Stimmungsmache und fatale Signale in Langenhagen
Am Montagabend, 23. Februar 2026, debattierten in Langenhagen über 200 Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung über die geplante Errichtung einer Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 530 Geflüchtete an der Emil-Berliner-Straße. Die Atmosphäre war angespannt, der Ton scharf. Die Landesaufnahmebehörde Niedersachsen (LAB NI) hatte Anfang Februar 2026 bekannt gegeben, dass auf dem ehemaligen EDC-Gelände eine solche Einrichtung entstehen soll – zunächst für zwölf Jahre, mit Option auf Verlängerung.
Die Medien, zunächst die Bezahlmedien von der Verlagsgesellschaft Madsack GmbH & Co. KG, die Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), und nun jetzt am Wochenende das Langenhagener Echo.
Die „Debatte“ über das Erstaufnahmelager in Langenhagen gerät dabei eher zu einem Beispiel, wie man es nicht macht und wie man Menschen in die Arme von radikalen Kräften treibt, die nichts anderes vorhaben, als die Demokratie zu nutzen, um Freiheit und Demokratie abzuschaffen. Dabei haben sich bis heute alle Beteiligten „schuldig“ gemacht, auch die Medien, denn in den Köpfen der Menschen bleibt nur eines hängen: Fremdenhass ist salonfähig.
Zunächst einmal zu den Medien. Von der HAZ habe ich eigentlich nichts anderes erwartet, auch das Langenhagener Echo hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert, steht es so schlecht mit den Einnahmen für Anzeigenschaltungen? Wie kann man einen Artikel aufmachen mit „Wissen Sie, welche Angst wir haben, wie wir uns fürchten?“ und dann auch noch meinen, man hält sich an journalistische Standards, wie eine Neutralität. Der Aufmacher hat mich eher an die Zeitung mit den vier großen Buchstaben erinnert, fehlt nur noch ein reißerisches Bild, wie es die AfD in einem Flyer in Langenhagen verteilt hat. Man muss sich für solche Artikel schon schämen.
Aber die Medien befinden sich dort in guter Gesellschaft, selbst etablierte Parten der Stadt, die CDU, die ja das Christliche im Namen trägt, und sogar die gute alte Tante SPD, die das Soziale im Namen trägt, haben nichts anderes zu tun, als der in Niedersachsen als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuften (18.02.2026) AfD auch noch Futter zu geben. Eine Resolution gegen das Errichten eines Erstaufnahmelagers? Ernsthaft?
Nun zunächst eine kleine Zusammenfassung der Veranstaltung:
Bürgermeister Mirko Heuer (CDU) steht nach der Ankündigung der Erstaufnahmeeinrichtung in Langenhagen in der Kritik, da ihm vorgeworfen wird, Rat und Öffentlichkeit nicht frühzeitig informiert zu haben. Er betont, erst im Februar 2026 von den Plänen des Landes erfahren zu haben und seitdem gegen das Vorhaben zu sein. In einem offenen Brief kritisierte er das Vorgehen des Landes, da trotz Ablehnung der Stadt Verträge abgeschlossen wurden, ohne die Kommune einzubeziehen.
Viele Anwohner äußerten bei der Veranstaltung Sorgen hinsichtlich der Infrastruktur, Immobilienwerte und des sozialen Zusammenhalts. Sie bemängelten mangelnde Transparenz und Einbindung der Stadtgesellschaft. Eine Petition fordert mehr Offenheit und die Prüfung von Alternativen, da der Standort als ungeeignet angesehen wird.
Während Teile des Rates und Heuer das Projekt ablehnen, werfen andere Verzögerungstaktik vor. Die Stadt verweist auf sinkende Belegungszahlen und reduzierte Kapazitäten in anderen Einrichtungen, was die Frage aufwirft, warum Langenhagen besonders betroffen ist.
Zugegeben, die Zusammenfassung ist kurz, aber echte Fakten waren eher Mangelware während der Veranstaltung (diese hatte ich hier schon einmal beschrieben), es war sehr emotional.
