Am 13. September 2026 sind in Niedersachsen Kommunalwahlen. Für Langenhagen bedeutet das, dass die/der Bürgermeister*in zur Wahl steht und auch der Stadtrat neu gewählt wird. Der Bürgermeisterkandidat Jürgen Alenberg von der Alternative für Deutschland (AfD) wurde von mir ja schon erwähnt, da habe ich mir mal seine 3 Facebook Profile angeschaut. Ja, richtig gelesen, DREI. Das sind zu mindest die Profile, die öffentlich sichtbar sind.
Inhaltsverzeichnis
Jürgen Alenberg ist ja ein typischer Vertreter seiner Partei, kommt allerdings weniger mit den Attributen eines Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt auf den diversen Kanälen rüber. „Jürgen, sag mal was…“ hat sich bei mir schon eingeprägt, eine echte „Rampensau“ der Jürgen. Ginge es nicht um die Demokratie, würde mein Beitrag so weitergehen, aber es geht ja um mehr, als um Stammtisch-Verhalten von alten weißen Männern. Nein, was ich da wieder lesen musste…
Flachwitze
Ich dachte, sie wären schon verbannt, die Flachwitze. Ich teile jetzt mal nicht die zahlreichen Bilder und Videos, die ich mal als Flachwitze bezeichnen würde. Sich über andere Kandidaten lustig machen, nein, aber das passt zur AfD. Daher widme ich diesen Inhalten keinen weiteren Absatz.
Opferrolle
Ja, da sind sie wirklich zu Hause, in der Opferrolle. Da beschwert man sich, dass man vom regierenden Bürgermeister Mirko Heuer von der CDU (nein, man ist „verwunderlich“) nicht am Wahlkampf Stand der AfD besucht wird, aber er an alle anderen Stände geht. Ja, Jürgen, das tut weh. Das Aufmerksamkeits – Defizit wird dann auch noch verstärkt, wenn man weder zur Elefantenrunde des SoVD noch zum Forum der NP und HAZ eingeladen wird. Das kann schon am „Ego“ kratzen. Aber mal ehrlich: Jürgen hat eh nichts beizutragen außer „Dagegen“ zu sein, wie alle AfD Politiker lässt man sich sowieso nicht auf „komplexe Debatten“ ein und setzt stattdessen auf einfache Botschaften („Sicherheit“, „Heimat“, „Remigration“).
Mich wundert es aber auch wirklich nicht mehr, dass man die AfD nicht einläd.
Menschen mit Behinderungen
Jürgen Alenberg hat folgendes Bild veröffentlicht. „Das sind die Minderheiten, die ich unterstützen will und nicht diese bunten Vögel.“ Gezeigt wird ein „Germane“, wie er mit seinen starken Armen zwei Kinder umarmt, beide offensichtlich mit einer Behinderung. Geschmacklos und verstörend! Lügen haben kurze Beine oder lange Nasen… Zur Erinnerung:
Das Verhalten der AfD-Bundestagsfraktion gegenüber Menschen mit Behinderungen ist durch Ablehnung, Abwertung und eine grundsätzliche Skepsis gegenüber Inklusion geprägt.
Ablehnung von Inklusion
- Die AfD lehnt das Konzept der Inklusion – also das gemeinsame Lernen und Leben von Menschen mit und ohne Behinderung – grundsätzlich ab. In ihren Programmen und Äußerungen wird Inklusion als „gescheitertes Experiment“ oder „Belastungsfaktor“ bezeichnet. In Sachsen-Anhalt kündigte die AfD 2026 an, das „Experiment Inklusion“ unverzüglich zu beenden und stattdessen auf Sonderschulen zu setzen.
- Begründung: Die AfD argumentiert, dass Kinder mit Behinderungen auf Sonderschulen „besser aufgehoben“ seien und dass Inklusion zu Lasten der Leistungsfähigkeit anderer Schüler*innen gehe.
Abwertende Aussagen und Stigmatisierung
- Kleine Anfrage 2018: Die AfD-Bundestagsfraktion fragte in einer Kleinen Anfrage nach der Zahl der Schwerbehinderten in Deutschland – mit dem expliziten Fokus auf Behinderungen, die durch „Heiraten innerhalb der Familie“ entstanden seien. Diese Formulierung wurde als stigmatisierend und wissenschaftlich haltlos kritisiert. Zudem wollte die Fraktion wissen, wie viele Schwerbehinderte einen Migrationshintergrund haben oder keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.
- Sprachliche Herabwürdigung: AfD-Politiker wie Maximilian Krah bezeichneten Nachrichten in Leichter Sprache als „Nachrichten für Idioten“ und traf damit direkt Menschen mit kognitiven Einschränkungen.
- Ideologische Parallelen: Das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) kommt in einer Analyse (Mai 2026) zu dem Schluss, dass die AfD eine Gefahr für Menschen mit Behinderungen darstellt. Die Abwertung dieser Gruppe sei „manifester Bestandteil“ ihres Gedankenguts und erinnere an nationalsozialistische Ideologien, die einen „gesunden Volkskörper“ propagierten.
