Zerstört sich die SPD selbst?

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Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist gelaufen. Am Ende war es kein enges Rennen, die bis dahin oppositionelle CDU wird in dem Bundesland wohl den Ministerpräsidenten stellen und die SPD hat lediglich den 2. Platz erreicht, mit derben Verlusten, nach so vielen Jahren.

War das eine Überraschung? Nein. Zumal es den Trend verstärkt, den die SPD gerade überall erlebt: Die Wähler*innen laufen der ehemaligen Volkspartei weg.

Hier einmal das aktuelle Wahlergebnis, als Quelle die tageschau.de Seite und das Institut infratest dimap.

Die SPD muss 9,8 % Verlust wegstecken, und das nicht nur aus landespolitischen Gründen, vielmehr ist hier eigentlich die SPD im Bund kritisiert worden. Schon bei der Landtagswahl in Baden Württemberg bekam die SPD eine Klatsche, nicht die erste, schließlich hatte die SPD schon 2025 die Bundestagswahl klar verloren.

Interessant dabei ist, wer wählt eigentlich noch die SPD? infratest dimap hatte dazu die Bürger*innen in Rheinland-Pfalz befragt:

Stimmen in %:
Anteil der SPD in der jeweiligen Altersgruppe

Gewinn/Verlust:
Differenz zum Gesamtergebnis der SPD (26 %)

Positiv = überdurchschnittlich

Negativ = unterdurchschnittlich

SPD nach Altersgruppen

Altersgruppe

SPD‑Stimmen (%)

Vergleich zu Gesamt (26 %)

Gewinn/Verlust

18–24

19 %

26 %

–7 Punkte

25–34

19 %

26 %

–7 Punkte

35–44

20 %

26 %

–6 Punkte

45–59

23 %

26 %

–3 Punkte

60–69

31 %

26 %

+5 Punkte

70+

34 %

26 %

+8 Punkte

Offenbar kommt die SPD dort im Bundesland nur noch bei den Bürger*innen ab 60 Jahre an, wenn man das mit dem Gesamtergebnis vergleicht. Überall sonst ist die SPD schlechter. Das ist von daher dramatisch, auch wenn der Anteil der älteren Wähler*innen auf Grund der Demoskopie höher ist, dass auch junge Menschen die SPD nicht mehr als echte Alternative zum konservativen Mainstream sehen, sie gehen eher zur Die Linke oder zu den Grünen. 

Erschreckend dabei auch, die Jungend wählt vermehrt Rechts.

AfD nach Altersgruppen

Altersgruppe

AfD‑Stimmen (%)

Vergleich zu Gesamt (19 %)

Gewinn/Verlust

18–24

21 %

19 %

+2 Punkte

25–34

20 %

19 %

+1 Punkt

35–44

26 %

19 %

+7 Punkte

45–59

23 %

19 %

+4 Punkte

60–69

19 %

19 %

±0 Punkte

70+

11 %

19 %

–8 Punkte

Genau das aber merkt man wirklich nur bei der Wahl oder wenn sich die AfD Jugendorganisation mal trifft. Die Jugend wählt immer mehr die in Niedersachsen als gesichert rechtsradikal eingestufte AfD. Und das liegt sicher nicht nur daran, dass die AfD das aus China stammende soziale Netzwerk nutzt.

10 Gründe

Dabei macht die SPD momentan große Fehler und ist nach der Landtagswahl in Baden Württemberg viel zu schnell zur „Tagesordnung“ übergegangen. Die SPD trifft eine Mitschuld am Rechtsruck, wenn auch nicht so massiv, wie die CDU, aber es ist Fakt, die SPD verliert ihre Identität bei der Bevölkerung. Hier mal 10 Gründe dafür:

Schneller Eintritt in die Große Koalition mit CDU/CSU

Die SPD‑Führung – damals Saskia Esken und Lars Klingbeil – hat sich früh und klar für eine Koalition mit der Union ausgesprochen, obwohl die SPD ihr historisch schlechtestes Ergebnis erzielt hatte. Es erscheint, als wäre da eine zu geringe inhaltliche Abgrenzung zur CDU und ein strategisches Risiko.

Akzeptanz eines Koalitionsvertrags mit deutlichen Zugeständnissen

Analysen zeigen, dass der Koalitionsvertrag in zentralen Bereichen wie Klima, Naturschutz und Umweltstandards als Rückschritt kritisiert wurde – sowohl von Umweltverbänden als auch von Teilen der Opposition.

Schwache Positionierung beim Klimaschutz

Der Vertrag wurde als Aufweichung bisheriger Klimaziele interpretiert. Fridays for Future, Umweltverbände und Grüne warnten vor einer „klimapolitischen Realitätsverweigerung“. Der aktuelle Bundesumweltminister der SPD kann sich oft nur dem Kanzler beugen, Umweltpolitik hat nach Außen hin keinen Stellenwert mehr.

