Wofür steht die AfD in Sachsen-Anhalt

Correctiv analysiert die Neuen Rechten, die ich als NEO-Nationalsozialisten bezeichne.

Am 6. September 2026 wird in Sachsen-Anhalt gewählt – und laut aktuellen Umfragen liegt die vom Landesverfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestufte AfD bei rund 40 Prozent. Es wäre der erste Fall in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine derart eingestufte Partei Regierungsverantwortung übernimmt. Das Recherchenetzwerk CORRECTIV hat dazu eine umfangreiche Analyse der Spitzenkandidatinnen und -kandidaten vorgelegt und legt offen, wie tief die Partei in rechtsextreme Netzwerke eingebunden ist.

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Worum es in der Recherche geht

CORRECTIV zeichnet nach, wie der Spitzenkandidat und mögliche künftige Ministerpräsident Ulrich Siegmund bereits beim geheimen Potsdam-Treffen 2023 offenlegte, mit welcher Strategie er vorgehen will:  

Zunächst menschliche Sympathie aufbauen, die eigentlichen politischen Ziele dann erst am Ende präsentieren. Konkret ging es dabei um eine spürbare Veränderung des Straßenbilds und wirtschaftlichen Druck auf ausländische Gastronomie. Beim selben Treffen präsentierte der Rechtsextremist Martin Sellner sein „Remigrations“-Konzept – jenen Begriff, den das Bundesverwaltungsgericht als mit der Menschenwürde unvereinbar bewertet.

Die Recherche zeigt, dass „Remigration“ auch im aktuellen Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt zentral verankert ist, samt Forderungen nach einer eigenen „Task Force für Abschiebungen„. Mehrere Kandidaten – darunter Oliver Kirchner, Hans-Thomas Tillschneider und Jan Moldenhauer – werden mit der rechtsextremen Denkfabrik von Götz Kubitschek in Schnellroda, mit dem Compact-Magazin sowie mit dem Umfeld der aufgelösten Jungen Alternative in Verbindung gebracht.

Ein weiterer Schwerpunkt der Recherche ist die Nähe vieler Kandidaten zu Russland: Reisen nach Kaliningrad, Gastbeiträge in russischen Medien, eine Geburtstagsfeier für Wladimir Putin in der russischen Botschaft und die Unterstützung der Initiative „Stoppt die Sanktionen“ werden dokumentiert. Auch die ideologische Annäherung an Donald Trumps MAGA-Bewegung – bis hin zu einer AfD-Delegationsreise in die USA und bildungspolitischen Plänen wie bewaffneten Wachdiensten an Schulen – wird beleuchtet.

Nicht zuletzt greift CORRECTIV die sogenannte Vetternwirtschafts-Affäre auf: Von 14 betroffenen AfD-Politikern aus Sachsen-Anhalt treten neun erneut zur Wahl an, im Zentrum steht die interne „Poker-Runde“ um Siegmund, den Landeschef und den Parlamentarischen Geschäftsführer.

Warum das relevant ist

Die Recherche liefert eine detaillierte Übersicht über die personellen Netzwerke, ideologischen Positionen und finanziellen Verflechtungen innerhalb der AfD Sachsen-Anhalt – kurz vor einer Wahl, die als richtungsweisend für die gesamte Bundesrepublik gilt. Angesichts der dokumentierten Nähe zu völkischem Gedankengut, autoritären Vorbildern und rechtsextremen Netzwerken halte ich die Einordnung als Neo-Nationalsozialisten für angemessen.

Quelle:

Autorinnen und Autor: Stella Hesch, Martin Böhmer, Isabel Knippel

Veröffentlicht: 7. August 2026 bei CORRECTIV

By Marco Kulczyk
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