Die ARD berichtete am 29.03.2026 in der Tagesschau über die AfD, die immer mehr Zulauf auch von traditionellen SPD Wähler*innen erhält, den „Arbeitern“. Die Tagesschau-Analyse zeigt, dass die AfD sich zunehmend als „Partei der Arbeiter“ inszeniert, obwohl ihre tatsächlichen politischen Positionen und Abstimmungsverhalten im Bundestag überwiegend arbeitnehmerfeindlich ausfallen. Wähler*innen mit geringem Einkommen und niedriger formaler Bildung wenden sich der AfD dennoch verstärkt zu – vor allem aus Protest, wegen sozialer Abstiegsängste und aufgrund eines tiefen Misstrauens gegenüber etablierten Parteien.
Inhaltsverzeichnis
In der Tat profitiert gerade die AfD von der fehlenden Identität der SPD, vor allem zeigte sich das bei den vergangenen Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz. In den 2000 und vor allem durch die „Agenda 2010“ durch die SPD forciert wanderten damals noch traditionelle Wähler*innen zur Die Linke. Jetzt jedoch nach Rechts.
Stellt man jedoch die Rhetorik bzw. Aussagen in Wahlkämpfen dem tatsächlichen Abstimmungsverhalten der AfD in den Parlamenten gegenüber, sollte eigentlich jedem „Arbeiter“ klar werden, dass die AfD eben keine Arbeiterpartei ist.
Rhetorik vs. Abstimmungsverhalten
Mindestlohn
Rhetorik der AfD | Tatsächliches Abstimmungsverhalten / Positionen |
„Wir vertreten die Interessen der hart arbeitenden Menschen.“ | Gegen die Erhöhung des Mindestlohns auf 12 Euro (Bundestag 2022). Begründung: politisch festgelegte Löhne seien „marktfeindlich“. |
„Arbeit muss sich wieder lohnen.“ | Kritik an der EU-Mindestlohnrichtlinie. AfD-Abgeordnete bezeichneten sie als unzulässige Einmischung. |
Die Rhetorik der AfD, die hart arbeitenden Menschen zu vertreten, trifft hier gar nicht zu. Der Mindestlohn ist vor allem ein Instrument, dass sich Arbeit im Gegensatz zur Arbeitslosigkeit lohnen soll und vor allem dann fair und versichert sein soll. Mindestlohn ist also eine Absicherung für „Arbeiter“ und hat zunächst nichts mit Tarifverträgen und den Gewerkschaften zu tun. Die AfD stellt sich somit noch weiter rechts der CDU in der Pro-Wirtschaftshaltung auf. Ohne Mindestlohn ist die Gefahr von Schwarzarbeit höher, Schwarzarbeit richtet somit auch einen volkswirtschaftlichen Schaden an und im Einzelfall hat dies auch Konsequenzen für Betroffene beispielsweise bei Arbeitsunfällen. Dazu kommt, dass der Mindestlohn oft nicht in dem Maße angehoben wird, wie notwendig. Gerade in jüngerer Zeit sind steigende Wohn-Kosten und Lebensmittelpreise wenig bis gar nicht berücksichtigt worden. Oft müssen Ergänzungsleistungen beantragt werden oder mehr als einer Arbeit nachgekommen werden.
Ohne Mindestlohn würden wieder Verhältnisse einkehren, wie man sie aus der Geschichte kennt, beispielsweise im Manchester – Kapitalismus. In der Folge hätten „Arbeiter“ auch weniger Möglichkeiten der Teilhabe und die Kinder der „Arbeiter“ würden im Bildungssystem noch weiter benachteiligt.
Tarifbindung & Arbeitnehmerrechte
Rhetorik der AfD | Tatsächliches Abstimmungsverhalten / Positionen |
„Wir stehen an der Seite der Beschäftigten.“ | Antrag zur Abschaffung des Landestariftreuegesetzes (z. B. Baden-Württemberg). |
„Wir stärken die deutsche Wirtschaft und damit die Arbeitsplätze.“ | Bundestagsantrag, der laut IG BAU die tariflichen Sozialkassen geschwächt hätte (2020). |
„Wir wollen faire Löhne.“ | Gegen Initiativen zur Stärkung der Tarifbindung (z. B. Ablehnung von Tariftreue-Regelungen). |
Die AfD hat offenbar etwas gegen „Arbeiter“. So sollten Aufträge des Staates nur noch an Unternehmen gehen, die ihre Arbeiter nach Tarif bezahlen. Steuergelder werden also auch dazu verwendet, Arbeitsplätze in Deutschland abzusichern. Die AfD stimmte in einigen Landesparlamenten gegen entsprechende Gesetze, die das vorgeschrieben hätten. Die Rhetorik ist also eine andere, als das eigentliche Ziel eines ungebremsten Kapitalismus. „Arbeiter“ müssen laut Rhetorik der AfD selbst für ihren Lohn sorgen, also ohne Gesetz und bestenfalls ohne Gewerkschaften. Das ist keine Partei, die sich für „Arbeiter“ interessiert.