Mal etwas zum Nachdenken, möchte ich aber auch mitgeben, schließlich kennen wir Deutschen Flucht, aus unserer eigenen Geschichte:
Flucht und Vertreibung aus dem Osten Deutschlands (1944–1945)
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs flohen Millionen Deutsche aus den östlichen Gebieten des Deutschen Reiches – vor allem aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern und dem Sudetenland. Die Hauptgründe dafür waren:
- Vorrücken der Roten Armee: Die sowjetischen Truppen drangen ab 1944 mit extremer Härte vor. Berichte über Massaker, Vergewaltigungen und Plünderungen durch sowjetische Soldaten verbreiteten Angst und Panik unter der Zivilbevölkerung.
- Flucht vor Kampfhandlungen: Viele Menschen versuchten, den direkten Kriegshandlungen zu entkommen, da Städte und Dörfer zu Schauplätzen erbitterter Kämpfe wurden.
- Vertreibungsbefehle: Nach der Potsdamer Konferenz (Juli–August 1945) wurden die deutschen Bevölkerungsgruppen in den nun polnisch oder sowjetisch verwalteten Gebieten systematisch vertrieben. Dies betraf etwa 12–14 Millionen Menschen.
- Propaganda und Chaos: Die NS-Führung hatte die Flucht zunächst verboten, um die Moral aufrechtzuerhalten. Als die Flucht schließlich erlaubt wurde, führte das zu einem chaotischen Massenexodus, oft unter lebensbedrohlichen Bedingungen (z. B. Trecks im Winter, Angriffe auf Flüchtlingstrecks).
Feindseligkeit im Westen Deutschlands
Die Flüchtlinge und Vertriebenen stießen in den westlichen Besatzungszonen und der späteren Bundesrepublik auf Ablehnung und Vorurteile. Gründe dafür waren:
- Wohnungs- und Versorgungsnot: Die westdeutschen Städte waren durch Bombenangriffe zerstört, Nahrung und Wohnraum knapp. Die Ankunft von Millionen Flüchtlingen verschärfte die Not weiter.
- Schuldzuweisungen: Viele Westdeutsche machten die Flüchtlinge für die Kriegsniederlage und die eigene Misere mitverantwortlich – besonders, wenn diese als „NS-Anhänger“ oder „Drückeberger“ wahrgenommen wurden.
- Kulturelle Unterschiede: Die ostdeutschen Flüchtlinge sprachen oft Dialekte, waren mehrheitlich protestantisch (im katholischen Süden) und galten als „fremd“. Dies führte zu Spannungen.
- Wirtschaftliche Konkurrenz: Flüchtlinge wurden als Konkurrenten um Arbeitsplätze und Sozialleistungen gesehen, was Neid und Ressentiments schürte.
Die Integration gelang nur langsam und war von sozialen Konflikten geprägt. Erst mit dem „Wirtschaftswunder“ der 1950er-Jahre besserte sich die Situation allmählich.
Wir waren also irgendwann in der Geschichte unserer Familien auch einmal Flüchtlinge, und wenn nicht, kann man einfach noch weiter in die Geschichte der Menschheit zurückblicken, Flucht und Ströme gibt es, seit es Menschen gibt, und sei es nur aus Gründen des Nahrungsmangels.
Ich muss mich schämen. Für die Politiker und auch die Medien. „Mensch sein“ ist bei all der Stimmung nicht erwünscht. In Langenhagen passiert in Kleinem das, was wir auch in Deutschland und der Welt sehen: Egoismus und die Gier nehmen mehr Platz im Leben ein, als Menschlichkeit.
Statt die wirklichen Sorgen anzugehen, also sozialen Wohnungsbau zu forcieren, als Beispiel, forciert man Fremdenhass und zündet mit einer Resolution ein Feuerwerk mit Nebelkerzen, dass den Faschismus in Langenhagen befeuert und die Wählerinnen und Wähler in die Arme der gesichert rechtsradikalen AfD treibt. Besonders schlimm, wenn sich eine SPD daran auch noch beteiligt.
Schämt Euch!

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