Am 31. Oktober 2026 bin ich in Hannover gemeinsam mit der GenZ auf die Strasse gegangen. Ich wollte nicht nur beobachten, sondern die Anliegen der jungen Menschen unterstützen und die Demonstration mit meiner Kamera dokumentieren. Los ging es um 14 Uhr am Ernst-August-Platz vor dem Hauptbahnhof, als Teil eines bundesweiten Aktionstages mit Veranstaltungen in mehr als 30 Städten. In der Spitze beteiligten sich nach Schätzungen der Polizei rund 5.800 Menschen in Hannover.
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Und entgegen mancher düsteren Vorhersage blieb die Demonstration in Hannover weitgehend friedlich. Es gab Verstöße gegen das Vermummungsverbot und während des Demozugs wurde mehrfach Pyrotechnik gezündet. Nach dem offiziellen Ende wurden zwei Polizeibeamte mit Böllern beworfen, wobei einer leicht verletzt wurde. Diese Vorfälle gehören zur Wahrheit dazu. Sie ändern aber nichts daran, dass die Polizei die eigentliche Demonstration im Nachgang als weitgehend friedlich bilanzierte.
Diese GenZ lässt sich nicht schlechtreden
Diese Demonstration straft die Vorurteile Lügen, mit denen die GenZ immer wieder konfrontiert wird. Hier standen Menschen nicht gleichgültig am Rand, sondern machten von einem elementaren demokratischen Grundrecht Gebrauch: Sie gingen für ihre Werte, ihre Zukunft und ihre Vorstellung von einer gerechteren und friedlicheren Gesellschaft auf die Straße. Die Initiative stellte dabei sechs große Themen in den Mittelpunkt:
- Kaputte Schulen und Sparkurs,
- steigende Lebenshaltungskosten,
- eine als ungerecht empfundene Lastenverteilung,
- Wehrpflicht und Musterung,
- zunehmende Überwachung sowie
- den Klimawandel.
Ich selbst war der GenZ gegenüber schon immer positiv eingestellt. Und warum auch nicht? Jede Generation entwickelt ihre eigenen Werte, ihre eigenen Erfahrungen und ihre eigene Perspektive auf die Gesellschaft. Das war früher nicht anders. Viel zu oft sprechen Generationen heute übereinander, statt miteinander. Dabei wäre gerade jetzt etwas anderes notwendig: Aufeinander zugehen, zuhören und voneinander lernen.
Die GenZ braucht keine Belehrungen darüber, wie die Welt angeblich funktioniert. Sie braucht Raum, ihre Vorstellungen einzubringen. Und vielleicht sollten sich die älteren Generationen auch einmal die Frage stellen, welche Welt sie denjenigen hinterlassen, die jetzt lautstark Veränderungen verlangen.
Drei Wahrheiten über den 31. Oktober
Nach diesem Aktionstag sollten wir vor allem drei Dinge auseinanderhalten:
Die erste Wahrheit: Die Demonstrationen waren keineswegs die vielfach heraufbeschworene flächendeckende Eskalation. In Hannover sprach die Polizei von einem weitgehend friedlichen Verlauf. Göttingen verlief nach Polizeiangaben sogar friedlich und ohne Zwischenfälle. In Bremen wurde die Demonstration selbst ebenfalls als eher friedlich beschrieben. In Hamburg hingegen kam es kurz vor Ende der Veranstaltung zu Ausschreitungen.
Die zweite Wahrheit: Man muss Demonstrationen und spätere Ereignisse sauber voneinander trennen. In Hannover geschah der Böllerangriff auf zwei Polizeibeamte nach der Demonstration. Auch in Bremen werden die Angriffe auf Einsatzkräfte dem Zeitraum nach dem offiziellen Ende zugeordnet. In Hamburg begannen die Ausschreitungen dagegen bereits kurz vor Veranstaltungsende. Wer glaubwürdig argumentieren will, sollte genau diese Unterschiede benennen.
Und die dritte Wahrheit: Gewalt und Randale am 31. Oktober sind keineswegs erst mit Gen Z regelt entstanden. Schon am 31. Oktober 2023 versammelten sich in Marl nach Angaben der Polizei mehr als 100 Menschen, randalierten und zeigten sich gegenüber Polizei und Ordnungskräften gewaltbereit. Pyrotechnik und zwei Messer wurden gefunden.
