Sternmarsch für Demokratie in Hannover

Tausende Jugendliche setzen ein Zeichen

Am Freitag, den 12. Juni 2026, versammelten sich in Hannover rund 3.000 Schüler*innen (Zahlen laut Medienberichten) aus verschiedenen Gymnasien und Gesamtschulen, um im Rahmen eines “Sternmarsches für Demokratie“ ein gemeinsames Zeichen zu setzen. Die Demonstration startete von mehreren Punkten der Stadt und endete auf dem Opernplatz, wo Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) und Vertreter verschiedener Parteien Reden hielten. Ziel der von Schüler:innen initiierten Aktion war es, Demokratie durch gemeinsames Engagement erlebbar zu machen. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Stadt Hannover, insbesondere durch die “Stelle für Demokratiestärkung und gegen Rechtsextremismus“, die mit 20.000 Euro die Finanzierung von Materialien wie Warnwesten oder Getränken ermöglichte.

Der Marsch verlief friedlich und ohne besondere Vorkommnisse.

Das Ankündigungsplakat.

Der Autor Marc Raschke, bekennender Demokrat, schrieb vor einigen Tagen in einem seiner LinkedIn Beiträgen: 

Es gab mal Zeiten, da gingen Millionen auf die Straße – weil die AfD Deportationen plante.

Er bezog sich auf die Welle an Demonstrationen, als das Wort „Remigration“ im Zuge eines „Geheimtreffens“ von AfD Parteimitgliedern und Rechtsradikalen in Potsdam „aufflog“. Im November 2023 deckte das Recherchezentrum Correctiv ein geheimes Treffen von AfD-Politikern, Neonazis und rechtsextremen Aktivisten in Potsdam auf. Dort wurden Pläne zur massiven Abschiebung von Migranten und deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund („Remigration“) diskutiert. Diese Pläne erinnern in ihrer radikalen und entmenschlichenden Rhetorik an die NS-Politik der 1930er- und 1940er-Jahre, ich berichtete.

Gestern, am 12. Juni 2026, gingen tausende Schüler*innen in Hannover auf die Straße, um für die Demokratie ein Zeichen zu setzen und Demokratie erlebbar zu machen. Das haben die Schüler*innen selbstständig organisiert. Das ist für mich ein Beleg dafür, dass es noch nicht zu spät ist, auch wenn Marc Raschke in vielen Punkten Recht hat.

Die Bundesrepublik Deutschland ist ganz nah am Kipppunkt der Demokratie. Und daran sind wir selbst schuld. Wir lassen es zu. Nein, nicht alle, aber die meisten.

Meine Generation ist in der Demokratie der Bundesrepublik Deutschland aufgewachsen. Ich habe den 2. Weltkrieg, die Vernichtung von Menschen und die entmenschlichende Rhetorik der Nationalsozialisten aber auch nicht die Diktatur der SED in der DDR miterlebt. Ich hatte Glück, habe aber schon mit 12 Jahren begonnen, mich mit politischen Themen auseinander zu setzen. Ich durfte demonstrieren, mich beteiligen und engagieren. Und ich war stolz darauf, eine eigene Meinung zu haben, für sie einzustehen und mit 18 Jahren meine Stimme abzugeben.

Die Voraussetzungen sind heute anders, als damals. Aber auch schon damals war die Politik oft ignorant und erst viel zu spät reagierte sie. Das haben Politiker gelernt, zu bewahren und auszusitzen. Statt mal etwas Neues zu probieren und Privilegien in Frage zu stellen.

Die CDU und die CSU konnten das und sie machen das noch heute so. Sei es, die außerparlamentarische Opposition zu ignorieren. Für die jüngeren Leser*innen, das waren die Studentenbewegungen, die Ende der 1960er den Eltern aufzeigen wollten, dass sich etwas im Nachkriegsdeutschland ändern muss. Sie wurden ignoriert von der CDU und CSU, und ein wirklich dunkler Schatten legte sich über Westdeutschland, da einige wenige sich radikalisiert und mit Terror versuchten ihre Interessen durchzusetzen. Ich spreche von der R.A.F., deren Existenz erst durch die Ignoranz der Konservativen möglich wurde.