Rente & soziale Absicherung
Rhetorik der AfD | Tatsächliches Abstimmungsverhalten / Positionen |
„Wir schützen die kleinen Leute vor sozialem Abstieg.“ | Gegen Energiepreisbremsen, Energiepauschale, Mieterschutzmaßnahmen, Verlängerung Kurzarbeitergeld (DGB-Auswertung). |
„Wir wollen eine sichere Rente.“ | Mehrfach gegen rentenpolitische Verbesserungen gestimmt (z. B. Stabilisierung der Rentenversicherung). |
„Wir entlasten Familien und Arbeitnehmer.“ | Gegen Entlastungspakete für Haushalte in der Energiekrise. |
Bei diesem Thema wird ebenfalls deutlich, dass die AfD den „Arbeiter“ sicher nicht im Fokus hat. Die AfD fordert in Programmen die Abschaffung der Bundesagentur für Arbeit. Dazu stemmt sie sich gegen Maßnahmen, wie Energiepreisbremse, Mieterschutzmaßnahmen oder gegen die Verbesserung der Rente. Traditionelle Themen der „Arbeiter“, die nur wenig Geld zur Eigensicherung zur Verfügung haben und am meisten unter rein kapitalistischen Maßnahmen am meisten leiden, finden bei der AfD kein Gehör, die Wählerstimmen werden gerne mitgenommen, aber keine wirklichen Lösungen angeboten.
EU-Arbeitnehmerrechte
Rhetorik der AfD | Tatsächliches Abstimmungsverhalten / Positionen |
„Wir wollen faire Bedingungen für deutsche Arbeitnehmer.“ | Ablehnung der EU-Mindestlohnrichtlinie – Begründung: EU habe keine Kompetenz. |
„Wir schützen deutsche Arbeitsplätze.“ | Kritik an EU-Regulierungen, die Arbeitnehmerrechte stärken sollen (z. B. Entsenderichtlinie). |
Wirtschaftspolitik (arbeitgeberorientiert)
Rhetorik der AfD | Tatsächliches Abstimmungsverhalten / Positionen |
„Wir sind die Partei der kleinen Leute.“ | Gegen höhere Besteuerung großer Vermögen (DGB-Analyse). |
„Wir entlasten Arbeitnehmer.“ | Forderung nach „Flexibilisierung des Arbeitsmarkts“ – ein klassisch arbeitgeberorientierter Ansatz. |
„Wir stehen für soziale Gerechtigkeit.“ | Gegen Maßnahmen zur Stärkung sozialer Sicherungssysteme. |
Die AfD wurde einmal gegründet, um auch einen wirtschaftspolitischen Kurs abseits der CDU zu verfolgen. Am Ende also einen Kurs, der den Begriff Soziale Marktwirtschaft nicht mehr beinhaltet, also einen Kurs, der unausgesprochen auch den Aufschwung nach dem 2. Weltkrieg erst möglich gemacht hat. Wer ungebremste Wirtschaft verlangt, wie die AfD, pfeift auf Arbeitnehmer*innen und alle sozialen Errungenschaften der arbeitnehmerfreundlichen Parteien und der Gewerkschaften seit dem es Kapitalismus gibt.
Gewerkschaften bilden das Rückgrat der „Arbeiter“
Besonders deutlich wird die Haltung der AfD zu den „Arbeitern“ beim Thema Gewerkschaften. In dem gestern bei der Tagesschau gezeigten Interview mit Tino Chrupalla wird deutlich, dass die Linie der AfD deutlich gegen Arbeitnehmer*innen-Rechte ist.
[…] Die soll sich durch Mitgliedsbeiträge organisieren und nicht für Demonstrationen kämpfen, gegen rechts vor allen Dingen […], so Tino Chrupalla in der ARD. Offenbar hat die AfD ähnliche Interessen, wie eine Partei aus den 1920 – 1933 in der Weimarer Republik.
„Arbeiter“ werden also keineswegs durch die AfD vertreten, eher im Gegenteil, am Ende verlieren sie ihre Rechte und haben sich dem Markt zu fügen. Und trotzdem: Die AfD profitiert von sozialer Verunsicherung. Diese Art des Protestes ist absolut Kontraproduktiv, leibe Arbeitnehmer*innen und Arbeitnehmer.
Gewerkschaften bilden das Rückgrat der „Arbeiter“
Historisch lässt sich ein ähnliches Muster beobachten: Die NSDAP inszenierte sich stark als Partei der „kleinen Leute“, Arbeiter und sozial Benachteiligten, während ihr tatsächliches politisches Handeln klar arbeitnehmerfeindlich und gewerkschaftsfeindlich war. Das ist ein historischer Befund, der in der Forschung gut dokumentiert ist.