Ebenfalls 2023 in Duisburg-Hochfeld wurden Straßenbahnen mit Steinen und Böllern beworfen und eine Haltestelle beschädigt. In Hamburg-Harburg kam es an Halloween 2023 zu Ausschreitungen, bei denen die Polizei einen Wasserwerfer einsetzte.
Am 31. Oktober 2024 in Marl wurden Polizei, Feuerwehr und städtische Beschäftigte unter anderem mit Böllern und Steinen angegriffen. Brennende Einkaufswagen wurden in Richtung von Einsatzkräften und Fahrzeugen geschoben. Vier junge Männer wurden vorläufig festgenommen, neun weitere Menschen in Gewahrsam genommen.
2025 wiederum meldete die Polizei aus Marl und dem Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen eine weitgehend friedliche Halloween-Nacht ohne größere Vorkommnisse.
Diese Chronologie ist wichtig. Die früheren Ereignisse waren Halloween-Randale und keine politischen GenZ-Demonstrationen. Sie lassen sich deshalb nicht einfach auf GenZ regelt übertragen. Gleichzeitig widerlegen sie die Vorstellung, Auseinandersetzungen an einem 31. Oktober seien ein völlig neues Phänomen, das erst mit dieser Bewegung entstanden sei.
Politik muss zuhören, statt eine Generation abzustempeln
Ein Teil der politischen Debatte vor dem 31. Oktober war aus meiner Sicht erschreckend. Da wurde nicht nur über Sicherheitsrisiken gesprochen, sondern teilweise eine Kulisse aufgebaut, bei der schnell der Eindruck entstehen konnte, hier kündige sich eine gewaltbereite Bewegung an.
Die CDU-Gemeinderatsfraktion in Stuttgart verlangte beispielsweise eine Gefahrenbewertung und forderte für die dortige Demonstration im Zweifelsfall ein Verbot. Andere Politiker warnten in scharfer Sprache vor Gewalt oder linksextremistischer Einflussnahme.
Genau deshalb gilt: Deutschland ist nicht Frankreich. Bilder und Erfahrungen aus Protestbewegungen anderer Länder dürfen nicht einfach zur Schablone werden, mit der junge Menschen hierzulande vorverurteilt werden.
Bund, Länder und Kommunen müssen stattdessen auf die GenZ zugehen und ihr zuhören. Gerade beim Thema Bildung zeigt sich, wie notwendig das ist. Schulen, Hochschulen, Ausbildungsbedingungen und soziale Sicherheit berühren unterschiedliche staatliche Ebenen. Wer Verbesserungen erreichen will, braucht deshalb Sachverstand, Dialog und die Bereitschaft, Prioritäten neu zu setzen.
Und längst geht es nicht nur um die GenZ. Steigende Lebenshaltungskosten, Wohnungsnot und soziale Unsicherheit treffen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen. Dass diese Zukunftsängste ganz real sind, zeigte auch die Demonstration: Teilnehmende berichteten dort von finanziellen Sorgen, Belastungen neben Studium und Schule sowie Problemen beim bezahlbaren Wohnen.
Aus meiner Sicht hat die Politik unter Bundeskanzler Friedrich Merz diese gesellschaftlichen Spannungen verschärft. Umso notwendiger wäre eine Politik, die nicht Generationen gegeneinander ausspielt, sondern gemeinsame Interessen erkennt.
Wir brauchen einen gesellschaftlichen Schulterschluss
Denn neben der Perspektivlosigkeit, die Teile der GenZ empfinden, stehen auch andere Generationen unter Druck.
Was wir deshalb brauchen, ist ein breiter gesellschaftlicher Schulterschluss. Kapitalinteressen und grenzenloses Gewinnstreben dürfen nicht bestimmen, welche gesellschaftlichen Bedürfnisse politisch wichtig sind. Entscheidend muss der tatsächliche Bedarf der Menschen sein.
Wir brauchen eine Wirtschaft, die den Menschen dient und nicht umgekehrt. Investitionen in Bildung und Soziales sind dabei keine lästigen Kostenstellen. Sie sind eine Voraussetzung für die wirtschaftliche Zukunft dieses Landes.