Ablehnung von Rechten und Teilhabe
- Wahlrecht für benachteiligte Personengruppen: Die AfD enthielt sich bei der Abstimmung über die Einführung des Wahlrechts für Menschen unter Vollbetreuung oder in psychiatrischen Einrichtungen – obwohl dies ein wichtiger Schritt für die politische Teilhabe gewesen wäre.
- Keine Barrierefreiheit: Die AfD bietet ihre Wahlprogramme nicht in Leichter Sprache an, was Menschen mit kognitiven Einschränkungen den Zugang zu politischen Informationen erschwert.
- Soziale Leistungen: Die AfD lehnt den Ausbau sozialstaatlicher Leistungen ab, die auch Menschen mit Behinderungen zugutekommen würden (z. B. Bürgergeld, Entlastungen für Geringverdiener*innen).
Symbolpolitik statt echter Unterstützung
- Die AfD inszeniert sich zwar punktuell als „sozial“ (z. B. durch Forderungen nach besserer Honorierung häuslicher Pflege durch Angehörige), doch diese Vorschläge sind oft symbolisch und zielen nicht auf strukturelle Verbesserungen ab. Statt zusätzlicher Mittel wird etwa eine „Mittelumschichtung“ gefordert, also die Umverteilung bestehender Gelder.
Menschenbild der AfD
Das Deutsche Institut für Menschenrechte, Behindertenverbände und Analysen wie die von Hendrik Cremer (2026) warnen übereinstimmend davor, dass die AfD ein ableistisches Menschenbild vertritt, das Menschen mit Behinderungen als „Belastung“ oder „nicht leistungsfähig“ stigmatisiert. Ihre Politik zielt darauf ab, Inklusion rückgängig zu machen und Rechte von Menschen mit Behinderungen einzuschränken – statt sie zu stärken.
Und, ebenfalls zur Erinnerung, während der NS-Diktatur (1933–1945) wurden Menschen mit Behinderungen systematisch verfolgt, interniert, zwangssterilisiert und ermordet. Die Verbrechen waren Teil der „Rassenhygiene“, die Menschen mit Behinderungen als „erbkrank“ oder „minderwertig“ einstufte. Die Morde begannen bereits vor dem Krieg (ab 1939) und waren der erste systematische Massenmord des NS-Regimes – noch vor dem Holocaust an den europäischen Juden.
Opferzahlen
Kategorie | Anzahl | Zeitraum |
Ermordete (Aktion T4 + dezentral) | 200.000–300.000 | 1939–1945 |
Ermordete Kinder | 5.000–10.000 | 1939–1945 |
Zwangssterilisationen | ~400.000 (davon 6.000+ Tote) | 1933–1945 |
Medizinische Versuche | Zehntausende (unklar) | 1933–1945 |
Internierte in Anstalten | Hunderttausende | 1933–1945 |
Sozialpolitik
Jürgen Alenberg hat folgendes Bild veröffentlicht. „Eine Regierung, die Senioren und Kranke die Gelder streicht und das Geld in der Welt verschenkt, ist eine Schande“. Gezeigt werden Mitglieder der Bundesregierung und im Hintergrund diverse Fahnen von Ländern.
Schon wieder dieser Jürgen… Die AfD hat sich in zentralen sozialen Fragen, die für Arbeitnehmer*innen, Kranke, Senioren oder benachteiligte Gruppen Vorteile gebracht hätten, konsequent gegen Verbesserungen gestellt. Besonders auffällig ist ihre Ablehnung von Mindestlohnerhöhungen, sozialer Absicherung und Entlastungen für Geringverdienerinnen, obwohl sie sich selbst als „Interessenvertretung der kleinen Leute“ inszeniert.