Verlust des sozialpolitischen Profils

Nachwahlbefragungen zeigten, dass viele frühere SPD‑Wähler die Partei nicht mehr als Vertreterin der Arbeitnehmer sahen. Das wurde als strukturelles Problem identifiziert. Auch grenzt sich die SPD nicht von fatalen Forderungen der CDU ab, wie die Verlängerung der Lebensarbeitszeit, Arbeitszeit allgemein oder dem Lifestyle Teilzeit Argument des Kanzlers.

Kommunikative Schwäche in der Regierungsbeteiligung

Mehrere Kommentare betonten, dass die SPD in der Großen Koalition kaum eigene Akzente setzen konnte und von der CDU überstrahlt wurde – insbesondere in Krisenkommunikation und Themenführerschaft. Die SPD tat sich schon immer schwer, positive Ergebnisse einer Regierungsbeteiligung zu verwenden.

Fehlende Erneuerung trotz historischer Niederlage

Statt eines personellen oder programmatischen Neustarts setzte die SPD auf Kontinuität in der Führung. Kritiker sahen darin eine verpasste Chance, Vertrauen zurückzugewinnen. „Weiter so“ zahlt sich nie aus, das hat sogar „Geschmäckle“.

Unklare Linie in der Sozial- und Arbeitsmarktpolitik

Laut Analysen wurde der SPD vorgeworfen, sich zu stark auf Empfänger sozialer Leistungen zu konzentrieren und gleichzeitig Arbeitnehmer mit geringen Einkommen zu vernachlässigen. Beides ist wichtig, zumal die CDU bei allen Betroffenengruppen den Rotstift ansetzen will.

Schwache Performance in Ländern als Signal für Bundespolitik

Die SPD verlor 2026 in Rheinland‑Pfalz und Baden‑Württemberg deutlich. Kommentatoren sahen darin ein bundespolitisches Warnsignal und eine Folge mangelnder Profilierung.

Bildungs‑ und Infrastrukturkritik auf Landesebene

In Rheinland‑Pfalz wurde die SPD für Probleme in Bildung, Gesundheitsversorgung und Infrastruktur kritisiert – was als Teil eines größeren Vertrauensverlusts interpretiert wurde.

Interne Spannungen über Kurs und Identität

Die SPD stand laut Berichten vor einer Identitätsfrage: Arbeiterpartei, progressive Kraft oder staatstragende Mitte? Diese Unklarheit wurde als strategische Schwäche gesehen. Hier muss die SPD nicht nur nachschärfen, es fehlen klare Bekenntnisse!

Dabei darf man auch nicht die Rolle von Lars Klingbeil in der Debatte vergessen.

Lars Klingbeil war 2025 gemeinsam mit Saskia Esken maßgeblich daran beteiligt, die SPD in die Große Koalition mit CDU/CSU zu führen.

Lars Klingbeil erhielt im Zuge der Regierungsbildung mehrere zentrale Ämter (Finanzminister, Vize-Kanzler und Co-Parteivorsitzender). Dabei kam auch auf, dass Sakia Esken wohl nicht ganz freiwillig auf eine neuerliche Kandidatur zur Co-Vorsitzenden verzichtete und auch ansonsten ein interessantes Personalkarussell losging.

Kritische Stimmen sahen in seinem schnellen Drängen in die Koalition ein Symbol für die strategische Orientierung der SPD nach der Wahlniederlage.

Was nun notwendig wäre...

Nein, ein „Weiter so“ hilft auch nicht weiter. Und auch wenn Lars Klingbeil am Abend der Landtagswahl Rheinland-Pfalz darüber sprach, es gäbe wohl auch personelle Diskussionen, die er mitgeht, hat er auch gleich gesagt, dass man ja bei zwei Kriegen in der Welt auch „Verantwortung“ trage. Na, der Nebensatz hat es in sich.

Nein, natürlich geht es zuerst um die Sache. Die SPD muss da raus und das Profil einer wirklichen sozialen Alternative zur CDU und auch AfD schärfen. Rote Linien helfen, Kompromisse dürfen nicht zu Lasten der SPD und vor allem der betroffenengruppen gehen. Am Ende wird die SPD nicht von den reichen gewählt sondern, bestenfalls, von allen, die permanent unter der CDU leiden müssen, und dazu gehören nicht nur Erwerbslose, Wohnungslose und rentner. Das betrifft fast die gesamte Bevölkerung, dessen muss sich die SPD bewußt werden.

Ob am Ende ein Lars Klingbeil mit der Ausrichtung der SPD umgehen kann? Das ist zunächst egal, aber wenn er nicht mitzieht, muss er eben gehen und Platz machen.

Stand heute: Es ändert sich wohl nichts… Schade! Die SPD als Arbeiterpartei und Partei der „schwachen Leute“ verliert ihre Identität, und das immer schneller. Die Zeit rennt.

Quelle: Die Zahlen und Grafiken stammen von tagesschau.de und infratest dimap.

By Marco Kulczyk
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