Die Wirtschaft sucht Fachkräfte. Gleichzeitig beklagen junge Menschen schlechte Bildungsbedingungen, hohe Lebenshaltungskosten und unsichere Zukunftsperspektiven. Bei der Demonstration in Hannover forderte eine 22-jährige Teilnehmerin beispielsweise bessere Bedingungen für Schülerinnen, Schüler und Studierende, elternunabhängiges BAföG und bezahlbaren studentischen Wohnraum.
Wer Fachkräfte möchte, muss jungen Menschen deshalb auch Bedingungen bieten, unter denen sie lernen, arbeiten, wohnen und ihr Leben planen können.
Reichtum bedeutet Verantwortung
Auch Reiche und Konzerne müssen verstehen: Gier ist weder soziale Verantwortung noch Solidarität.
Wer ausschließlich auf Rendite, Dividende und Vermögenszuwachs schaut, gleichzeitig aber erwartet, dass die Gesellschaft Infrastruktur, Bildung, qualifizierte Fachkräfte und sozialen Frieden bereitstellt, blendet einen entscheidenden Zusammenhang aus.
Reichtum entsteht nicht im gesellschaftlichen Vakuum.
Und deshalb darf sich niemand wundern, wenn die GenZ und ebenso Menschen anderer Generationen irgendwann immer lauter über Vermögensbesteuerung, eine stärkere Besteuerung sehr grosser Einkommen oder sogar über Vergesellschaftung diskutieren.
Man muss nicht jede dieser Forderungen teilen. Aber man sollte endlich verstehen, woher sie kommen.
Eigentum und Reichtum bedeuten Verantwortung.
Wer mehr Möglichkeiten besitzt als andere, kann auch mehr dazu beitragen, soziale Ungleichheit zu verringern. Denn extreme gesellschaftliche Unterschiede gefährden am Ende nicht nur den sozialen Frieden. Sie beschädigen das Vertrauen in politische Institutionen und damit die Demokratie selbst.
Und jetzt? GenZ macht weiter.
Der 31. Oktober war kein Endpunkt.
Die GenZ wird weiter lernen. Sie wird ihre Organisation verbessern, ihre Kommunikation professionalisieren und Erfahrungen aus diesem ersten großen Aktionstag auswerten müssen. Auch Fehler müssen angesprochen werden. Pyrotechnik auf einer Demonstration hilft einer politischen Bewegung nicht. Gewalt gegen Polizeibeamte ist nicht zu rechtfertigen.
Aber mindestens ebenso wichtig ist eine andere Erkenntnis:
Mich macht diese GenZ stolz.
Ich war in Hannover dabei. Ich habe die Menschen erlebt, ihre Plakate gesehen, ihre Forderungen gehört und die Demonstration fotografisch begleitet. Tausende Menschen waren da. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl in der Spitze auf rund 5.800 Menschen.
Das hat mich beeindruckt.
Und es hat mich motiviert.
Wer jungen Menschen jahrelang vorwirft, sie seien unpolitisch, bequem oder nur mit sich selbst beschäftigt, sollte sehr genau hinschauen, wenn genau diese jungen Menschen plötzlich zu Tausenden auf der Straße stehen.
Jetzt heißt es: Weitermachen. Besser organisieren. Stärker vernetzen. Wissen und Erfahrungen teilen. Kontakte zwischen Städten aufbauen. Und vor allem generationenübergreifend denken.
Kollaborativ statt gegeneinander.
Für den 14. November 2026 ist nach deinen Angaben der nächste deutschlandweite GenZ-regelt-Aktionstag geplant. Hier würde ich ganz bewusst nicht nur die GenZ ansprechen:
Alle Generationen sind eingeladen.
Denn kaputte Schulen, hohe Mieten, soziale Unsicherheit, Klimawandel und die Frage nach einer gerechten Verteilung unserer gesellschaftlichen Lasten sind keine exklusiven Probleme einer einzelnen Generation.
Die GenZ hat begonnen, ihre Stimme lauter zu erheben.
Hören wir ihr endlich zu.
Und an die GenZ selbst:
Weiter so. Werdet lauter, vernetzt euch, lernt voneinander und bleibt friedlich. Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Stimme erheben.
FAQ
Gen Z regelt! ist ein bundesweiter Protest der Generation Z. Junge Menschen wollen damit darauf aufmerksam machen, dass über ihre Zukunft entschieden wird, ohne dass sie ausreichend gehört werden.