Daher, aber natürlich auch aus der Weimarer Republik rührt übrigens die Ur-Angst der Konservativen vor allem was rot und links ist. Dabei gab es nie eine wirkliche linke Revolution in Deutschland.

Später ignorierten die Konservativen den sauren Regen oder Radioaktivität und heute ignorieren sie den Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit und die AfD und ihrer radikalen Unterstützer. Statt Demokratie zu fördern, stellen sie lieber vor der letzten Bundestagswahl die finanzielle Förderung von Demokratie-Projekten in Frage (hier Details) und heute setzen die Bundesminister der CDU und CSU konsequent genau das um, was die Fragen schon suggerierten.

So reagierte die CDU auch entsprechend in Hannover, aus einem Fördertopf der Stadt Hannover wurde der Sternmarsch unterstützt. Die HAZ titelte „Stellen Sie sich mal vor, ein AfD-Landrat in Sachsen-Anhalt organisiert einen Schülermarsch für Volk und Vaterland“, über einem Interview mit dem CDU Landtagsabgeordneten Dirk Toepffer. Bravo CDU, weiter so! Aber das kennen wir ja, ignorieren.

Und die CDU und CSU machen ja weiter, jeden Tag eine „gute Tat“? Bei den Kürzungsmaßnahmen werden wir Deutschland bald nicht mehr wieder erkennen. Das Volk wird bestraft für gute Taten, wenn man an pflegende Angehörige denkt. Oder an die Mitte der Gesellschaft, die nun, wie vorher auch schon die Armen der Gesellschaft, alles alleine bezahlen dürfen. Wer von Reformen spricht, aber eigentlich meint, man möchte bloß nicht an jene heran, die Kapital haben, darf sich nicht wundern, dass Wähler*innen abwandern und sich enttäuschte Bürger*innen von der Demokratie abwenden.

Nein, es gibt sie aber noch, die, die auf die Straße gehen, nicht aufgeben und unermüdlich für Demokratie und ihre Werte kämpfen. Die Politik macht es ihnen nicht leicht. Das Volk ist müde und hat Existenzängste. Das zieht sich durch alle Generationen. Und das macht es so gefährlich.

Wir dürfen das nicht zulassen. Zu dieser Wahrheit gehört aber auch, dass wir auch wieder mutige Politiker*innen brauchen, nein, nicht jene, die die Demokratie abschaffen wollen, sondern solche, die sagen und handeln, was sie denken und vor allem, die mutig genug sind, es mal anders zu machen oder neu zu machen. Nicht zu bewahren sondern zu transformieren, es auszuhalten, dass bestimmte Medien dagegen sind, dass Kapitalinteressen dagegen sind und jene, die bislang nur wenig dazu beitragen, dass Wohlstand gerecht verteilt wird und nicht nur von denen getragen werden muss, die eh schon zu wenig haben.

Den Schüler*innen aus Hannover gilt ein ganz großes „Dankeschön“! Und natürlich auch jenen, die jeden Tag für die Demokratie einstehen.

By Marco Kulczyk
This topic contains 1 voice and has 0 Antworten.
1 voice
0 Antworten
  • Author
    Beiträge
  • #14180
    Avatar von Marco KulczykMarco Kulczyk
    Forenverwalter

    Am Freitag, den 12. Juni 2026, versammelten sich in Hannover rund 3.000 Schüler*innen (Zahlen laut Medienberichten) aus verschiedenen Gymnasien und Ge
    [See the full post at: Sternmarsch für Demokratie in Hannover]

You must be logged in to reply to this topic.

Das könnte Dich auch interessieren...

Entdecke mehr von FokusM

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen