November 1923 die Höchststrafe erhalten müssen und der bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held hätte das Verbot der NSDAP am 16. Februar 1925 nicht aufheben dürfen!

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hätte schon längst als Bundesregierung einen entsprechenden Verbotsantrag vor dem Verfassungsgericht einreichen können.

Ich weiß nicht, was am Wochenende passiert, aber wer nicht das schärfste Schwert in die Hand nimmt, um die Demokratie zu verteidigen, wird am Ende weggefegt von einer gesichert rechtsextremen Partei und schaut in die Röhre. Auf dem Weg dorthin wird aber die Zivilbevölkerung immer wieder auf die Straße gehen, ob nun Blockaden oder Händehalten. Keine Hand breit den neuen Nationalsozialisten, nie wieder Faschismus!

By Marco Kulczyk
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    Avatar von Marco KulczykMarco Kulczyk
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