Und da fragt sich der Jürgen, warum er nicht eingeladen wird…
Abstimmungsverhalten AfD
Thema | Inhalt der Ablehnung | Betroffene Gruppe | Jahr |
Anstieg des Mindestlohns auf 12 Euro | Die AfD stimmte 2022 gegen die Anhebung des Mindestlohns mit der Begründung, dass „die politische Anhebung des Mindestlohns den Markt außer Kraft setze“. | Arbeitnehmer*innen | 2022 |
Bürgergeld als Ersatz für Hartz IV | Die AfD lehnte das Bürgergeld ab und schlug stattdessen eine „aktivierende Grundsicherung“ vor, die Langzeitarbeitslose zu unbezahltem Einsatz in der Seniorenhilfe, Behindertenhilfe oder im Katastrophenschutz verpflichten würde. | Arbeitslose, Geringverdiener*innen | 2022/2023 |
Sonderprämie für systemrelevante Berufe während der Coronapandemie | Die AfD lehnte die Einführung einer Sonderprämie für Beschäftigte in systemrelevanten Berufen ab, da unklar sei, wie diese finanziert werden solle. | Arbeitnehmer*innen in systemrelevanten Berufen | 2020/2021 |
Entlastung von Geringverdiener*innen durch Reduzierung von Sozialversicherungsbeiträgen | Die AfD stimmte gegen die Entlastung von Geringverdiener*innen. | Geringverdiener*innen | 2020er Jahre |
5 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau | Die AfD lehnte die Bereitstellung von 5 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau ab. | Wohnungslose, Geringverdiener*innen | 2020er Jahre |
Wahlrecht für benachteiligte Personengruppen | Die AfD enthielt sich bei der Abstimmung über die Einführung des Wahlrechts für Menschen unter Vollbetreuung oder in psychiatrischen Einrichtungen. | Menschen mit Behinderungen, psychisch Kranke | 2020er Jahre |
Gaspreisbremse | Die AfD stimmte mehrheitlich gegen die Gaspreisbremse, die Haushalte und Unternehmen entlasten sollte. | Haushalte, Unternehmen, Geringverdiener*innen | 2022 |
Erhalt oder Ausbau sozialstaatlicher Leistungen | In 75 % der Fälle stimmte die AfD bei Anträgen zur Gestaltung des Sozialstaates wie die FDP – und damit fast immer gegen Anträge, die einen Erhalt oder Ausbau sozialstaatlicher Leistungen forderten. | Arbeitnehmer*innen, Kranke, Senioren, benachteiligte Gruppen | 2017–2026 |
Video vor dem Rathaus
Wie ich oben schrieb, „Jürgen, sag mal was…“ hat sich bei mir schon eingeprägt, und das Video als Interview dargestellt, vor dem Rathaus war schon wieder so ein „Knaller“ an Inhalten. Aber man kann auch mal auf seine Augen und das Gesicht achten, wie er auf seinen Kollegen aus dem Bundestag reagiert. Zurück zu den Inhalten.
Man beachte, Jürgen Alenberg ist auch amtierendes Mitglied des Stadtrates der Stadt Langenhagen, hat also Expertise in Demokratie und Haushaltsplanungen. In seinem Video geht er auf die Schuldenlage der Stadt Langenhagen ein und möchte nur noch Schützenvereine, Sportvereine und Feuerwehr unterstützen. „Völkische“ Dinge also (man beachte eines seiner T-Shirts mit dem Wort „Heimat“). Kennen wir ja. Nein, Schützenvereine, Sportvereine und Feuerwehr sind wichtig, das möchte ich nicht negieren, es passt aber zu seinem Nachsatz: Nicht an „verblendete NGO’s“.
Dabei geht der gute Jürgen gar nicht darauf ein, welche Kostenstelle oder welche NGO’s er explizit meint, man kann sich das nur denken. Was hat er eigentlich während der letzten Legislaturperiode gemacht? Er kann doch als Mitglied des Stadtrates der Stadt Langenhagen Einsicht nehmen in die Unterlagen zum Haushalt. Ich kann nur vermuten, er spricht von Vereinen, die möglicherweise gefördert werden. Die Stadt Langenhagen vergibt Zuwendungen für Projekte und an Institutionen von Ehrenamtlichen, um diese zu fördern. Dabei handelt es sich, mit Ausnahme des Jugendhilfebereichs, um freiwillige Leistungen. Das kann man auch hier nachlesen.
Ansonsten läge die Vermutung nahe, dass so etwas wie der DLRG oder Die Tafel in Langenhagen kein Geld mehr bekommen sollten, wenn sie es denn bekommen. Ich gehe mal nicht davon aus, dass die ANTIFA oder andere Gruppen Geld bekommen. Aber es passt ins Gesamtbild, die CDU macht es ja auch.
Also wenig Substanz, wie ich auch schon im „Wahlprogramm“ feststellen musste.
Schlussbemerkung
Eine in Niedersachsen als „gesichert rechtsradikal“ eingestufte Partei hat einen Kandidaten aufgestellt, der alle Voraussetzungen für antidemokratisches Verhalten erfüllt. Man fühlt sich wohl in der Opferrolle, vor allem, wenn man sie nicht beachtet oder einlädt, dabei fordern sie Meinungsfreiheit und wollen sie nach der Machtergreifung einschränken. Ansonsten bürgerlich wirken, Stammtische organisieren und endlich mal „Macht“ haben und denen da „oben“ mal zeigen, wo der Hase langläuft.
Nein, ich würde mir wünschen, die „Initiative Offene Gesellschaft Langenhagen“ oder gar eine „Antifa“ Gruppierung würden Samstag morgens zum Markt eine Mahnwache zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus genau an der Stelle, an der diese unsagbar beschämende Stand der AfD den Bewegungskreis der Bürger*innen zum Markt einschränkt, durchführen, mit Sitzblockaden und Grabkerzen, Plakaten, und Haltung zeigen. Ich wäre dabei! Immerhin hat Jürgen Alenberg angekündigt, Streife zu gehen und eine Belohnung ausgesetzt, für sachdienliche Hinweise, wenn mal wieder ein Sturm die AfD Plakate abreißt. Wirkt auf mich fast wie Selbstjustiz oder einer Aufforderung zur Denunziation. Etwas, was in Deutschland in zwei Diktaturen gut funktioniert hat.
In diesem Sinne, #noafd!

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