Die NSDAP warb u. a. mit:
„Arbeit und Brot“
„Schutz des kleinen Mannes“
„Gemeinnutz geht vor Eigennutz“
Versprechen sozialer Sicherheit
Kritik an „kapitalistischen Ausbeutern“ und „marxistischen Verrätern“
Sie positionierte sich bewusst zwischen Kapitalismus und Sozialismus, um Arbeiter anzusprechen.
Doch die politische Realität nach der Machtübernahme sah ganz anders aus:
Zerschlagung der freien Gewerkschaften (2. Mai 1933)
Gewerkschaftshäuser wurden besetzt
Funktionäre verhaftet
Vermögen beschlagnahmt
Tarifautonomie abgeschafft
Einführung der Deutschen Arbeitsfront (DAF)
Keine echte Arbeitnehmervertretung
Keine Streiks
Keine Tarifverhandlungen
Arbeitsbedingungen wurden staatlich und arbeitgebernah festgelegt
Arbeitsrechtliche Verschlechterungen
„Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit“ (1934):
Unternehmer wurden zu „Betriebsführern“
Beschäftigte zu „Gefolgschaft“
Hierarchische, autoritäre Struktur
Streiks verboten
Kündigungsschutz geschwächt
Löhne staatlich niedrig gehalten
Wirtschaftspolitik
Enge Kooperation mit Großindustrie
Aufrüstung als Beschäftigungsmotor
Reallöhne stagnierten oder sanken trotz Propaganda
Vielen Menschen ist in Deutschland bei der Betrachtung der „Arbeiter“ nur bekannt, dass sie im 2. Weltkrieg vor allem als Soldaten dienten und die Arbeit zu Hause nur von wenigen oder Frauen erledigt wurden, natürlich mit Zwangsarbeiter*innen. Dass im Vorfeld schon durch die nationalsozialistische Doktrin Arbeitnehmerrechte ausgehebelt wurden, man auch in Betrieben nur Soldat war und die Löhne effektiv gesenkt wurden, ist nicht mehr sehr präsent.
Die NSDAP nutzte sozialpopulistische Rhetorik, um Arbeiter zu gewinnen, aber setzte autoritäre, gewerkschaftsfeindliche und arbeitnehmerfeindliche Politik um.
Das Muster wird in der Forschung oft beschrieben als:
„Sozial reden, autoritär handeln.“
Die AfD verführt, besser wird es nicht!
Das Fazit ist eindeutig. Die in Niedersachsen als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD ist keine Partei der „Arbeiter“ oder traditionell gesprochen der „Arbeiterklasse“. Sie vertritt eindeutig Kapitalinteressen und wendet sich mit ihren Entscheidungen in den Parlamenten ab von den Arbeitnehmer*innen.
Arbeitnehmer*innen, die sich nicht mehr in der Gesellschaft wahrgenommen fühlen, wählen auch noch eine Partei, die im Grunde demokratiefeindlich ist. Wer Menschenrechte und Bürgerrechte massiv einschränken will, wird am Ende auch Arbeitnehmerrechte einschränken. Das ist vielen Wähler*innen gar nicht so bewußt, ist die Demokratie doch irgendwie gefühlt sicher, doch bei möglichen Ergebnissen über 10 Prozent oder gar 40 Prozent in Ostdeutschland ist der Einfluß bereits auf Länderebene so groß, dass schon auf Länderebene Einschränkungen vorprogrammiert sind.
Schlimm dabei ist, viele Arbeitnehmer*innen wird derzeit keine echte Alternative aufgezeigt. Die CDU verhält sich in Teilen ähnlich der AfD und mit Friedrich Merz hat sich dieser Eindruck verschärft. Die SPD hat ein Identitätsproblem und hat bereits einen Großteil ihrer Stammwähler, darunter der „Arbeiter“ verloren und alle anderen Parteien sind nicht auf „Arbeiter“ zugeschnitten. Lediglich Die Linke als Partei könnte ideologisch „Arbeiter“ ansprechen, wird aber immer noch als „Kommunisten“ wahrgenommen, dabei sind sie tatsächlich in der Demokratie angekommen.
Hier bleibt nur zu hoffen, dass die SPD wieder mehr „Arbeiter“ – Positionen bezieht und vor allem gegenüber der CDU rote Linien zieht. Und bitte auch mal darüber reden, derzeit hören die „Arbeiter“ nicht, was die SPD zu sagen hat.
An die Arbeitnehmer*innen kann ich nur ein Appell richten: Niemals die AfD wählen, auch nicht, wenn man frustriert ist. Sie helfen Euch nicht, sie helfen niemandem im Land. Sie schaden nur und wollen Euch das nehmen, was wir noch haben: Würde, Freiheit und Rechte.

You must be logged in to reply to this topic.