Wir hören nicht zu

Klimapolitik auf dem Tiefpunkt.

Nach diesen offen gesagt sehr heißen Juni-Tagen in diesem Jahr 2026, mit neuen Rekorden bei den Tageshöchsttemperaturen und Nachttemperaturen waren die heutigen Schlagzeilen gleich geprägt von Forderungen nach Hitzemanagement oder Hitzeplänen. Typisch, wenn es zu spät ist, werden die Stimmen wieder lauter.

Inhaltsverzeichnis

#FridaysForFuture

Es war ein warmer Augusttag im Jahr 2018, als die damals 15-jährige Greta Thunberg eine Entscheidung traf, die die Welt verändern sollte, zu mindestens erstmal. Am 20. August setzte sie sich zum ersten Mal nicht in ihren Klasse, sondern vor das schwedische Reichstagsgebäude in Stockholm. Mit einem selbstgemalten Schild in den Händen – „Skolstrejk för klimatet“ – begann sie ihren stillen, aber entschlossenen Protest. Drei Wochen lang saß sie dort, Tag für Tag, während andere Schüler im Unterricht saßen.

Doch Greta blieb nicht unsichtbar. Schon eine Woche später, am 27. August, berichtete die taz über ihren Schulstreik – eine kleine Notiz, die den Funken einer globalen Bewegung entfachte.

Dann kam der 8. September. An diesem Tag kündigte Greta an, dass sie ihren Protest nicht beenden würde. Nicht nach den anstehenden Parlamentswahlen am 9. September, nicht solange Schwedens Klimapolitik nicht den Zielen des Pariser Abkommens entsprach. Und sie gab ihrem Kampf einen Namen, der bald in aller Munde sein sollte: #FridaysForFuture.

So lange man sich daran erinnert, ist man zu mindestens noch nicht völlig abgestumpft und ignorant. Auch in Deutschland gab es entsprechende Klimaproteste. Gut so, dachte ich damals, auch Teile meiner Generation haben ja schon für Umweltschutz demonstriert, man erinnert sich in unserem Alter noch an das Waldsterben (1980) oder die Atomkatastrophe in Tschernobyl (1986).

Hoffnung

Die #FridaysForFuture Proteste trafen den „Zeitgeist“, die Schüler*innen organisierten sich völlig losgelöst von irgendwelchen Parteien oder Bürgerinitiativen und es zeigte seine Wirkung. Parteien, die die Initiativen richtig verstanden, versuchten nun wieder stärker das Thema Umwelt aufzunehmen. Auch Bündnis 90 / DIE GRÜNEN konnten nach und nach mit dem Thema wieder Stimmen dazu gewinnen.

Und dann kam, was kommen musste: Das nächste Thema. Doch nicht irgendeines, es war das, was die Veränderungen in der Gesellschaft, die vorher schon bemerkbar war, verstärkte. Es kam Corona.

Corona als reaktionärer Game-Changer

Die COVID-19-Pandemie, erstmals im Dezember 2019 in China festgestellt, hielt die Welt in Atem. Es starben viele Menschen und unser Leben, wie wir es kannten, musste massiv eingeschränkt werden. Ca. 1 Mrd. Menschen wurden infiziert, laut WHA sind ca. 22 Mio. Menschen gestorben und es gibt so viele Menschen, die bis heute darunter leiden.

Die wohl größte zivile Herausforderung der Menschengeschichte? Kann man so sagen, auch wenn klar war, es war keine Frage nach dem ob eine solche Infektion mal kommt sondern eher wann.

Auch wenn medizinisch nun wider alles „normal“ erscheint, hatte die Pandemie kollektiv Einfluß auf die Menschen: Mißtrauen wurde verstärkt, Nachbereitung wurde nicht vollständig durchgeführt, zukünftige Pläne sind nicht transparent kommuniziert und es gab und gibt nun viel Raum für Verschwörungstheorien.

Ein Grund dafür, warum auch die AfD in Deutschland stärker geworden ist.

Klimawandel? Nö, gibt es nicht!

Die Verschwörungstheorien und das befeuerte Misstrauen gegenüber der Wissenschaft sowie der verstärkte Egoismus des Individuums führen bei den heute angestoßenen Diskussionen über Notfallpläne bei mir eher zum schmunzeln. Keine Frage: Hitze ist auf Dauer lebensbedrohlich. Aber das wussten wir doch schon vorher und haben eben nichts gemacht.

Auch die heutige Regierung wird eher die Schultern zucken, vielleicht noch Pläne aufstellen, wie man sich kühlen kann, aber wirklich eine Richtungsänderung will diese Regierung nicht.

Noch immer werden fossile Brennstoffe ge- und befördert, statt in Schiene zu investieren. Noch immer wird über Unternehmen gesprochen, die jammern, wenn Erdöl wieder teurer wird. Währenddessen brennen die Wälder, Fische sterben in viel zu warmen Flüssen und was solls, dann fallen eben Arbeitnehmer*innen mal aus, wenn die hitzebedingt krank werden. Dabei werden diese Phasen häufiger auftreten und auch entsprechend länger. Und Deutschland ist das Land in Europa, das vom Klimawandel am meisten betroffen sein wird.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Ursprünglich von den Cree-Indianern wurde dieser Spruch von der Umweltbewegung in den 1980ern adaptiert. Er ist heute wieder sehr aktuell!

#FridaysForFuture 2.0

Wenn nicht heute, es muss etwas geben wie #FridaysForFuture 2.0. Da von der Regierung derzeit keine greifbaren Lösungen von alleine und ohne Druck der Straße kommen, bleibt der Jungend und den etablierten Bürgerinitiativen nichts anderes übrig, als auf die Straße zu gehen. In Anbetracht an den verdichteten Themen wird es schwer, sich Gehör zu verschaffen. Die Politik hat derzeit so viele Themen, und die Prioritäten werden von Wahlen gesteuert.

Möglicherweise macht es Sinn, Antifaschismus mit #FridaysForFuture 2.0 zu kombinieren, da mit der AfD an der Regierung gar nichts mehr in Richtung Klima und Nachhaltigkeit passiert. Die AfD will ja alle Windkraftanlagen abreißen.

By Marco Kulczyk
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