Sie fordern eine Politik, die stärker in Bildung, soziale Sicherheit, Gesundheit und bezahlbares Leben investiert, anstatt bei der jungen Generation zu sparen. Außerdem wollen sie mitbestimmen, wenn Entscheidungen über ihre Zukunft getroffen werden.
Im Positionspapier nennen sie unter anderem:
- Einsparungen bei Bildung, Sozialem, Kultur und Gesundheit
- Probleme an Schulen
- die Schließung von Suchtkliniken für Jugendliche und mangelnden Zugang zu Psychotherapie
- steigende Lebenshaltungskosten, hohe Steuern und Armut
- eine aus ihrer Sicht ungerechte Lastenverteilung
- Aufrüstung sowie Wehrpflicht und Musterung
- zunehmende Überwachung
- Fachkräftemangel in Schulen, Pflege und Gesundheitsversorgung.
Nein. Die Initiative versteht sich ausdrücklich als überparteilich. Es soll nicht darum gehen, für eine bestimmte Partei zu demonstrieren, sondern gemeinsame gesellschaftliche Probleme in den Mittelpunkt zu stellen.
Nein. Politische Entscheidungen werden ausdrücklich kritisiert, unabhängig davon, welche Partei dafür verantwortlich ist. Nach ihrem Positionspapier soll keine Partei über den Sorgen der Bevölkerung stehen.
Ja. Nach ihrer Erklärung sind Menschen unterschiedlicher politischer Richtungen willkommen. Gleichzeitig grenzt sich die Initiative klar von Extremismus, Rassismus, Hetze und verfassungsfeindlichen Symbolen ab.
Nein. Parteiwerbung und Parteifahnen werden in der Erklärung ausdrücklich als nicht erwünscht bezeichnet.
Die Initiative zieht eine klare Grenze: Extremistische Gruppen, verfassungsfeindliche Symbole, Rassismus und Hetze haben bei ihren Protesten keinen Platz. Wer versucht, den Protest dafür zu missbrauchen, soll von der Versammlung ausgeschlossen werden.
Ja. Gewaltfreiheit gehört zu den zentralen Grundsätzen der Initiative. Gewalt gegen Menschen oder Sachen wird ausdrücklich abgelehnt.
Bei Bedrohungen oder Übergriffen setzt die Initiative auf Abstand, Deeskalation und Zusammenhalt. Betroffene sollen in Sicherheit gebracht werden. Provokationen gegenüber Polizei oder Gegendemonstrationen werden ausdrücklich abgelehnt.
Die Initiative nennt insbesondere:
- friedliches und respektvolles Demonstrieren
- Plakate, Sprüche und Musik
- gegenseitige Unterstützung
- aufeinander achten
- sich selbst und andere gewaltfrei schützen.
Nicht akzeptiert werden:
- Gewalt, Drohungen und Zerstörung
- Hass, Hetze und Diskriminierung
- extremistische Gruppen
- verfassungsfeindliche Symbole
- Parteiwerbung und Parteifahnen
- Provokationen gegenüber Polizei oder Gegendemonstrationen.
Die Initiative erklärt, für alle Menschen da zu sein, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder Religion. Im Positionspapier wird außerdem betont, Menschen unabhängig von ihrer politischen Meinung zusammenbringen zu wollen.
Die Initiative wird von jungen Menschen getragen und möchte insbesondere der Jugend eine stärkere Stimme geben. Der Aufruf richtet sich aber auch an Organisationen, Vereine und Initiativen, die ihre Anliegen teilen.
Organisationen, Vereine und Initiativen können den Protest bekannt machen, mit ihren Mitgliedern teilnehmen oder die Initiative mit Erfahrung und Ressourcen unterstützen.
Der Protest soll nicht auf einen einzelnen Aktionstag beschränkt bleiben. Die Initiative erklärt ausdrücklich, dass dauerhafte Probleme mehr als einen Protesttag benötigen und sie langfristig etwas verändern möchte.
Die beiden Dokumente stellen vor allem friedlichen Protest, gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Beteiligung der jungen Generation und die Abgrenzung von Gewalt und Extremismus in den Mittelpunkt.
Im Positionspapier wird als Kontakt die E-Mail-Adresse info@genz-regelt.de angegeben.
Fotos
GenZ regelt Fotos vom 31.10.2026
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GENZ REGELT
Hier gelangt man zur offiziellen Homepage von "GenZ regelt" mit allen relevanten und aktuellen Informationen.
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